Denk mal an MS: Im Morgengrauen flimmert orange über den Rhein: Das Biebricher Schloss sendet ein sichtbares Signal für Betroffene.
Am Dienstagmorgen legt sich ein leuchtend orangener Schal um das Biebricher Schloss. Spaziergänger bleiben stehen. Kinder zeigen mit dem Finger. Ein Foto, ein Lächeln, ein kurzes Innehalten. Was auf den ersten Blick wie Kunst wirkt, ist eine Botschaft. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Hessen ruft mit ihrer Aktionswoche Denk-mal an MS zur Solidarität auf. Zum zweiten Mal in Folge werden bekannte Denkmäler in ganz Hessen in Orange gehüllt – als Zeichen für Menschen mit Multipler Sklerose.
Hinter jedem Denkmal: ein Mensch mit MS
Rund 28.000 Betroffene leben in Hessen. Für sie will die Aktionswoche ein Bewusstsein schaffen – jenseits medizinischer Fakten. „Multiple Sklerose ist nicht sichtbar. Unsere orangenen Schals machen sie es“, sagt Dagmar Spill, Vorstandsvorsitzende der DMSG Hessen. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen, Mitgliedern und Unterstützern gestaltet der Verein eine Woche, in der aus Denkmälern Denkanstöße werden.
Mobilität im Fokus
In diesem Jahr tritt ein neuer Aspekt ins Zentrum: Mobilität. Barrierefreiheit ist kein Luxus, sondern Bedingung für gesellschaftliche Teilhabe. Daher ruft die DMSG Hessen MS-Betroffene dazu auf, eigene barrierefreie Touren durch Hessen zu unternehmen. Diese sollen öffentlich zugänglich gemacht werden – samt Hinweisen zu Wegeführung, Zugänglichkeit und Herausforderungen.
„Mobilität entscheidet über Selbstständigkeit“, sagt Benno Rehn, Geschäftsführer der DMSG Hessen. „Wenn wir Denkmäler ins Licht rücken, dann auch die Frage: Wer kann sie eigentlich erreichen?“ Die Aktion wird damit mehr als eine symbolische Geste – sie wird zur Einladung, Hessen mit neuen Augen zu entdecken.
Vom Goethe-Denkmal bis zur Wasserkuppe
Die Bandbreite der beteiligten Orte reicht vom Brüder-Grimm-Denkmal in Hanau bis zum Radom auf der Wasserkuppe. Jedes einzelne Denkmal erzählt dabei nicht nur Geschichte, sondern vermittelt Haltung: Inklusion beginnt im Alltag. Im öffentlichen Raum. Im Sichtbarmachen. Im Gespräch.
2024 hatte Johann Wolfgang von Goethe in Frankfurt den ersten Schal getragen. Dieses Jahr leitet das barocke Biebricher Schloss die Woche ein. Eine Tradition, die wächst – mit jeder Schleife, jedem Foto, jedem Schritt.
Gemeinschaft als Fundament
Die Idee stammt aus Hanau – genauer: von der MS-Selbsthilfegruppe MainSchwäne. Dort wurde 2023 die erste Statue umhüllt. Inzwischen ist aus einem lokalen Impuls eine landesweite Bewegung entstanden. Möglich wurde das durch die breite Unterstützung: vom Landesamt für Denkmalpflege bis hin zu zahlreichen Kommunen, die mitmachen, mittragen, mitdenken.
Eine Woche, viele Stimmen
Denk-mal an MS ist mehr als ein Appell. Es ist ein Ausdruck von Gemeinschaft. Von Kreativität. Von Mut. Und von der Hoffnung, dass Krankheit nicht gleichbedeutend mit Rückzug sein muss. Der orange Schal wird dabei zur Brücke – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit.
Foto – Biebricher Schloss in Organge ©2025 DMSG Hessen
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