Speedmarathon. Von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr waren Mitarbeiter der  Stadtpolizei und Beamten des Polizeipräsidiums Westhessen unterwegs.

Gestern Abend um 22.00 Uhr endete der diesjährige Speedmarathon. Mit dem Ziel, das Geschwindigkeitsniveau nachhaltig zu senken und damit Verkehrsunfälle mit Toten und Schwerverletzten zu reduzieren, beteiligten sich an knapp 300 Messstellen in Hessen über 800 Polizistinnen und Polizisten sowie die Mitarbeiter teilnehmender Kommunen.

Mit dem Aktionstag rief die Polizei das Thema Geschwindigkeit und seine Folgen ins Bewusstsein der Autofahrerinnen und Autofahrer. Geschwindigkeit ist der entscheidende Faktor bei einem Verkehrsunfall, wenn es um die Schwere der Folgen geht. Die Polizei appelliert daher an alle sich bei jeder Fahrt und zu jeder Zeit an die Regeln zu halten, um so selbst einen Beitrag für mehr Sicherheit und damit für mehr Lebensqualität zu leisten.

Die Hessische Polizei setzt bei der Aufklärung über die Gefahren zu schnellen Fahrens auf einen Mix aus verschiedenste Präventionsaktionen und gezielten Geschwindigkeitskontrollen. Darum wird die Hessische Polizei weiter Geschwindigkeitsmessungen durchführen, auch ohne die Messstellen vorher über die Medien bekanntzugeben.

Moderate Geschwindigkeitsübertretungen

Zur Zwischenbilanz bei „Halbmarathon“ gestern Nachmittag zeichneten sich schon erste Tendenzen ab, die die Messzahlen bis 22.00 Uhr bestätigten: Die meisten Verkehrsteilnehmer hatten sich eingehend mit dem gestrigen Speedmarathon befasst und waren offensichtlich gut informiert über die polizeilichen und kommunalen Blitzstellen. Am Ende des Tages zeigte sich, dass die große Mehrheit der Autofahrer sich an die vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Messstellen hielt. Wenn sie dennoch die geforderten Tempolimits überschritten, dann in der Mehrheit nur in moderatem Maße.

In den Gesprächen der Polizisten mit den gestoppten Schnellfahrern deuten viele der Erwischten an, dass sie sich zuvor über Messstellen informiert hätten, aber aus vielerlei Gründen, wie beispielsweise Ablenkung oder Routine auf der gewohnten Fahrstrecke, den Speedmarathon nicht mehr auf dem Schirm hatten. Erhöhte Verwarnungs- und Bußgelder und gestiegene Kraftstoffpreise motivieren den Angaben der Verkehrsteilnehmer zufolge zu einer regelkonformeren Fahrweise.

9000 Autos zu schnell

Insgesamt passierten in Hessen etwa 320000 Fahrzeuge die im Vorfeld über die Medien bekannt gegebenen Messstellen. Fast 9000 Fahrzeuge waren zu schnell. Dies entspricht einer Beanstandungsquote, das Verhältnis aller gemessenen Fahrzeuge zu denjenigen die zu schnell fuhren, von 2,7 Prozent. Über 5000 Fahrzeugführer wurden mit Überschreitungen bis zu 20 km/ gemessen, was ein Verwarnungsgeld bis zu 70 Euro zur Folge hat. Mit einem Bußgeld zwischen 100 und 200 Euro sowie einem Punkt müssen rund 1700 Fahrer rechnen. Negative Ausreißer gab es allerdings auch. Die Polizistinnen und Polizisten erwischten 139 Raser. Die fuhren so schnell, dass sie für mindestens vier Wochen auf ihren Führerschein verzichten müssen.

700 Euro Bußgeld und 3 Punkte

Im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis, auf der Bundesstraße 277 zwischen Dillenburg und Herborn, drückten drei Pkw-Fahrer deutlich aufs Gaspedal. Bei erlaubten 100 km/h „blitzte“ es bei 173, 150 und 146 km/h. Für den schnellsten Raser werden 700 Euro Bußgeld, drei Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg sowie ein dreimonatiges Fahrerverbot fällig.

Auf der Bundesstraße 47 im Landkreis Bergstraße besteht zwischen Lorsch und Bürstadt eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 km/h. Hier rauschte ein Raser mit 147 „Sachen“ in die Messstelle des Polizeipräsidiums Südhessen.

Hessenweit zu schnell

Auch in Nordhessen mussten die Kollegen gegen Raser einschreiten. Auf der B 7 bei Vellmar erreichten zwei Autofahrer 189 km/h sowie 160 km/h bei erlaubten 100 km/h. Auf der Ihringshäuser Straße in der Kasseler Innenstadt fuhr ein Pkw mit 85 km/h in die Messtechnik. An der Messstelle der Landstraße 3214 bei Schauenburg beschleunigte ein Pkw-Fahrer bei einem Tempolimit von 100 km/h auf 164 „Sachen“. Wenig Erfolg hatte ein 26-jähriger Autofahrer im Stadtgebiet Eschwege, der sich nach einer Geschwindigkeitsmessung aus dem Staub machen wollte. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf und stellte ihn in einer Sackgasse. Mit einem Blick auf die anschließend eingeleiteten Strafverfahren wird klar, warum er sich von der Polizei nicht erwischen lassen wollte: Zulassungsrechtliche Verstöße, Urkundenfälschung, Fahren ohne die erforderliche Fahrerlaubnis sowie Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln.

180 km/h anstelle von 120 km/h

Besonders eilig hatte es ein in den Niederlanden lebender Autofahrer gestern auf der A 3 bei Idstein. Der Raser ignorierte offensichtlich das Tempolimit von 120 km/h in Fahrtrichtung Köln und passierte die Messstelle des Polizeipräsidiums Westhessen mit Tempo 180. Der Niederländer musste einen hohen dreistelligen Euro-Betrag als Sicherheitsleistung hinterlegen.

Speedmarathon: Zwischenbilanz

Die Bilanz der hessischen Geschwindigkeitsmesser beim Speedmarathon fällt zur Halbzeit nüchtern aus. Offensichtlich waren die Fahrer über die Messstellen der Polizei gut informiert (Wiesbaden lebt! berichtete). An den Blitzstellen hielten sich die Gemessenen weitestgehend an die vorgegebenen Tempolimits. Das Gros der Verkehrsteilnehmer drückte deutlich weniger auf das Gaspedal. Wenn sie dennoch die geforderten Tempolimits überschritten, dann in der Mehrheit nur in geringem Maße.

Bußgelder und Spritpreise

Einige der Erwischten ärgerten sich über sich selbst, da sie sich nach eigenen Angaben zwar vorher über den Speedmarathon und die Blitzstellen informiert hatten, aber trotzdem erwischt wurden. Viele der mit geringen Überschreitungen gemessenen Autofahrer führten ihre moderate Fahrweise auf die kürzlich erhöhten Strafen für zu schnelle fahren zurück. Zudem wurden die aktuellen Spritpreise als Grund dafür angegeben, sich beim Druck auf das Gaspedal deutlich zurückzunehmen. Allerdings gab es auch Raser, die jetzt mit einem Fahrverbot rechnen müssen.

Nicht zu belehren

Auf der A3 bei Bad Camberg zum Beispiel ignorierte ein in Neuwied am Rhein lebender Audifahrer das dort bestehende Tempolimit von 120 km/h. Er fuhr mit 175 Sachen in die Messstelle des Polizeipräsidiums Westhessen.

In Hanau, in der Maintaler Straße, beschleunigte ein BMW-Fahrer auf 83 km/h. Auf der Innerorts gelegenen Straße sind maximal 50 km/h erlaubt.

Der Speedmarathon dauert noch bis heute 22.00 Uhr an. Listen der hessischen Blitzstellen und weitere Infos zum Speedmarathon findet man auf der Homepage der Hessischen Polizei unter

Foto oben ©2018 Volker Watschounek

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Die offizielle Internetseite zum Speedmarathon von Roadpol  finden Sie unter www.roadpol.eu.

 

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