„Wie lange noch wollt ihr Marionetten sein; Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter; Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein; Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter.“

Ein Song der bewegt, ein Song der aufrütteln möchte – in der vergangenen Woche äußerten sich Xavier Naidoo ins die Söhne Mannheims mit dem Text iHersteller neuen Songs „Marionetten“ kritisch gegenüber der politischen Elite. Der Song hat für einiges Aufsehen gesorgt – bis hin zu persönlichen Anfeindungen. Etliche Medien haben den neuen Song der Söhne Mannheims, daraufhin verrissen.

Offener Brief

In einem offenen Brief steht der CDU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Lorenz Xavier Naidoo zur Seite. Die
Reaktionen, die Naidoo hervorgerufen hätte, lösten bei Lorenz größere Empörung aus als der Songtext an sich. Berhard Lorenz sieht die Verse von der Kunst- und Meinungsfreiheit in Deutschland gedeckt. Die Verse bewegten sich im Rahmen dessen, was wir in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft aushalten müssen, so Lorenz.

“Die Meinungen Anderer müssen wir diskutieren, nicht stigmatisieren. Immerhin scheint eine solche Diskussion in Gang zu kommen, wenn ich beispielsweise an die Äußerungen von Michael Mittermeier denke, der weniger Ihren Song, aber doch Sie persönlich gegen die teils völlig überzogenen Anfeindungen in Schutz nimmt.“ – Bernhard Lorenz, Fraktionsvorsitzender

Der Song von Xavier Naidoo erscheint nach Lorenz in gewisser Hinsicht in der Tradition des klassischen Protestliedes zu stehen. Nach seinem „Verständnis dient ein Protestlied dazu, gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen, eine Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Fragen zu provozieren bzw. Menschen zu sensibilisieren oder auch zu mobilisieren.“ Und aus diesem Grund dürfe das Lied zu- und sogar überspitzen, ebenso wie es als künstlerisch überformte Äußerung auch mehrdeutig sein kann.

Exkurs Hessische Ausländerbehörde

Bernhard Lorenz erinnert sich in seinem Brief an seine Anfänge als Wiesbadener Stadtverordneter: Im Jahre 1998 rückte der mittlerweile verstorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt das Handeln der Wiesbadener Ausländerbehörde bei der Abschiebung einer kurdischen Familie in die Nähe des Nationalsozialismus.
In seiner kabarettistischen Fernsehsendung „Scheibenwischer“ hatte er die Frage gestellt, ob die Mitarbeiter der Behörde „vielleicht noch nachträglich in die SS eintreten“ wollen. Die CDU hatte seinerzeit Anzeige wegen dieser Äußerung erstattet. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren unter Verweis auf die Kunstfreiheit eingestellt.

„Oder denken Sie an manch einen politisch aufgeladenen Song, wie etwa das Stück „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“ der Band „Ton Steine Scherben“, die eine eindeutige Botschaft vermitteln und mittlerweile als nicht nur feuilletonistisch akzeptierte Ikone des bundesdeutschen Politrocks vergangener Jahrzehnte gelten.“ – Bernhard Lorenz, Fraktionsvorsitzender

Bei soviel für und wieder sieht der Fraktionsvorsitzende den eigentlichen Skandal in der öffentlichen Diskussion zwischen der harschen Verurteilung der meist wenig konkreten Collage von Stimmungen und Wahrnehmungen in dem Songtext. Lorenz schließt seinen Brief mit den Worten „Ich habe den Eindruck, dass bei der Beurteilung dessen, was als künstlerisch wertvolle Meinung gilt, oft mit zweierlei Maß gemessen wird. Wichtiger als eine Botschaft scheint in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter zu sein, wer diese Botschaft sendet. Danach bemisst sich, ob eine Meinung oder Aussage als Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs akzeptiert wird oder nicht.“

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