Nach französischem Vorbild: Der Vinothon verbindet Marathon, Wein und Erlebnis im Rheingau.
Es hat wie ein klassischer Wettkampf angefangen – und endete wie ein Fest. Beim ersten Vinothon, dem Genuss Marathon durch den Rheingau, liefen die Teilnehmer nicht einfach nur. Sie erlebten, kosteten, staunten – und gerieten zwischendurch immer wieder in Versuchung, stehen zu bleiben.
Ein Vorbild aus Frankreich
Ganz neu ist die Idee nicht. In Frankreich läuft man schon seit Jahrzehnten so. Der berühmte Médoc-Marathon, der seit 1985 jedes Jahr im September stattfindet, gilt als Mutter aller Genussläufe. Auch dort mischt sich sportlicher Ehrgeiz mit heiterer Lebensfreude. An den Versorgungsständen gibt es Weinverkostungen, die Strecke führt durch Weinberge, und viele Teilnehmer erscheinen in fantasievollen Kostümen.
Was im Médoc längst Kultstatus erreicht hat, feierte am Samstag im Rheingau seine Deutschland-Premiere. Der Vinothon greift diese Idee auf – und übersetzt sie in eine regionale Variante, die sich sehen lassen kann.

Zwischen Ehrgeiz und Entschleunigung
Schon der Start verriet: Dieser Marathon meinte es anders. Zwar nahmen ambitionierte Läufer die Strecke ernst, zogen ihr Tempo durch, griffen im Vorbeilaufen nach Wasser und vielleicht einem Apfel. Mit jedem Läufer aber, der nach den ersten 200 an die erste Verpflegungsstationen trat, veränderte sich die Dynamik spürbar.
Das galt auch für Kilometer elf, wo sich den Läufern das Panorama rund um Schloss Vollrads öffnete. Einige gerieten hier ins Stocken – nicht wegen der Höhenmeter, sondern wegen der Auswahl. Wasser? Klar. Apfel? Sicher. Müsliriegel? Auch das. Doch daneben lockten Gebäckstangen, süße Madeleines und alkoholfreier Sekt. Wer hier nicht kurz innehält, verpasst etwas. Oder war auf Kurs „Bestzeit“.
Für diejenigen, die sich Zeit ließen, wurde aus dem Marathon langsam Erlebnislauf. Ein Genusslauf. Der Vinothon eben.
Kostüme statt Kompression
Bilder viele aus Frankreich kennen, übertrugen sich im Rheingau. Auf der Strecke mischte sich sportlicher Ehrgeiz mit heiterer Selbstinszenierung. Manche Teilnehmer trugen künstliche Zöpfe, schmückten sich mit Weintrauben im Haar oder liefen in bunten Cowboyhüten durch die Weinberge. Andere wählten Tuniken oder fantasievolle Kostüme. Mehr und mehr verlor der Marathon an Strenge – gewann an Leichtigkeit.
Es wirkte, als habe sich der Rheingau am 25. September entschieden, den Laufsport für einen Tag neu zu denken: weniger Druck, mehr Freude – ganz im Sinne des französischen Vorbilds.
Der Ernst kehrt zurück – irgendwann
Das Ergebnis zeigt, der Vinothon blieb bei seiner Premiere auch ein echter Marathon. Spätestens bei Kilometer 25, als überwiegend nur noch die Langstreckenläufer unterwegs waren, dominierte die klassische Sportkleidung. Der Blick wurde fokussierter, die Schritte gleichmäßiger. Hier zählte wieder die Zeit mehr, nicht der Genuss.
Die Strecke war anspruchsvoll. Höhenunterschiede forderten Kraft, die Landschaft verlangte Aufmerksamkeit. Wer die zeit hier bestand, hatte nicht nur Ausdauer, sondern auch Disziplin bewiesen.
Fazit mit Strahlkraft
Die erste Ausgabe des Events entwickelte sich bei bestem Wetter zu einem vollen Erfolg. Rund 1480 Teilnehmer meldeten sich an, etwa 1100 erreichten schließlich das Ziel. Sportlich setzte sich Stephanie Ruland durch. Sie gewann über die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometer in 3:19:44 Stunden. Schnellster Mann war David Alexi. Knapp zwei Minuten nach der schnellsten Frau erreichte er das Ziel auf Schloss Henkel in 3:21:47 Stunden. Zusammen betonten Ruland und Alexi später, dass vor allem die anspruchsvollen Höhenprofile der Strecke den Unterschied machten.

Ein Konzept mit Zukunft
Veranstalter Kai Walter zeigte sich am zufrieden – und denkt bereits weiter. Der Vinothon ist als langfristiges Format angelegt, die nächste Ausgabe ist bereits in Planung. Und eins steht fest: Der Blick nach Frankreich zeigt: Das Konzept trägt auch im Rheingau.
Vielleicht liegt darin auch die eigentliche Stärke des neuen Formats: Der Vinothon zwingt niemanden zur Entscheidung. Hier darf man laufen – oder genießen. Oder beides. Und so verbindet der Rheingau sportlichen Anspruch mit einer Idee, die längst bewiesen hat, dass sie funktioniert: Ein Marathon kann mehr sein als ein Wettkampf. Er kann ein Erlebnis werden.
Ergebnis 8-Kilometer Top 10
623 Läuferinnen und Läufer in der Wertung.
| Platz | Name | Geschlecht | AK | Team | Netto-Zeit | Brutto |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Louis-Levin Feix | M | M | – | 33:10 | 34:19 |
| 2 | Oliver Dilorenzi | M | M50 | – | 35:39 | 35:39 |
| 3 | Marvin Schwinn | M | M | Kimchi X Kartoffel | 39:29 | 39:35 |
| 4 | Katja Straschil-Bischoff | W | W50 | – | 40:18 | 40:30 |
| 5 | Floris Van den Broek | M | M60 | – | 40:24 | 40:29 |
| 6 | Aleksander Burck | M | M | Very VAST | 40:34 | 45:39 |
| 7 | Kim Seunguk | W | W | Kimchi X Kartoffel | 41:41 | 41:47 |
| 8 | Tarik Laurin Diekmann | M | M | – | 41:42 | 41:42 |
| 9 | Johannes Treitz | M | M35 | – | 42:00 | 42:10 |
| 10 | Nadine Nega | W | W30 | – | 42:05 | 42:05 |
Ergebnis 21-Kilometer Top 10
316 Läuferinnen und Läufer in der Wertung.
| Platz | Name | Geschlecht | AK | Team | Netto | Brutto |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Stephan Schubert | M | M35 | – | 1:44:31 | 1:44:36 |
| 2 | Miriam Schubert | W | W35 | – | 1:44:31 | 1:44:36 |
| 3 | Conrad zu Hohenlohe-Langenburg | M | M | – | 1:48:59 | 1:53:16 |
| 4 | Erik Wegner | M | M35 | – | 1:51:21 | 1:55:14 |
| 5 | Armin Arnaut | M | M40 | Oetker Collection | 1:52:18 | 1:52:22 |
| 6 | Sophie Kroll | W | W30 | – | 1:53:18 | 1:57:11 |
| 7 | Christian Goldbach | M | M50 | Skiclub Kalbach/Rhön | 1:55:19 | 1:55:37 |
| 8 | Charlotte Richter | W | WJU20 | – | 1:57:40 | 2:01:40 |
| 9 | Steven Michael Walther | M | MU23 | Favo Run Club | 1:59:09 | 1:59:14 |
| 10 | Lucas Fischer | M | M30 | Favo Run Club | 1:59:09 | 1:59:14 |
Ergebnis 42,195-Kilometer Top 10
149 Läuferinnen und Läufer in der Wertung.
| Platz | Name | Geschlecht | AK | Team | Netto | Brutto |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Stephanie Ruland | W | W35 | – | 3:19:44 | 3:17:10 |
| 2 | David Alexi | M | M35 | – | 3:21:47 | 3:20:18 |
| 3 | Martin Engelhardt | M | M40 | TV 1848 Schwabach | 3:38:28 | 3:36:01 |
| 4 | Ralf Schweiger | M | M55 | RalfA-Tierchen | 3:49:54 | 3:46:34 |
| 5 | Dominik Lindner | M | M35 | – | 3:49:49 | 3:47:02 |
| 6 | Frank Thome | M | M40 | Laufart Rheingau | 3:51:34 | 3:49:28 |
| 7 | Jakob Söhne | M | M35 | – | 3:59:48 | 3:57:26 |
| 8 | Tanja Kryspin | W | W45 | – | 3:59:52 | 3:57:38 |
| 9 | Nora Blaul | W | W30 | – | 4:04:18 | 4:02:52 |
| 10 | Svenja Fritsch | W | W35 | – | 4:19:42 | 4:16:43 |
Foto – Start des 1. Vinothon ©Veranstalter
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Fotos vom ersten Vinothon sind hier abzurufen.



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