Jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten. In Zeiten der Pandemie mehr!

Der Hessische Landtag hat vergangene Woche einem Entschließungsantrag zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt in Zeiten der Corona-Pandemie diskutiert und stattgegeben. Dazu erklärt Hessens Sozial- und Integrationsminister Kai Klose: Es ist eines der wichtigsten Ziele der Hessischen Landesregierung, Frauen und Kinder zu unterstützen und zu schützen, die Opfer von jeglicher Form von Gewalt geworden sind und traumatisierende Erfahrungen erleiden mussten.

„Jeder Mensch hat das Recht, gewaltfrei zu leben. Wir statten Einrichtungen des Kinder- und Frauenschutzes deshalb finanziell besser aus und wappnen sie so für die besonderen Anforderungen der Pandemie.“ – Minister Kai Klose

Gerade während der Phase der intensiven Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung des Corona-Virus bestand die Sorge, Frauen und Kinder könnten verstärkt unter häuslicher Gewalt leiden, so Klose weiter. Erste Studienergebnisse der Technischen Universität München und des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung belegten eine Zunahme häuslicher Gewalt und den erschwerten Zugang zu Hilfe während der Corona-Pandemie. Zugleich sei im Bereich der häuslichen Gewalt das Dunkelfeld groß.

„Ein Indiz für eine wahrscheinliche Ausweitung des Dunkelfelds ist, dass niedrigschwellige Hilfsangebote wie etwa Telefon- und Online-Beratung häufiger genutzt worden sind.“ – Minister Kai Klose

Vor diesem Hintergrund war dem Land von Beginn an wichtig, dass alle Menschen wissen: Das Schutzsysteme steht trotz Corona bereit und ist erreichbar. Deshalb hat Hessens Landesregierung schon am 9. April auf die vielfältigen Hilfsangebote für Opfer von häuslicher Gewalt, die in Hessen verfügbar sind, hingewiesen. Alle Einrichtungen des Frauenunterstützungssystems und des Kinderschutzes stünden in der aktuellen Situation vor besonderen Herausforderungen, um die nötigen technischen und räumlichen Umstellungen, aber auch den Ausbau der Angebote sicherzustellen, so Klose. Dabei unterstützen wir sie! Wir helfen den Einrichtungen, ihre pandemiebedingten Kosten abzufedern und den gewachsenen hygienischen Vorgaben gerecht zu werden. Allein dafür stellt das Land drei Millionen Euro bereit, führt der Miniaster weiter aus. Mit dem Programm Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration könnten zudem bestehende Angebote des Kinder- und Frauenschutzes vom Land gefördert werden.

„Politik für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder findet in der gesamten Gesellschaft statt. Der Landespräventionsrat als Sachverständigengremium der Landesregierung ist dabei ein wesentlicher Partner. Gemeinsam mit den Fachkräften aus dem Frauenschutzsystem, dem Kinderschutz, der Männerberatung und Täterarbeit sowie der Kommunen und des Justiz-, des Innen- und Sozialministeriums wurde eine Vielzahl von Empfehlungen erarbeitet.“ – Minister Kais Klose

Hessen setze außerdem auf Prävention, um Gewalt gegen Frauen und Kinder von vornherein zu verhindern. Das Land finanziere ferner eine ganze Reihe von Modellprojekten zur Prävention und zum besseren Schutz von Frauen vor Gewalt, zur gewaltsensiblen gesundheitlichen Versorgung und zur verfahrensunabhängigen Beweissicherung.

„Deshalb unterstützen wir als Land die Arbeit der Beratungsstellen mit jährlich über acht Millionen Euro. 2020 und 2021 werden zusätzlich 400000 Euro für die Etablierung eines Childhood Hauses in Hessen sowie 800000 Euro für die Unterstützung der Kinderschutzambulanz des Universitätsklinikums Frankfurt am Main bereitgestellt.“ – Minister Kai Klose

In diesem Jahr stünde erstmals über eine Million Euro für Einzelmaßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zur Verfügung. Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass Frauenhäuser sowie Beratungs- und Interventionsstellen entsprechend der Istanbul-Konvention weiter gefördert werden. Damit sie sich baulich erneuern und ihre Kapazitäten erweitern können, stehen für Hessen bis 2023 jährlich rund 2,1 Millionen Euro aus dem Bundesförderprogramm ,Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen‘ zur Verfügung. Wir als Land ergänzen sie ab nächstem Jahr durch investive Mittel. All diese Maßnahmen zeigen, dass es uns gerade in der aktuellen Situation besonders wichtig ist, die Arbeit der spezialisierten Fachkräfte im Kinderschutz, der Frauenberatungsstellen und -notrufe wie auch der Frauenhäuser wertzuschätzen und anzuerkennen, so Klose abschließend.(Foto: Häusliche gewalt ©2o20 Виктория Бородинова auf Pixabay)

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