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Stellten die neue Kampagne „Luisa ist hier“ in Wiesbadens Schwimmbädern vor: Bürgermeisterin Christiane Hinninger und die Kommunale Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang (vorne v.l.n.r.) sowie Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, Thomas Baum, mattiaqua-Betriebsleiter, und Eric Alberti, stellvertretender mattiaqua-Betriebsleiter (hinten v.l.n.r.).

„Ist Luisa hier?“: Wiesbadens Freibäder setzen auf stille Hilfe

Mehr Sicherheit beim Schwimmen: Wiesbaden weitet die Kampagne „Luisa ist hier“ auf seine Bäder aus. Frauen erhalten künftig schnelle, diskrete Hilfe bei Belästigung oder Bedrohung. Schulungen, klare Abläufe und ein Codewort sollen eingreifen, bevor Situationen eskalieren – und Vertrauen schaffen

Grafik: Kathleen Rother Redaktion 1 Stunde vor 0

Ein einziger Satz genügt: Zwischen Pommesduft, Sprungturm und Sonnencreme soll sich künftig niemand mehr allein fühlen müssen.

Die Liegewiesen füllen sich, Kinder rennen barfuß Richtung Beckenrand, Jugendliche sitzen mit Musikboxen am Sprungturm. An heißen Tagen werden Wiesbadens Freibäder zu Hotspots. Hunderte Menschen treffen hier auf engem Raum aufeinander – Familien, Schulklassen, Cliquen, Alleinbesucher. Genau dort, mitten im Alltag zwischen Kiosk und Nichtschwimmerbecken, setzt jetzt die Kampagne „Luisa ist hier“ an.

Die Stadt weitet das bundesweit bekannte Hilfekonzept auf die Wiesbadener Schwimmbäder aus. Frauen und Mädchen, die sich unwohl, belästigt oder bedrängt fühlen, können sich künftig mit der Frage „Ist Luisa hier?“ an Mitarbeitende wenden. Das Signal wirkt bewusst unscheinbar – und genau darin liegt seine Stärke. Wer den Satz sagt, bekommt schnell und diskret Unterstützung.

Eine Idee aus dem Badbetrieb selbst

Bemerkenswert ist dabei weniger das Schild am Eingang als die Entstehungsgeschichte dahinter. Die Initiative kam nicht aus einer Verwaltungsvorlage oder einer politischen Kampagne. Sie entstand direkt im Alltag der Wiesbadener Bäderbetriebe.

Mitarbeitende und Verantwortliche von mattiaqua griffen Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb auf und entwickelten gemeinsam mit dem Kommunalen Frauenreferat ein eigenes Konzept für die Schwimmbäder. Damit reagierten sie auf Situationen, die in öffentlichen Freizeitorten immer wieder auftreten – oft beiläufig, manchmal grenzüberschreitend.

Gerade Freibäder seien in den Sommermonaten besonders sensible Orte, erklärt Bürgermeisterin Christiane Hinninger. „Gerade in den Sommermonaten zählen die Freibäder zu den am stärksten frequentierten öffentlichen Orten. Umso wichtiger ist es, dass sich Frauen dort sicher und unterstützt fühlen können“, sagt sie. Die Kampagne sende „ein klares Signal für Aufmerksamkeit, Respekt und Zivilcourage“.

Auch Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende verweist auf den hohen Wiedererkennungswert der Aktion. Weil das Konzept bundesweit bekannt sei, hätten viele Frauen bereits davon gehört und könnten „in der konkreten Situation Hilfe und Unterstützung suchen“.

Hilfe ohne großes Aufsehen

Entstanden ist „Luisa ist hier“ ursprünglich beim Frauennotruf Münster. Inzwischen beteiligen sich bundesweit zahlreiche Städte, Clubs, Bars und Freizeiteinrichtungen. In Wiesbaden koordiniert das Kommunale Frauenreferat die Kampagne bereits seit 2022 und trägt einen großen Teil der Finanzierung.

Das Prinzip bleibt bewusst einfach: Wer sich bedrängt fühlt, muss keine lange Erklärung liefern und keine Szene machen. Die Frage nach „Luisa“ genügt. Mitarbeitende wissen dann, dass Hilfe gebraucht wird.

Damit das nicht nur auf dem Papier funktioniert, wurden die Teams in Wiesbaden gezielt vorbereitet. Gemeinsam mit Wildwasser Wiesbaden e.V. entstand ein Schulungsvideo für alle Beschäftigten von mattiaqua. Zusätzlich fanden Präsenzschulungen statt. Die Mitarbeitenden lernen dort, wie sie ruhig reagieren, Situationen einschätzen und Betroffene unterstützen können.

Thomas Baum, Betriebsleiter von mattiaqua, sieht darin mehr als nur eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme. „Die Kampagne ergänzt unser bestehendes Sicherheits- und Präventionskonzept“, sagt er. Das Schulungsvideo solle dafür sorgen, dass das Thema dauerhaft im Arbeitsalltag präsent bleibe.

Zwei Frauen sonnen sich auf der Liegewiese im Opelbad.
Archivfoto: Liegewiese im Opelbad Wiesbaden ©2026 vwa

Schwimmbäder als öffentlicher Raum

Die Diskussion über Sicherheit im öffentlichen Raum hat in den vergangenen Jahren spürbar an Bedeutung gewonnen – besonders dort, wo viele Menschen dicht zusammenkommen. Freibäder stehen dabei immer wieder im Fokus: wegen Konflikten, überfüllter Anlagen oder grenzüberschreitendem Verhalten.

Die Kampagne versucht deshalb nicht nur einzugreifen, wenn bereits etwas passiert ist. Sie soll auch sichtbar machen, dass Hinschauen erwünscht ist. Dass Mitarbeitende vorbereitet sind. Und dass Betroffene ernst genommen werden.

Saskia Veit-Prang, Wiesbadens Kommunale Frauenbeauftragte, spricht von einem „wertvollen Beitrag zu einem respektvollen, gleichberechtigten und sicheren Miteinander im Freizeitkontext“. Entscheidend dürfte am Ende aber etwas anderes sein: Dass Hilfe dort erreichbar wird, wo Menschen ihre Freizeit verbringen – mitten im Sommer, mitten im Schwimmbadalltag.

Foto – Stellten die neue Kampagne „Luisa ist hier“ in Wiesbadens Schwimmbädern vor: Bürgermeisterin Christiane Hinninger und die Kommunale Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang (vorne v.l.n.r.) sowie Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, Thomas Baum, mattiaqua-Betriebsleiter, und Eric Alberti, stellvertretender mattiaqua-Betriebsleiter (hinten v.l.n.r.). ©2026 LH Wiesbaden

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Mehr Informationen zu der bundesweiten Kampagne Luisa ist hier.

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