Wer mit leichten Beschwerden zum Arzt geht, kann die Praxis schon Mal mit neuen Problemen verlassen: einer Erkältung etwa. Wart’s ab hilft, Ansteckungen zu vermeiden.

Schon vor der Corona-Pandemie hat niemand gerne gewartet – auch nicht auf einen Arztbesuch.  Unter den Bedingungen des Abstandhaltens und der Kontaktbeschränkungen gilt es umso mehr, volle Wartezimmer zu vermeiden. Die vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und der Techniker Krankenkasse geförderte App Wart’s Ab setzt hieran.

„Mit der App gehören lange Wartezeiten in Gesundheitseinrichtungen der Vergangenheit an. Die App informiert, wann der Termin real stattfinden kann, damit die Patienten rechtzeitig in der Praxis sein können. Die Technologie ist ein wichtiges digitales Mittel zum Zweck – Patientennutzen und Datenschutz stehen im Vordergrund.“ – , Minister Kai Klose

Bei Wart’s Ab handelt es sich um ein gemeinsames Projekt des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI), der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und der MyEPA UG. MyEPA ist ein Start-up, in dem Studierende, Mitarbeitende und Professoren der Technischen Hochschule (TH) Mittelhessen zusammenarbeiten. Das System ist einfach anzuwenden: Der Patient ruft in der Praxis an und bittet um einen Termin. Das Praxisteam erzeugt mit der Wart’s Ab-Praxis-App einen Zahlencode, den der Patient in die Patienten-Version der App eingibt. Praxis und Patient verständigen sich über den Zeitraum, den der Weg in die Praxis in Anspruch nimmt, damit die Abfolge der Behandlungen optimal geplant werden kann. Ist der Patient an der Reihe, erhält er via App eine Benachrichtigung vom Praxis-Team und begibt sich auf den Weg zur Praxis.

„Die Patienten reduzieren so nicht nur die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer, sondern können die Wartezeit flexibel nutzen, zum Beispiel um sich bis unmittelbar vor dem Arzttermin zuhause im Bett auszuruhen oder im Home-Office weiterzuarbeiten.“ – Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen

Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen nun 60 Praxen in Mittelhessen und im Rhein-Main-Gebiet mit dem System ausgestattet werden. Die Interaktion zwischen der Patienten- und Praxis-App läuft völlig anonym ab. Das heißt, es werden keine persönlichen Daten zwischen dem Handy des Patienten und der Arztpraxis hin- und hergeschickt. Mehr Sicherheit geht nicht“, sagt Projektleiter Prof. Thomas Friedl, Hochschulprofessor an der TH Mittelhessen. Man wisse, wie sensibel die Daten seien, die offen legten, welcher Patient in welche Praxis gehe. Deswegen sind wir stolz darauf, dass unser Wart’s Ab Server, diese Angaben nicht braucht. Auch wenn der Patient im schlimmsten Fall gehackt würde, würde die App dem Hacker nur Ziffernfolgen anbieten. Selbst der etreiber des Wart’s Ab Systems, könne nie erfahren, wer, wann, warum und wohin geht. Ein zusätzlicher Pluspunkt für die Patienten: Innerhalb der App können sie derzeit zwischen Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch und Farsi (Persien und Afghanistan) als Eingabesprachen wählen.

„Der Grundsatz ‚Privacy by Design‘, ein gesetzter Begriff aus der Datenschutzgrundverordnung, sieht vor, dass die technische Ausgestaltung neuer Softwaresysteme komplett datenschutzkonform ist. Dies ist für uns von der MyEPA UG und insbesondere auch für unsere Studierenden an der TH Mittelhessen wie in Stein gemeißelt.“ – Prof. Thomas Friedl, Hochschulprofessor an der TH Mittelhessen

„Wart’s Ab“ ist vor allem dann eine Hilfe, wenn es um ungeplante, kurzfristige Arzttermine geht. Seit der Verabschiedung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes 2018 müssen Arztpraxen mindestens fünf Stunden wöchentlich als offene Sprechstunden anbieten – das heißt, sie müssen Behandlungszeiträume für Patienten freihalten, die spontan vorstellig werden. An dieser Stelle kann „Wart’s Ab“ über die Pandemie hinaus eine Unterstützung sein.

„Wird das Warten auf den Arzt nicht mehr als unnötige Zeitverschwendung wahrgenommen, sind die Patienten entspannter und zufriedener. Das entlastet auch das Praxispersonal.“ – Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen

Bis Ende April 2021 werden 60 Pilot-Praxen das „Wart’s Ab“-System testen. Danach erfolgt eine wissenschaftliche Evaluation des Projekts unter Einbeziehung der TH Mittelhessen. Parallel arbeitet ein weiteres Team von Prof. Friedl bereits an einer Variante des Systems, die keine Tablet-Computer mehr in den Praxen benötigt. Es würde dann ein normaler Computer mit Internetanschluss ausreichen, um den Patienten ‚Wart’s Ab‘ anbieten zu können, so Friedl. Auf diese Weise könne das Projekt nach Ablauf der Pilotphase oder auch bei einer unerwartet großen Nachfrage weiteren Praxen zur Verfügung gestellt werden. Noch sind nicht alle Plätze in der Pilotphase von „Wart’s Ab“ vergeben. Es werden noch Arztpraxen aus dem Raum Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet, die an dem Projekt teilnehmen möchten, gesucht.

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Die offizielle Internetseite von Wart’s ab und die Seite zum Bewerben finden Sie unter www.warts-ab.org.

 

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