Man sieht ihn vom Weiten. Er gilt als Symbol von Delkenheim und sollte Platz für mehrere hundert Menschen bieten: so die Idee Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Idee damals wurde realisiert. In nur 16 Monaten wurde im September 1894 wurde unter der Leitung des Architekten Ludwig Hofmann und des damaligen Pfarrers Dr. August Lindenbein die neue Evangelische Kirche in Delkenheim gebaut. Wegen ihrer imposanten Größe nennt man sie auch heute noch Ländchesdom.

Ländchesdom, kurz gefasst

Der symmetrische Grundriss der Kirche hat eine Länge von 28,99 Metern und eine Breite von 14,88 Metern. Für 450 Menschen gibt es Sitzplätze. Den 44 Meter hohen Turm flankieren zwei Treppentürmchen, die als Aufgang zu den Emporen dienen. Im Turm befinden sich heute vier Glocken – zwei stammen aus dem Jahr 1920, eine aus dem Jahr 1955, eine weitere ist noch älter. Die mittelgroße romantische Orgel des Ländchesdom wurde 1894 von der Firma Weigle erbaut und gehört zur Erstausstattung der Kirche – auf zwei Manualen und Pedal sind 21 Register vorhanden, die Orgel hat 1098 Pfeifen und ein Windgebläse.

Am 12. September 1894 wurde der Ländchesdom eingeweiht. Zum 125. Geburtstag gibt das der Evangelischen Kirchengemeinde Delkenheim Anlass zum Feiern – mit Gottesdienst, Andacht und einer großen Party. Auch wenn die Zahl der Gemeindeglieder abnimmt, ist die Kirche der Stolz des Ortes, so der Delkenheimer Pfarrer Imre Istvan. Der gesamte Stadtteil identifiziert sich mit dieser Kirche, deswegen feiern wir nun auch groß und haben unter anderem am 11. September Dekan Dr. Martin Mencke und am 22. September den Kirchenpräsidenten unserer Landeskirche Dr. Volker Jung zu Gast.

Delkenheimer Wahrzeichen

Der Ländchesdom ist bis das Wahrzeichen von Delkenheim. Auf einem Plateau erbaut sieht man von allen Seiten den herausragenden Turm der neugotischen Kirche. Sie ist aus rotem Backstein errichtet. Sie ist schlicht und elegant und habe, so Pfarrer Istvan, eine gute Akustik. Aus der vorherigen Kirche, die baufällig war und abgerissen wurde, stammen unter anderem noch einige Schlusssteine, die Schale des Taufbeckens und die Skulpturen, die die Orgel verzieren: zwei Posaunenengel und ein Harfe spielender König David. Ebenso ist der obere Teil eines spätgotisches Wandtaberakel erhalten, der heute im Eingangsbereich der Kirche – in der Turmhalle – in die Wand eingelassen ist.
Betritt man den Kirchenraum, so eröffnet sich helles dreiteiliges Kirchenschiff mit Seitenemporen. Über dem Eingang erhebt sich auf einer aus Holz erbauten Musikempore die mittelgroße romantische Orgel. Im vorderen Teil schließt das Kirchenschiff mit einer Apsis. Die seitlichen Fenster unter- und oberhalb der Empore sorgen für den lichtdurchfluteten und freundlichen Innenraum.
Der Altar, vom Mainzer Bildhauer Josef Landmann geschaffen, stellt den zum Abendmahl einladenden Jesus dar. Links vom Altarraum erhebt sich die Kanzel, auf dem Bilder der vier Evangelisten zu sehen sind. Kanzelgehäuse, Schalldeckel und Turmaufsatz stammen ebenfalls von Bildhauer Landmann.

Stolz vom Pfarrer Istvan

Mittlerweile ist das Gotteshaus schon mehrfach umfangreich saniert worden, 1968 und 2007 wurde jeweils die Außenfassade erneuert, vor fünf Jahren ist die Kirche von Innen renoviert worden. Und seit der Innensanierung gibt es in der Delkenheimer Kirche, darauf ist Pfarrer Istvan besonders stolz, sogar einen großen Fernseher: Die Texte der Lieder und die Liturgie können wir seitdem problemlos auf Bildschirm einblenden, genauso wie anstehende Termine – da muss keiner mehr in Gesangbüchern oder Liedheften blättern. Ab und an, so Istvan, könne er auch mal seine Predigten bebildern, wenn es etwa um ein bestimmtes Kunstwerk oder ähnliches gehe. Außerdem könne man Fotos und Filme zeigen. In den USA steht in jeder kleinen Kirche ein Fernseher –  da ist das völlig normal, weiß der Pfarrer.

Delkenheimer Kirche: Ländchesdom

Die Delkenheimer Kirche bildet mit dem im barocken Stil errichteten Pfarrhaus aus dem Jahr 1773 und der als Gemeindehaus umgebauten Pfarrscheune ein Ensemble. „Das ist schon ein wunderbares Anwesen hier“, sagt Istvan. „Man kann hier viel machen“. Jeden Sommer findet im Pfarrgarten das Grillfest des Kirchenchores statt, alle zwei Jahre verwandelt sich die Kirche selbst zu einem Kunstwerk: Bei der „Nacht im Ländchesdom“ wird der Innenraum illuminiert. Mehrere hundert Menschen aus Delkenheim und darüber hinaus strömen dann in den Ländchesdom.
Ende des Jahres geht Pfarrer Istvan in den Ruhestand und wird Pfarrhaus und Kirche in Delkenheim deswegen verlassen müssen. Derzeit betreut er noch die Grundsanierung des Gemeindehauses, in das unter anderem ein Aufzug eingebaut wird. Doch bis zur Geburtstagsfeier der Kirche Mitte September, da ist sich der Pfarrer sicher, wird auch dieses fertig sein.

Programm

Samstag, 7. September, ab 19 Uhr Geburtstagsparty mit Band im Hof des Gemeindehauses.
Mittwoch, 11. September, 19 Uhr, Geburtstagsandacht mit Dekan Dr. Martin Mencke.
Sonntag, 15. September, 10 Uhr, Gottesdienst zur Kerb im Ländchesdom, ab 14 Uhr Kerbeumzug.
Sonntag, 22. September, 14 Uhr, Festgottesdienst mit Kirchenpräsident Dr. Volker Jung mit Einweihung des sanierten Gemeindehauses, anschließend Gemeindefest.

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Die offizielle Internetseite der Gemeinde finden Sie unter www.ev-kirche-delkenheim.de.

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