In Wiesbaden ging es verhältnismäßig ruhig zu. Richtig hohe Bußgelder wurden keine verhängt. Ein Bußgeld zwischen 35 und 120 Euro genügt aber auch.

Nur durch Aufklärung, Prävention aber auch gezielte Kontrollen kann die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden. Hier ist der europaweite Speedmarathon ein Mittel zum Zweck. Rund 700 Polizisten beteiligten sich am Mittwoch von 6 biss 22 Uhr daran.

„Mit dem Aktionstag will die Polizei das Thema Geschwindigkeit und seine Folgen ins Bewusstsein der Autofahrer rufen. Geschwindigkeit ist der entscheidende Faktor bei einem Verkehrsunfall, wenn es um die Schwere der Folgen geht.“ – Gaby Häuser Polizeidirektorin

Zogen die Beamten sowie die Kommunalen Mitarbeiter zur Halbzeit gestern Nachmittag noch eine gemischte Bilanz (Wiesbaden lebt! berichtete), wendete sich das Blatt bis zum Marathonende um 22.00 Uhr. Zum Schluß zeigte sich, dass das Gros der Autofahrer sich intensiv über die Blitzstellen informiert hatte.

„Die Polizei appelliert daher an alle Verkehrsteilnehmer die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und sich bei jeder Fahrt und zu jeder Zeit an die Regeln zu halten.“ – Gaby Häuser Polizeidirektorin

Insgesamt passierten in Hessen etwa 245.000 Fahrzeuge die Messstellen. Rund 11.000 Fahrzeuge waren zu schnell. Dies entspricht einer Beanstandungsquote von 4,3 Prozent. 9.865 Fahrzeugführer wurden mit Überschreitungen bis zu 20 km/ gemessen, was ein Verwarnungsgeld bis 35 Euro zur Folge hat. Mit einem Bußgeld zwischen 70 und 120 Euro sowie ein bis zwei Punkten müssen 723 Fahrer rechnen.

Ausreißer gibt es immer wieder

Negative Ausreißer gab es auch. Die Polizisten erwischten insgesamt 43 Raser, die so schnell fuhren, dass sie jetzt für mindestens vier Wochen auf ihren Führerschein verzichten müssen. So brachte es auf der der A 5 in Höhe des Reiskirchener Dreiecks in Mittelhessen ein Pkw-Fahrer in einem 80-er Baustellenbereich auf 127 km/h = 47 km/h zu flott.

Den traurigen Geschwindigkeitsrekord stellte ein Verkehrsteilnehmer auf der B 44 im Bereich des Polizeipräsidiums Südhessen auf. Er brachte es bei einer Messung zwischen Bürstadt und Biblis auf 189 (einhundertneunundachtzig) Stundenkilometer, bei erlaubten 100 km/h.

Die Blitzanlage am Elzer Berg auf der A 3 in Westhessen ist bundesweit sicherlich eine der bekanntesten Blitzanlagen. Der Spitzenreiter während des Speedmarathons beschleunigte seinen Pkw bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 100 km/h in Richtung Frankfurt am Main auf 176 km/h.

Im Lahn-Dill-Kreis hatte sich der aus Österreich stammende Fahrer eines Pkw mit Anhänger offensichtlich nicht über die Blitzstellen des Speedmarathons informiert. Er passierte die Messstelle auf der Bundesstraße 255 bei Herborn mit 136 km/h, obwohl er mit seinem Gespann maximal 80 km/h hätte fahren dürfen. Die Kollegen behielten eine Sicherheitsleistung von 340 Euro ein.

Ins Schmunzeln gerieten Polizisten in Frankfurt: Sie begrüßten in einer Blitzstelle einen alten Bekannten. Er war bereits vorher an selber Stelle von den Kollegen wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten worden. Für beide Verstöße wurde er vor Ort zur Kasse gebeten.

Am Ausbauende der A 661 bei Egelsbach rauschte ein Autofahrer mehr als doppelt so schnell wie erlaubt durch eine 70 km/h – Zone. Vom Display des Messgeräts lasen die Polizisten 150 km/h ab. Dies ist der zweithöchste Geschwindigkeitsverstoß des diesjährigen Speedmarathons. Darüber hinaus stellten die Polizisten bei dem Raser eine Taschenlampe mit integriertem Elektroschocker sicher.

In Nordhessen brachte es ein Verkehrsteilnehmer auf der B 3 bei Sebbeterode, zwischen Gilserberg und Jesberg, auf 129 „Sachen“. Erlaubt sind an dieser Stelle maximal 70 km/h.

Die Topmessung der Polizeiautobahnstation Bad Hersfeld in Osthessen erreichte ein Autofahrer mit 156 km/h bei erlaubten 100 km/h.

Telefonieren und Gurtpflicht

Die Polizisten achteten bei ihren Kontrollen aber nicht nur auf Geschwindigkeiten. Sie ahndeten auch Verstöße gegen das Telefonieren während der Fahrt, gegen die Gurtpflicht oder andere schwerwiegende Verstöße.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf zogen die Polizisten einen Lkw-Fahrer aus dem Verkehr, der für seinen 12-Tonner keine Fahrerlaubnis hatte und erwischten einen Beifahrer mit geringen Mengen an Betäubungsmitteln in seinen Hosentaschen.

Speedmarathon wurde zum Alkoholtest

In Frankfurt brachte es ein Autofahrer auf 1,8 Promille. Er musste sich einer Blutentnahme unterziehen und wartet nun auf ein Strafverfahren wegen Trunkenheit im Straßenverkehr.

Gefährlich wurde es für einen Kollegen an einer Kontrollstelle im Polizeipräsidium Mittelhessen. Bereits aus der Ferne gut hörbar näherte sich ein Motorrad mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Der Polizist stellte sich auf die Fahrbahn und gab Zeichen, um den Raser auf seinem Bike zu stoppen. Der nahm den Ordnungshüter wahr, reduzierte merkbar seine Geschwindigkeit und schaltete herunter. Kurz bevor er den Kollegen erreichte, gab er Gas und raste an dem Kollegen vorbei. Die Maschine ist auf einen 24-jährigen Biker aus dem Lahn-Dill-Kreis zugelassen. Die Polizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Unverbesserlich

Kurios ist die Geschichte eines Autofahrers in Frankfurt. Er fuhr gleich zweimal zu schnell in dieselbe Blitzstelle und musste für jeden Verstoß verwarnt werden. ∆

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