Menü

kalender

April 2026
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Partner

Partner

/* */

Jubiläum: „Einfach wegwerfen ist nicht die beste Lösung“

Seit zehn Jahren repariert das Repair-Café on Tour in Wiesbaden, was sonst im Müll endet. Im Umweltladen treffen Ehrenamtliche auf Erinnerungsstücke, Kabelbrüche und knifflige Gehäuse. Die Bilanz: viele gerettete Geräte – und eine kleine Rebellion gegen die Wegwerf-Logik.

Volker Watschounek 2 Monaten vor 0

Ehrenamtliche retten Toaster, Lampen und – und zeigen, dass Reparieren wieder Sinn ergibt. Wiesbadens Repair-Café on Tour wird zehn.

Ein Gerät verstummt. Der Schalter klickt ins Leere. Das Licht bleibt aus. „Wegwerfen wäre jetzt einfach“, sagt Bürgermeisterin Christiane Hinninger beim Jubiläum im Umweltladen. „Aber einfach ist nicht immer die beste Lösung – vor allem, wenn wir wissen, dass eine Reparatur oft möglich wäre.“

Seit zehn Jahren setzt das Repair-Café on Tour genau hier an. Jeden letzten Samstag im Monat bringen Wiesbadener ihre defekten Föhne, Zahbürsten, Toaster, Kaffeemaschinen – in die Luisenstraße 19. Dort stehen Ehrenamtliche bereit, prüfen, öffnen Gehäuse, suchen Fehler. Und sie erklären, was sie tun.

„Wir haben Spaß daran, Dinge wieder zum Laufen zu bringen“

Michael Troitzsch ist einer von Ihnen. Viele sehen in ihm den Macher im Hintergrund. Mittlerweile ist er seit acht Jahren dabei. Er organisiert Termine, schraubt, plant. „Wir freuen uns immer auf unseren Termin hier im Umweltladen“, sagt er und spricht für rund zwölf ehrenamtlichen Tüftler. „Der Kontakt mit Menschen, denen wir eine Freude machen, wenn ihr geliebtes Gerät wieder läuft – das motiviert uns.“

Technikbegeisterung spiele bei allen eine wichtige Rolle. „Wir schrauben gern. Und manchmal fühlt es sich an, als würde man der Industrie ein kleines Schnippchen schlagen.“ Er lacht. Gemeint sind Geräte, die sich kaum öffnen lassen. „Wenn wir sie dann doch aufkriegen und reparieren – wie zuletzt bei einem Fön – ist ein echt gutes Gefühl.“

Im vergangenen Jahr nehmen die Ehrenamtlichen 465 Geräte an. 291 funktionieren nach der Reparatur wieder. Über 60 Prozent Erfolgsquote. „Oft brauchen wir nur einen Schalter oder ein neues Kabel“, sagt Troitzsch. „Die meisten Reparaturen sind aber handwerklich lösbar.“ Ob der verstopfte Staubsauger oder en Gerät, an dem sich ein Kabel gelöst hat. Manchmal hat sich eine Mechanik auch einfach nur verklemmt.

„Das Repair-Café ist zur Institution geworden“

Roland Morell vom Umweltamt erinnert sich an eine kritische Phase: „Wir haben vor drei Jahren erwogen, das Repair-Café hier einzustellen.“ Die Nachfrage wuchs, der Platz wurde knapp. „Aber die Vehemenz, mit der uns die Ehrenamtlichen Reparateure die Bedeutung klargemacht haben, hat uns letztendlich überzeugt.“ Man habe eingelenkt. Heute sagt Morell: „Ich glaube, man kann sagen, dass das Repair-Café zur Institution geworden ist.“

Zum Jubiläum überreicht er symbolisch einen Schlüssel für einen neu freigeräumten Schrank. Mit dem Team des Umweltladens habe er lange darüber nachgedacht, was man den Helfede Händen gutes tun könne? Morell erinnert sich an die vielen Gespräche: daran das der Platz der Tüftler kanpp ist. „Ihr braucht Raum“, sagt er schließlich. „Für Werkzeug, für Ersatzteile.“ Troitzsch nimmt den Schlüssel lächelnd entgegen: „Das kommt uns sehr entgegen. Dann müssen wir weniger schleppen.“

Wenn Erinnerungen auf dem Tisch liegen

Im Teaam blicken Umweltamt und Tüftler zurück, erinnern an Geräte mit Geschichte. 36 Walkmans, Tonbandgeräte und Plattenspieler landen allein im vergangenen Jahr auf den Tischen. Troitzsch erzählt von einem älteren Herrn im Rollstuhl, der ein altes Transistorradio brachte. Der Herr erzählt, „wie er als junger Mann damit durch Paris lief.“ Die Batterie-Leitung war abgebrochen. Ein kleiner Lötpunkt reichte. „Er war glücklich. Nicht wegen des Geräts allein – wegen der Erinnerung.

„Wir merken, dass viele Menschen an ihren Dingen hängen“, sagt Troitzsch. „Ein 45 Jahre alter Mixer funktioniert oft besser als manches Neugerät. Und er gehört zum Leben dazu.“

Nachhaltigkeit zum Anfassen

Christiane Hinninger ordnet das langjährige Engagement politisch ein: „Sie leisten konkreten Ressourcenschutz. Sie vermeiden Abfall. Und Sie stärken Nachhaltigkeit im Alltag.“ In Hessen fallen jährlich zehntausende Tonnen Elektroschrott an. „Umso wichtiger ist es, dass Menschen hier ihr Wissen weitergeben.“

Viele Besucher kommen bewusst. „Wir wollen nicht, dass das im Elektroschrott landet“, berichten junge Familien. Andere nennen finanzielle Gründe. „Nicht jeder kann oder will sofort neu kaufen“, sagt Troitzsch.

Reparieren als Haltung

Am Ende bleibt mehr als Technik. Das Repair-Café bringt Menschen zusammen. Es vermittelt Wissen. Es ermutigt zum Selbermachen. Und es zeigt, dass Fortschritt nicht immer im Neukauf liegt. „Reparieren lohnt sich“, sagt Hinninger. „Für die Umwelt. Für den Geldbeutel. Und für das Miteinander.“

Nach zehn Jahren klingt das nicht wie ein Jubiläumssatz. Sondern wie ein Versprechen.

Foto – Das Reparaturteam im Repair Café ©2025 Volker Watschounek !

Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Mitte lesen Sie hier.

Die Internetseite vom Umweltladen finden Sie im internet unter www.wiesbaden.de.

Diskutieren Sie mit

Diskutieren Sie mit

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert