Ob der flächendeckende Einsatz einer Videoüberwachung mehr Sicherheit bringt, ist nicht wirklich zu klären. Unzweifelhaft ist aber: Die Aufklärung gelingt schneller.

Mit 73 Kameras an 18 Standorten an sogenannten Hotspots wie dem Platz der Deutschen Einheit und rund um den Hauptbahnhof einschließlich der Wege zum Kulturzentrum Schlachthof sind das neue digitale Herz in der Wiesbadener Sicherheitsarchitektur (Videoüberwachung).

„Ab heute verbessern 73 Kameras an 18 Standorten am Platz der Deutschen Einheit und rund um den Hauptbahnhof einschließlich der Wege zum Kulturzentrum Schlachthof die Sicherheit.“ – Dr. Oliver Franz,Ordnungsdezernent

Beide Orte gehören laut Kriminalitätsstatistik zu den Kriminalitätsschwerpunkte. Selbstverständlich hält sich Stadt bei dem Betrieb der Anlagen an die engen gesetzliche Vorgaben. So schreibt der Gesetzgeber vor, dass (1) Die Überwachung verhältnismäßig sein muss. Das bedeutet, dass sie den beabsichtigten Zweck bewirken oder zumindest fördern muss; es dürfen keine anderen milderen Mittel zur Verfügung stehen, die den gleichen Zweck erfüllen können. (2) Die Überwachung ist kenntlich zu machen werden, beispielsweise durch ein entsprechendes Hinweisschild. (3) Die Daten dürfen nur zu dem Zweck, zu dem sie erhoben wurden genutzt werden und sind danach zu löschen.

„Ab heute verbessern 73 Kameras an 18 Standorten am Platz der Deutschen Einheit und rund um den Hauptbahnhof einschließlich der Wege zum Kulturzentrum Schlachthof die Sicherheit.“ – Dr. Oliver Franz,Ordnungsdezernent

Nach Aussage von Wiesbadens Ordnungsdezernenten erfülle die Stadt alle Vorgaben. Im Vorfeld der Installation standen die städtischen Behörden erfüllen im engen Austausch mit dem Hessischen Datenschutzbeauftragten. Es sei gewährleistet, dass die Löschung der Daten nach 14 Tagen erfolge, so Franz. Einzusehen sind die Aufnahmen nur von der Landes- und Stadtpolizei und das auch nur in der Leitstelle der Stadtpolizei, im 1. Revier und im Polizeipräsidium Westhessen sowie in der Brita-Arena. Die Kameras sind zum Teil schwenkbar und können auch zoomen.

„An vielen Beispielen in Deutschland lässt sich der Nutzen bei der Aufklärung von Straftaten durch Videoüberwachung festmachen. Nicht zuletzt an den vielen Vorfällen rund um den Schlachthof in den vergangenen Wochen. Selbstverständlich ersetzt die Videoüberwachung nicht eine gute Polizei- und Ordnungsamtsarbeit, aber sie ergänzt sie.“ – Dr. Oliver Franz,Ordnungsdezernent

Die Kosten für die Lieferung und Montage belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Hierzu kommen noch Nebenkosten für die Tiefbauarbeiten sowie die Verkabelung in Höhe von rund 350.000 Euro.

Hintergrund zur Videoüberwachung

Den Startschuss zum Neubau und der Erneuerung der Videoschutzanlage gab ein Interview des Wiesbadener Polizeipräsidenten Stefan Müller im Wiesbadener Kurier vom 14. Januar 2017. Dort plädierte er für die Erneuerung der Videoschutzanlage am Bahnhofsvorplatz. Dieser Auffassung hat sich die Stadtverordnetenversammlung angeschlossen und die weiteren Vorschläge des Polizeipräsidenten, die eine Installation von Videoschutzanlagen auch an anderen Plätzen vorsehen, wurden ebenfalls positiv geprüft.

Videoüberwachung: Der Weg ist frei

Am 18. Mai 2017 hat die Stadtverordnetenversammlung die entsprechenden Planungsmittel bereitgestellt und die Modernisierung beziehungsweise Reaktivierung der Videoüberwachung am Platz der Deutschen Einheit und im Bereich des Hauptbahnhofs beschlossen. Ebenso wurde beschlossen, dass aus polizeifachlicher Sicht weitere sinnvolle Plätze benannt werden sollen. Dies ist mit der Benennung der Zuwegung zum Kulturzentrum auch geschehen.

250 Pixel pro Meter

Die Stadt Wiesbaden hat sich für ein Sicherheitskonzept basierend auf der patentierten Panomera Multifocal-Sensortechnologie von Dallmeier entschieden. Mit dieser Technologie ist es möglich, 40000 Quadratmeter mit lediglich 58 Panomera Kamerasystemen zu erfassen. Und zwar in der von der Stadt vorgegebenen Mindestauflösungsdichte von 250 Pixel pro Meter. Im Vergleich zu Megapixel- und PTZ-Kameras erfassen Panomera Multifocal-Sensorsysteme stets das gesamte Geschehen in der definierten Mindestauflösung. Dies ermöglicht selbst in der Aufzeichnung hochauflösende Zooms in jedem Teilbereich und eine ausreichend gute Datenqualität für Videoanalyse-Anwendungen. Eine Panomera-Kamera verfügt für verschiedene Sensoren für unterschiedliche Entfernungen, mit der jeweils passenden Brennweite und Lichtempfindlichkeit. Das Ergebnis ist ein einheitliches Gesamtbild mit gleichbleibender Mindestauflösung auf der gesamten Fläche.

Die Wirksamkeit der Videoüberwachung

(Auszug) Videoüberwachung (CCTV) hat viele Funktionen, insbesondere aber die der Kriminalprävention und der Strafverfolgung. Sie wird sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich eingesetzt. Als vorbeugende Intervention ist CCTV ein Ansatz der situationsbezogenen Kriminalprävention (Lösel, 2004). Als eine Technik formaler Überwachung fungiert sie stellvertretend oder ergänzend zur personalen formellen oder informellen Sozialkontrolle. Mögliche Wirkmechanismen der Videoüberwachung sind die Abschreckung, effiziente Strafverfolgung durch verbesserte Beweislage und die Förderung der Selbstkontrolle potentieller Täter (Armitage, 2002). Die Präsenz von Videokameras kann allerdings auch unerwünschte Nebenwirkungen haben, indem z.B. Bürgern ein falsches Gefühl von Sicherheit vermittelt wird und sie damit eigene Sicherheitsvorkehrungen unterlassen. Außerdem besteht die Gefahr der Verschiebung von Kriminalität auf andere Orte, Zeiten und Personen (Quelle: Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention)

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Eine Studie zur Wirksamkeit der Videoüberwachung finden Sie unter www.kriminalpraevention.de.

 

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