Winterliche Ruhe und ein Weihnachtsbummel im März: Tag 14 führt vom Polarkreis nach Süden, zwischen Eis, Lichtern und vorbei an stillen Kirchen.
Der Morgen begann ruhig in unserer Unterkunft bei Arctic Shaman Adventures – Jurtta. Nach den ungeplanten Werkstatttagen fühlte sich dieser Tag endlich wieder nach normalem Roadtrip an.
Frühstück im Winterdorf
Im Haupthaus wartete ein kleines, aber wirklich gutes Frühstücksbuffet. Kaffee, Tee, Saft und Wasser standen bereit. Dazu frischer Porridge, Obst, Müsli, gekochte Eier, Brötchen, Wurst und Käse. Genau das, was man nach einer kalten Nacht in Lappland braucht – einfach, aber richtig lecker.
Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und checkten pünktlich um 11 Uhr aus.
Spaziergang über den gefrorenen See und Huskys
Bevor wir endgültig aufbrachen, machten wir noch einen Spaziergang über den großen zugefrorenen See neben der Unterkunft. Die Eisfläche lag still unter einer dicken Schneeschicht, der Himmel getrübt und die Luft ruhig.
Nur wenige Minuten entfernt liegt eine Huskyfarm. Dort trafen wir einige Sibirische Huskys, die entspannt im Schnee lagen – freundlich, neugierig und durchaus verschmust. Diese Hunde sind meist an Besucher gewöhnt.
Vor den Schlitten arbeiten hier jedoch meist Alaskan Huskys. Diese sind speziell für Rennen und das Ziehen von Schlitten gezüchtet und gelten als besonders ausdauernd. Eine Mitarbeiterin erklärte uns, dass die Wohlfühltemperatur für Schlittenhunde etwa –15 °C beträgt – genau dann laufen sie am liebsten.
Ein spannender Einblick in eine Welt, die man sonst meist nur aus Dokumentationen kennt.
Zurück zur Werkstatt
Danach ging es zurück zur Werkstatt. Dort tauschten wir unseren Leihwagen – einen Toyota Prius – wieder gegen unseren Mitsubishi Pajero.
Die reparierte Bremsleitung vorne links hielt, das Auto fühlte sich wieder vertraut an. Endlich konnten wir unsere Reise fortsetzen.
Kurs: Süden – Richtung Rovaniemi.
Weihnachtsstimmung im Santa Claus Village
Am späten Nachmittag erreichten wir das Santa Claus Village.
Das Weihnachtsdorf liegt etwa acht Kilometer nördlich von Rovaniemi direkt auf dem nördlichen Polarkreis. Der Parkplatz ist kostenlos und auch der Zugang zum Dorf selbst kostet keinen Eintritt. Trotzdem wirkt die Anlage wie eine kleine Weihnachtswelt: Lichter, Musik, dekorierte Häuser, Restaurants, Souvenirshops sowie Angebote mit Rentieren und Huskys.
Wie der Weihnachtsmann nach Rovaniemi kam
Die Geschichte des heutigen Weihnachtsmanndorfes am Polarkreis bei Rovaniemi reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Damals wurde in der Nähe des Polarkreises eine einfache Hütte errichtet – ursprünglich für einen besonderen Besuch. Die ehemalige US-First-Lady Eleanor Roosevelt reiste 1950 nach Lappland und wollte bei ihrer Reise durch Finnland auch den Polarkreis besuchen.
Für diesen Anlass bauten lokale Behörden kurzfristig eine kleine Holzhütte direkt auf der Polarkreislinie. Sie diente als Empfangsort für Roosevelt und als symbolischer Punkt für Besucher. Der Besuch erhielt internationale Aufmerksamkeit und machte den Ort weit über Finnland hinaus bekannt.
Diese erste Hütte gilt heute als Ursprung des touristischen Konzepts rund um den Weihnachtsmann in Rovaniemi. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich daraus das heutige Santa Claus Village, das jährlich Hunderttausende Besucher anzieht. Das Dorf liegt offiziell auf dem Polarkreis und vermarktet sich als Heimat des Weihnachtsmanns – mit Postamt, Werkstätten und winterlichen Attraktionen.
Der Besuch Eleanor Roosevelts markiert damit einen überraschenden Anfang: Aus einer kleinen Hütte für eine prominente Reisende entstand eines der bekanntesten Weihnachtsziele Europas.
Viele Attraktionen im Dorf sind allerdings recht teuer. Beim Besuch beim Weihnachtsmann darf man keine eigenen Fotos machen. Stattdessen werden professionelle Bilder aufgenommen, die man anschließend kaufen kann – etwa 45 € pro Foto. Das war es uns dann doch nicht wert.
Ein kurzer Bummel durch die Souvenirläden durfte trotzdem nicht fehlen. Ein paar Magneten kauften wir als kleine Erinnerung an diesen besonderen Ort. Mit der Insta360 X4 Air fingen wir die besondere Stimmung im Santa Claus Village ein.
Abschied vom Polarkreis
Ein besonderer Moment unserer Reise war hier fast beiläufig: Wir überquerten den nördlichen Polarkreis ein zweites Mal – diesmal in südlicher Richtung.
Einige Tage zuvor hatten wir ihn auf dem Weg nach Norden überschritten, auf dem Weg zum Nordkap. Jetzt verließen wir langsam die arktische Zone wieder.
Was ist eigentlich der Polarkreis?
Der nördliche Polarkreis liegt derzeit bei etwa 66° 33′ nördlicher Breite. Er markiert die geografische Grenze der Arktis. Nördlich dieser Linie geht die Sonne mindestens einmal im Jahr nicht unter (Mitternachtssonne) und einmal nicht auf (Polarnacht).
Die genaue Lage des Polarkreises verschiebt sich übrigens langsam – etwa 15 Meter pro Jahr –, weil sich die Neigung der Erdachse minimal verändert.
Weiter Richtung Süden
Nach etwa zwei Stunden Weihnachtsstimmung ging es wieder auf die Straße. Wir hatten das Dorf schneller gesehen als gedacht.
Die Landschaft wurde ruhiger, der Verkehr weniger. Für die Nacht suchten wir uns schließlich einen ruhigen Platz an einer Kirche in Tornio, unweit der Grenze zu Schweden.
Hier schlugen wir schließlich unser Nachtlager auf. Ruhig, dunkel und abgelegen – ein guter Ort, um den Tag ausklingen zu lassen. Das Naturbummler-Dachzelt klappte wieder auf und die Standheizung sorgte für angenehme Temperaturen.
Tagesfazit
Tag 14 fühlte sich wieder nach Reisen an: Huskys, Winterlandschaft, Weihnachtsstimmung und schließlich eine stille Kirche am Rand des Waldes.
Und ganz nebenbei verabschiedeten wir uns vom Polarkreis – ein weiterer Meilenstein unserer Reise durch den hohen Norden.
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