Freude und Sorge – beides liegt dicht beieinander. Auch jetzt bei den Lockerungen der Corona-Regeln. Freude über Schritte zurück ins normale Leben und Sorge, ob daraus nicht ein Rückschlag folgt.   Mende

Von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Haben wir wirklich schon die grauenhaften Bilder von Särgen und Gräbern aus Bergamo und New York vergessen? Oder jene von völlig erschöpften Pflegekräften und Ärzten, die über sich selbst hinaus gewachsen sind? Sollen wir ernsthaft die Statistiken aus anderen Ländern ignorieren, die dramatische Todeszahlen vermelden? Diese Fragen stelle ich mir, wenn ich manche öffentliche Debatte und manchen Protest der vergangenen Tage betrachte. Mende

Das richtige Maßnahmenpaket

Aus meiner Sicht zeigen die internationalen Vergleiche vor allem eins, nämlich dass die Corona-Krise in Deutschland ziemlich gut beherrscht wurde. Unsere Maßnahmen waren nicht übertrieben, sondern sie waren vor allem erfolgreich. Infektionen zu vermeiden und damit Menschenleben zu retten, war das oberste Ziel. Und ich finde es unerträglich, wenn über alte oder vorerkrankte Menschen so gesprochen wird, als wäre ihr Leben weniger wert als das anderer.

Die Maßnahmen sind einschneidend und tun weh. Sie werden erhebliche wirtschaftliche, soziale und kulturelle Folgen haben. Aber sie wurden von demokratischen Regierungen veranlasst, sie können von unabhängigen Gerichten überprüft werden und jede und jeder kann sie öffentlich diskutieren und kritisieren. Es gab seit 1949 wohl noch keinen anderen Fall, in dem politische Verantwortliche so herausgefordert waren, Grundrechte abzuwägen und die Verhältnismäßigkeit der Entscheidungen zu prüfen.

Wiedergewonnener Freiraum

Jetzt stehen Lockerungen an und ich freue mich über diesen wieder gewonnenen Freiraum. Und natürlich darüber, dass auch die Wirtschaft langsam wieder Perspektiven gewinnt. Und mit den beschränkten Mitteln einer Kommune wollen wir gern helfen, die Krise zu überwinden.

Die Geschäfte dürfen schon länger wieder öffnen, die Gastronomie wird nicht mehr auf To-Go-Angebote beschränkt, Kultur, Sport und viel Dienstleistungsangebote sind wieder möglich. Das alles ist an klare Regeln gebunden. Und diese Regeln, vom Mundschutz bis zu Abstandgeboten, sind nötig, um nicht die Erfolge der vergangenen Wochen zu gefährden.

Das richtige Maß

Im Gegenteil: Die Infektionslage muss weiterhin ständig scharf beobachtet werden. Bund und Länder haben sich auf eine Eingriffsschwelle verständigt: Bei mehr als 50 Neuinfektionen auf 100000 Einwohner innerhalb einer Woche, sollen die Maßnahmen wieder verschärft werden. Das wären für Wiesbaden fast 150 neue Fälle in einer Woche. Mir erscheint die Grenze gefährlich hoch. Deshalb wird die Landeshauptstadt Wiesbaden deutlich früher, spätestens bei 35 Fällen pro 100000 Einwohnern oder beim Auftreten von „Hotspots“ mit Häufungen weitere Maßnahmen prüfen und falls erforderlich auch ergreifen.

Solidarisch und sozial

Unser Hauptziel bleibt bestehen: Neue Infektionen vermeiden und damit vor allem schwere Verläufe und Todesfälle verhindern. Mehr Freiraum für alle bedeutet auch mehr Verantwortung für jede und jeden. Mein Appell an die Wiesbadener Bürger lautet unverändert weiter: Bleiben Sie solidarisch und sozial, übernehmen Sie für sich und Ihre Mitmenschen Verantwortung, indem sie Abstand halten, Maske tragen, wo es vorgeschrieben ist, die Hygieneregeln beachten und mit Geduld und Freundlichkeit zum Zusammenhalt beitragen. Auch hinter dem Mundschutz kann man freundlich lächeln.

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