Wiesbaden zentralisiert Photovoltaik, baut neue Anlagen und setzt auf Eigenverbrauch. Das spart Geld, senkt CO₂ und bringt Struktur in den Ausbau.
Die Sonne scheint, die Stadt handelt. Der Magistrat der Landeshauptstadt beschließt am 27. Januar, Bau und Betrieb eigener Photovoltaik-Anlagen konsequent zu zentralisieren. Künftig übernimmt das städtische Hochbauamt Planung, Wartung, Betrieb und Monitoring – alles aus einer Hand. Das klingt nach Ordnungsliebe, meint aber vor allem Tempo, Verlässlichkeit und Wirtschaftlichkeit.
Wenige Prozent, großes Potenzial
Rund 40 Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen Verwaltung und Eigenbetriebe jährlich. Bereits heute speisen 35 Anlagen auf städtischen Dächern Solarstrom ein. Sie decken den Bedarf von etwa 350 Haushalten. Doch der Anteil am Gesamtverbrauch bleibt mit rund drei Prozent überschaubar. Genau hier setzt der neue Kurs an: Jedes Jahr sollen Anlagen mit zusammen rund 600 Kilowattpeak entstehen – genug für weitere 150 Haushalte. Fortschritte will die Stadt künftig jährlich offenlegen.
Schulen zuerst, Sonne inklusive
Die Baustellenliste liest sich vertraut und folgerichtig. Auf den Dächern der Ortsverwaltung Auringen sowie der Leibniz- und Wilhelm-Leuschner-Schule laufen die Arbeiten. Oranienschule und Diltheyschule folgen. Schulen eignen sich: viel Dach, klarer Tagesverbrauch, direkte Nutzung. Der Strom fließt dort, wo er entsteht – ohne Umwege, ohne Verluste.
Rechnen mit Wirkung
Photovoltaik rechnet sich für die Stadt doppelt. Rund 280.000 Euro spart Wiesbaden pro Jahr durch Eigenverbrauch und Einspeisevergütung. Gleichzeitig sinken die Emissionen um etwa 550 Tonnen CO₂ jährlich. Das entspricht 2,7 Millionen Autokilometern oder einem Transatlantikflug mit 200 Personen – hin und zurück. Zahlen, die nicht blenden, sondern überzeugen.
Wirtschaftlich denken, technisch planen
Sinkende Einspeisevergütungen verändern die Logik. Wer selbst nutzt, gewinnt. Speicher rücken deshalb in den Fokus. Sie machen Solarstrom auch abends nutzbar. Bei der Planung prüft das Hochbauamt Dachneigung, Ausrichtung, Verschattung und Strombedarf. Keine Anlage entsteht nach Schema F, jede nach Standortlogik.
Bündelung mit Langzeitblick
Die Zentralisierung schafft Standards, sichert Qualität und hält Kosten im Zaum. Betriebssicherheit zählt ebenso wie der Blick auf den gesamten Lebenszyklus. Oder, weniger technisch: Jede neue Anlage macht die Stadt unabhängiger. Die Sonne liefert – Wiesbaden organisiert.
Symbolfoto ©2026 Volker Watschounek
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