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Der Bülowplatz im Westend wird neu gestaltet. Der Kessebach wird ans Licht geholt. ©2026 Volker Watschounek

„Bäche ans Licht“: Bülowplatz wird umgestaltet

Am Bülowplatz startet die Neugestaltung: Der Kesselbach soll sichtbar werden, Flächen werden entsiegelt, Sitzplätze entstehen. Das Projekt „Bäche ans Licht“ verbindet Stadtgeschichte mit Klimaanpassung – und zeigt im Westend, wie Wasser, Grün und Nachbarschaft zusammenfinden.

Kyra Intelliana 6 Stunden vor 0

Wiesbaden baut den Bülowplatz um: Der Kesselbach taucht auf, Wege werden entsiegelt, das Westend gewinnt eine Mikro-Oase.

Am Bülowplatz beginnt die Umgestaltung nicht mit Lärm, sondern mit einer leisen Idee: Wasser sichtbar machen. Mit dem symbolischen Spatenstich startet am Montag die letzte Bauphase eines Projekts, das im Wiesbadener Westend lange diskutiert, mehrfach überarbeitet und nun umgesetzt wird – im Rahmen von Bäche ans Licht.

„Wir geben heute den Startschuss für die entscheidende Phase dieses kleinen, aber sehr feinen Platzes“, sagt Grünflächendezernentin Christiane Hinninger. In den kommenden Monaten entsteht hier eine grüne Oase, in deren Zentrum – oder genauer: an deren Rand – der Kesselbach wieder auftaucht. „Wiesbaden ist eine Stadt des Wassers. Dieses Projekt passt zu unserer Identität.“

Vom Abwasserkanal zurück ins Stadtbild

Was heute selbstverständlich wirkt, gilt vor über hundert Jahren als Fortschritt: Bäche verschwinden in Kanälen, Hygiene geht vor Natur. „Heute sind die Voraussetzungen andere“, betont Hinninger. Das Bachwasser fließe sauber, Abwasser werde getrennt geführt. „Deshalb können wir das Wasser nun wieder punktuell sichtbar machen – wortwörtlich ans Licht holen.“

Der Bülowplatz folgt damit dem Weg anderer Orte in der Stadt. Platz der Deutschen Einheit, Quartiersplatz, Seelandplatz – überall dort zeigt sich bereits, wie Wasser das Stadtbild verändert. „Wir stellen historische Bezüge wieder her und schaffen gleichzeitig einen Beitrag zur Klimaanpassung“, sagt Hinninger.

Ein Platz, der verhandelt wird

Dass der Weg dorthin kein gerader ist, verschweigt an diesem Vormittag niemand. Hans-Peter Schickel (SPD), stellvertretender Ortsvorsteher im Westend, spricht offen von politischen Auseinandersetzungen. „Es gab unterschiedliche Vorstellungen, etwa zur Nutzung der Platzmitte oder zur Frage von Gastronomie“, sagt er. Entscheidend sei jedoch gewesen, am Grundsatz festzuhalten: „Der Bülowplatz soll eine grüne Oase bleiben.“

Der nun gefundene Kompromiss trage diese Idee weiter. „Nicht alle Wünsche lassen sich gleichzeitig erfüllen“, sagt Schickel, „aber ich bin überzeugt, dass wir hier eine tragfähige Lösung haben.“ Das gelte insbesondere für das Hier und Jetzt das mit zwei Standorten im Westend zu einer festen Größe geworden ist und nicht nur die Ecke Scharnhorst-/Blücherstraße belebt, sondern auch das Bülowplätzchen. Das Hier und Jetzt soll künftig über die gesamte Breite einen erweiterten Bereich bekommen. Der angedachte Fahrradstäder wird versetzt.

Technik ohne Theater

Zurück um Kesselbach. Er wird künftig in einem natursteinverkleideten Bett parallel zum Gehweg verlaufen. Sitzbereiche am Ein- und Auslauf laden zum Verweilen ein, eine Aufweitung in der Mitte lässt den Bach natürlicher wirken. „Das Wasser kommt allein durch den vorhandenen Druck an die Oberfläche“, erklärt Umweltamtsleiter Klaus Friedrich. „Ganz ohne Pumpen, ganz ohne zusätzlichen Energiebedarf.“

Ein Detail, das für Fachleute entscheidend ist – und für den Platz spürbar. „Wasser kühlt, Wasser belebt“, sagt Friedrich. „Gerade in dicht bebauten Quartieren ist das ein echter Gewinn.“

550 Quadratmeter mit Wirkung

Auch Thomas Wilperling, Leiter des Grünflächenamts, spricht lieber von Wirkung als von Größe. „Die Fläche ist klein, aber sie funktioniert als Mikrooase“, sagt er. Platten werden zurückgebaut, Flächen entsiegelt, Stauden gepflanzt. „Der Boden kann wieder Wasser aufnehmen und atmen.“

Die Kosten der Umgestaltung liegen bei rund 705.000 Euro, knapp die Hälfte kommt aus der Städtebauförderung. Viel Geld für einen kleinen Platz – und doch eine Investition in Alltag. Oder, wie Hinninger es formuliert: „Es sind die Anwohner, die hier am meisten profitieren werden.“

Foto – Bülowplatz ©2026 Volker Watschounek

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