Vor dem Christopher Street Day würdigt die Stadt das Engagement queerer Gruppen – und spricht offen über Diskriminierung.
Zwischen Regenbogenflaggen, Gesprächen und kleinen Snacks herrschte am Freitagabend im Innenhof des Wiesbadener Rathauses eine besondere Stimmung. Menschen aus Vereinen, Initiativen, Politik und Stadtgesellschaft kamen zusammen, begrüßten sich mit Umarmungen, tauschten Erfahrungen aus und blickten zugleich auf eine Realität, die oft weniger bunt ausfällt als der festliche Empfang vermuten ließ. Beim traditionellen Regenbogenempfang hat die Stadt Wiesbaden erneut das Engagement von Menschen gewürdigt, die sich für die Rechte und die Sichtbarkeit von LSBT*IQ-Personen einsetzen.
Drei Tage PRIDE in Wiesbaden
Nach der erfolgreichen Premiere des dreitägigen PRIDE-Formats im vergangenen Jahr setzt Wiesbaden auch in diesem Jahr wieder auf ein langes Wochenende für Sichtbarkeit, Protest und Begegnung, eine Mischung aus Drag-Show, Demonstration und Familientag. Höhepunkt der PRIDE ist die Demo zum Christopher Street Day.
Unter dem Motto „Laut. Stolz. Unaufhaltsam. – Kein Schritt zurück!“ zieht die Demonstration am Samstag, 30. Mai, durch Wiesbaden. Startpunkt ist um 13 Uhr am Warmen Damm hinter dem Hessisches Staatstheater Wiesbaden.
Die Veranstaltung gilt inzwischen als fester Auftakt für den Christopher Street Day in der Landeshauptstadt. Seit 2019 lädt die Stadt jährlich ehrenamtlich engagierte Gruppen und Initiativen eine Woche vorher ins Rathaus ein – als Zeichen der Anerkennung, aber auch als Plattform für Austausch und Vernetzung.
Zwischen Offenheit und Anfeindung
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende nutzte den Abend, um die Bedeutung gesellschaftlichen Engagements hervorzuheben. „Es braucht Menschen, die sich einbringen, die Haltung zeigen und die eine vielfältige Gesellschaft als ein bewahrenswertes Gut betrachtet“, sagte Mende. Je sichtbarer diese Haltung gelebt werde, desto weniger Raum bleibe für Ausgrenzung und Feindseligkeit.
Dass dieses Thema in Wiesbaden weiterhin aktuell bleibt, zeigen Ergebnisse einer städtischen Erhebung aus dem vergangenen Jahr. Dabei wurden lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen nach ihrem Sicherheitsempfinden und ihren Erfahrungen im öffentlichen Raum gefragt. Viele Befragte beschrieben Wiesbaden grundsätzlich als sichere Stadt. Gleichzeitig berichteten zahlreiche Teilnehmer von abwertenden Kommentaren, beleidigenden Blicken oder offenen Anfeindungen. In einzelnen Fällen kam es sogar zu körperlichen Übergriffen.
Die Zahlen machen deutlich: Sichtbarkeit bedeutet für viele queere Menschen noch immer auch Verletzbarkeit.
Mehr Vertrauen schaffen
Bürgermeisterin Christiane Hinninger sprach deshalb vor allem über die Hemmschwelle vieler Betroffener, Übergriffe überhaupt zu melden. „Jeder Fall von Gewalt und Diskriminierung gegen Angehörige sexueller und geschlechtlicher Minderheiten ist einer zu viel“, sagte Hinninger. Viele Menschen würden sich nach solchen Erfahrungen weder an die Polizei noch an Beratungsstellen wenden.
Die Stadt will genau dort ansetzen. Der Magistrat plant, die Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Westhessen weiter auszubauen. Ein erster Schritt war bereits in der vergangenen Woche sichtbar: Bei der Sprechstunde „Gemeinsam. Sicher. Queer.“ im Rathaus konnten Ratsuchende mit Ansprechpartnern der Polizei und der städtischen LSBTIQ-Koordinierungsstelle ins Gespräch kommen. Ziel sei es, Hemmungen abzubauen und konkrete Hilfsangebote sichtbarer zu machen.
Gerade auf kommunaler Ebene, so der Tenor des Abends, entscheide sich oft, ob Menschen sich im Alltag angenommen fühlen oder nicht. Nicht große Debatten prägen das Sicherheitsgefühl, sondern Begegnungen auf der Straße, in Schulen, im Sportverein oder eben auch im Rathaus.
Aidshilfe feiert 40 Jahre Engagement
Einen besonderen Moment erhielt der Abend durch den Blick zurück. Die Aidshilfe Wiesbaden e.V. feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Gründer und Vorsitzender Hans A. Kloos erinnerte an die Anfänge der Vereinsarbeit in einer Zeit, in der HIV und Aids häufig mit Angst, Vorurteilen und gesellschaftlicher Ausgrenzung verbunden waren.
Zum Abschluss wurde es musikalisch. Der queere Chor „Die Uferlosen“ begleitete das Ende des offiziellen Programms mit mehreren Liedern – leise, harmonisch und passend zu einem Abend, der weniger laut protestierte als vielmehr deutlich machte, wie wichtig dauerhafte Sichtbarkeit und gegenseitige Unterstützung bleiben.
Archivfoto – Regenbogenempfang im Innenhof ©2026 Volker Watschounek
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Weitere Informationen zu, International Day Against Homophobia, Biphobia, Transphobia IDAHOBIT.




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