Als Host Town ist Wiesbaden Mit-Gastgeber der Special Olympics World Games Berlin 2023. Mit einem abgestimmten Gastgeber-Programm und Inklusions-Scouts wird die Stadt bleibende Eindrücke vermitteln. 

Über eins sind sich in Wiesbaden alle Beteiligten einig: Die besondere Aufgabe des Gastgeber-Programms (Host Town Program) im Rahmen der Special Olympics World Games Berlin 2023 heißt, nicht mit dem 25. Juni 2023 damit abzuschließen, sondern alle Erkenntnisse, Errungenschaften und Anstrengungen dauerhaft in der Stadtgesellschaft zu etablieren. Der 25. Juni ist der Abschlusstag der Weltspiele und damit auch das offizielle Ende des Gastgeber-Programms für 216 ausgewählte Kommunen aus allen Regionen Deutschlands, die in den vier Tagen vor den Spielen im kommenden Jahr die Athleten mit geistiger und mehrfacher Behinderung aus aller Welt zu Gast haben. Wiesbaden beherbergt vom 12. bis 15. Juni die Delegation aus Indonesien und als Gastgeber, möchten Wiesbadens Oberbürgermeister auch alle Wiesbadener mit einbeziehen.

„Wir hoffen, den Inklusionsgedanken nachhaltig in unserer Stadtgesellschaft zu verankern, daher hat es mich persönlich sehr gefreut, dass Wiesbaden als Host Town ausgewählt wurde.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Genau dafür plant Wiesbaden unter anderem ein Rahmenprogramm, das mit einem Inklusionstag am 3. Juni schon frühzeitig die Bürger einstimmen soll. Die Stadt wolle das Thema sichtbar machen, sagt Andrea Hausy von der Stabsstelle Engagement. Die Stadt möchte Menschen mit und ohne Behinderungen neugierig machen, sie informieren und so hoffentlich auch Vorurteile abbauen, ergänzt Carl-Michael Baum, der Leiter des Bürgerreferats. Er möchte am Inklusionstag Tag auf dem Schlossplatz mit pfiffigen und spritzigen Programmpunkten Inklusion feiern, etwa mit einem inklusiven Musikevent, so viel sei schon einmal verraten.

„Das Thema Inklusion und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist mir als Oberbürgermeister ein wichtiges Anliegen!“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Darüber hinaus sollen Organisationen, Institutionen und Vertretungen mit Infoständen das Thema Inklusion bekannter machen und dabei helfen, Berührungsängste abzubauen. Auch die Stadtverwaltung ist beteiligt mit Workshops und Podiumsdiskussionen und mit einer inklusiven Ausstellung, die im Studiengang Media und Design der Wiesbadener Hochschule Rhein-Main im jetzigen Semester konzipiert und umgesetzt wird. Wichtige Anstöße dafür haben sich die Studierenden bereits im Historischen Museum Frankfurt geholt, wo das Thema Barrierefreiheit einen breiten Raum einnimmt. Natürlich ist auch dabei Leichte Sprache ein Grundelement, um nicht über die Menschen mit mehrfacher und geistiger Beeinträchtigung zu sprechen, sondern mit ihnen.

„Die Stadt freut sich, im Sommer 2023 die indonesische Delegation willkommen zu heißen. Ich bin sehr dankbar, dass viele Akteure, Organisationen und Engagierte das Host Town Program in unserer Stadt unterstützen.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.

Mit Menschen jedweder Nationalität oder Beeinträchtigung zu sprechen ist auch die Grundregel der Verantwortlichen im Wiesbadener Rathaus. Mit der Delegation aus Indonesien gab es deshalb bereits erste Kontakte. Im Moment warten die Koordinatoren in Wiesbaden auf Rückmeldung, um zu erfahren, was die Gäste in den vier Tagen vor den Spielen brauchen, erhoffen und erwarten. Wiesbaden will sie in der unmittelbaren Vorbereitung auf die Spiele auch nicht mit einem zu reichhaltigen Begleitprogramm überfordern. Gesetzt ist deshalb neben dem Inklusionsfest derzeit nur noch ein Abendempfang, alles andere wird mit der Delegation noch besprochen. Dafür stehen bereits die Rahmenbedin- gungen für den Aufenthalt fest. Das indonesische Team wird im barrierefreien Sportho- tel des Deutschen Schützenbundes untergebracht und hat somit nicht nur gute Trainings- möglichkeiten vor Ort, sondern auch einen geschützten Raum für die direkte Wett- kampfvorbereitung. Schließlich ist das Gastgeber-Programm aus der Idee entstanden, den Teilnehmenden an den Weltspielen nach langer Reise eine Anpassung und Akklima- tisierung zu ermöglichen. Mittlerweile ist das Programm aber noch viel mehr: Es soll nicht nur helfen, Special Olympics im ganzen Land bekannt zu machen, sondern auch die Inklusion in den Kommunen dauerhaft voranzubringen.

Die Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten, die wir derzeit zusammen planen, sollen auch bewusst alle Wiesbadener miteinbeziehen.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.

In Wiesbaden haben die Programm-Verantwortlichen schnell festgestellt, dass die Stadt bereits viel macht für die Inklusion, aber unabhängig voneinander in den verschiedensten Ämtern und Institutionen, obwohl es doch um ein gemeinsames Thema geht. Durch das Gastgeber-Programm wird nun in regelmäßigen Treffen alles zusammengeführt, was an Inklusions-Arbeit bereits geleistet und in Zukunft noch ausgebaut werden wird. Dabei haben die Verantwortlichen ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht: Der Zuspruch sei gewaltig, sagt Andrea Hausy, und es gebe niemanden, den die verantwortlichen Personen überzeugen müssten. Alle seien aufgeschlossen und würden mitmachen wollen. Das fängt bei den verschiedenen Dezernaten an, geht über Hilfsorganisationen, Hochschulen, Kirchen, Sportkreis und Sportvereine bis hin zu den Sponsoren, die nicht nur finanziell unterstüt zen, sondern sich auch inhaltlich einbringen und zum Teil auch Ihre Mitarbeitenden für ehrenamtliche Aufgaben zur Verfügung stellen wollen.

„Das Programm und alle beteiligten Projekte sind ein bisschen wie ein schwerer Zug. Wenn er erst mal in Bewegung ist, ist er nicht mehr aufzuhalten. Da sind wir jetzt schon. Es wollen viele mitmachen, es entwickelt sich toll.“ – Carl-Michael Baum

So wird ein Projekt Inklusives Ehrenamt aufgelegt, in dem sich, ganz nach dem Grundsatz der Teilhabe, Menschen mit Behinderungen selbst engagieren, zum Beispiel auch als Übungsleiter. Die Wiesbadener Fresenius Hochschule für Management und Wirtschaft hat im laufenden Wintersemester das Projekt Inklusive Sportpaten entwickelt, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe gemeinsam Sport treiben. Darüber hinaus unterstützen und begleiten die Sportpaten zum Beispiel auch beim Gang in einen Verein, informieren, wo welche Sportmöglichkeiten bestehen, und helfen so, Hürden abzubauen. Gerade für Special Olympics ist es ein großes Anliegen, langfristig mehr inklusive Sportangebote für Menschen mit geistigen und mehrfachen Beeinträchtigungen zu schaffen.

Bewusstsein für Inklusion schaffen

Umso erfreuter sind die Wiesbadener Verantwortlichen, dass auch die Hochschule dieses Engagement dauerhaft etablieren will. Das genau ist schließlich das Ziel: das Thema nachhaltig und damit weit über die Weltspiele hinaus zu gestalten. Das Gastgeber-Pro gramm ist dafür ein perfekter Aufhänger, der viele Menschen mitnehmen wird und ganz neue Chancen eröffnet.

Sven Albrecht wird das gerne hören. Der Bundesgeschäftsführer von Special Olympics Deutschland und Vorsitzende der Geschäftsführung der Special Olympics World Games Berlin 2023 hat das Ziel des Gastgeber-Programms im vergangenen Sommer so be- nannt: Ein Bewusstsein für Inklusion in der Gesellschaft schaffen. Wiesbaden ist, wie sicherlich alle 216 beteiligten Kommunen, auf einem guten Weg. (Text Ulrike Spitz)

Bild oben © 2022 Mikhail Nylon / Pexels

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Den offiziellen Flyer zu den Special Olympics 2023 in Berlin finden Sie unter specialolympics.de.

 

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