Das Wort Porajmos bezeichnet den Völkermord an den europäischen Roma im Dritten Reich. Es ist der Höhepunkt einer langen Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung. 

Auch in diesem Jahr wird es am 8. März, eine Gedenkstunde geben. Corona-bedingt findet sie ohne Publikum statt und wird stattdessen live und als Aufzeichnung auf wiesbaden.de zu sehen sein. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und der Vorsitzende des Verbands hessischer Sinti und Roma, Adam Strauß, erinnern im Beisein von Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel an die Opfer.

„Auch in Zeiten der Corona-Pandemie ist es wichtig, dass wir das Gedenken wachhalten.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Am 8. März gedenken wir den aus Wiesbaden nach Auschwitz deportierten Sinti und Roma. 119 Wiesbadener vom Neugeborenen bis zum Greis wurden in die Lager verschleppt, zur Arbeit gezwungen, vergast und vernichtet. Der Völkermord stellte den traurigen Höhepunkt einer jahrhundertelangen Verfolgung und Diskriminierung dar. Sinti leben bereits seit circa 600 Jahren im deutschsprachigen Raum. 600 Jahre in denen sie einerseits Teil der Gesellschaft waren, aber auch immer wieder aus ihr ausgeschlossen wurden, erinnert Adam Strauß.

„Wenn wir uns mit der Geschichte der Verfolgung befassen, erinnern wir nicht nur das Leid, welches unsere Menschen erleben mussten. Es erinnert uns auch an die gesellschaftliche Verantwortung, die wir tragen.“ – Adam Strauß

Die gegenwärtigen Entwicklungen seien für die Angehörige der Minderheit von Sinti und Roma sehr verunsichernd. Der Verband hessischer Sinti und Roma sehendie Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien, die rechte Gewalt, wie sie sich besonders deutlich in Kassel, Halle und Hanau gezeigt hatte. Er sehe Fälle, wie den in Singen, wo ein kleines Kind von der Polizei in Handschellen widerrechtlich festgenommen worden sei. Wir sehen das mit Sorge, aber wir sehen auch, dass es Widerstand gibt, dass Kritik an Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus lauter wird. Lassen Sie uns unser Gedenken am 8. März als Teil dieses Widerstands betrachten, den es fortzuführen und auszubauen gilt, so Strauß weiter.

„Wir gedenken der Sinti, die Opfer des Holocaust geworden sind. Es ist unsere moralische Pflicht, an das Leiden der Menschen, die unter dem NS-Regime verfolgt wurden, zu erinnern. Seit 1992 steht in der Bahnhofstraße das Mahnmal, das dauerhaft an die Deportation von 119 Wiesbadener Sinti in das Konzentrationslager Auschwitz und an den Völkermord der Nazis an Sinti und Roma erinnert.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Dieses Mahnmal solle ein deutliches Zeichen für Haltung und Rückgrat, Hinschauen und Einmischen, Mitgefühl und Solidarität sein, so Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. Das Mahnmal besteht aus einem großen dreigeteilten Sandsteinblock. Er zeigt eine Gruppe von Männern, Frauen und Kindern, die sich – erdrückt unter einer schweren Last – auf dem Weg in den Untergang befindet. Es ist wichtig, diesen immer noch so wenig wahrgenommen Teil des Rassenwahns der Nazis eindringlich ins Gedächtnis zu rufen. Das Gedenken an die Deportation Wiesbadener Sinti im Jahr 1943 ist fester Bestandteil der Erinnerungskultur in unserer Stadt, so Mende.

Die virtuellen Gedenkstunde „im Stillen“ wird am Montag, 8. März um 16:00 Uhr live übertragen.

Foto: Das Mahnmal am Geschwister-Stock-Platz –  ©2018 Volker Watschounek

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Die offizielle Internetseite des Landesverbandes der Sinti und Roma finden Sie unter www.sinti-roma.com.

 

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