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Christian Diers

„Eigene vier Wände dürfen in Wiesbaden kein Luxus bleiben.“

Der Wahlkampf in Wiesbaden geht in die heiße Phase. Am Sonntag wird ein neues Stadtparlament gewählt. FDP-Spitzenkandidat Christian Diers spricht im Interview über Verkehr ohne Stau, mehr Wohnraum und weniger Bürokratie – und warum seine Partei diesmal auf ein stärkeres Ergebnis hofft.

Volker Watschounek 6 Tagen vor 0

Christian Diers erklärt, wie Wiesbaden schneller, bezahlbarer und wirtschaftsfreundlicher werden soll.

Es werden immer noch mehr Plakate, der Wahlkampf befindet sich in seiner entscheidende Phase. Am Sonntag wählen die Bürger ein neues Stadtparlament. Wie sie inzwischen gemerkt haben, sprechen wir in unsere Serie mit den Spitzenkandidaten der zwölf antretenden Parteien über ihre Ziele, ihre wichtigsten Themen und ihre Pläne für die kommenden Jahre.

Heute im Interview: Christian Diers, Spitzenkandidatin der FDP. Er erklärt, welche Schwerpunkte die Freien Demokraten Wahlkampf setzen, welche Veränderungen sie für die Stadt anstreben – und warum Diers glaubt, dass seine Partei bei der Kommunalwahl stärker abschneiden kann.

Herr Diers …

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Aufgaben für Wiesbaden in der kommenden Wahlperiode?

Die Verkehrspolitik der letzten Jahre hat Wiesbaden wortwörtlich ausgebremst. Wir räumen die Fehlentscheidungen konsequent ab, u.a. die Pförtnerampel an der Berliner Straße, den geschlossenen Rechtsabbieger auf die Biebricher Allee und die verwirrende Tempo-30/40-Regelung auf den Hauptverkehrsstraßen. Mit uns kehrt Wiesbaden wieder zu einer Verkehrspolitik zurück, die darauf setzt, dass alle möglichst schnell und komfortabel von A nach B kommen: egal ob mit dem Auto, dem Bus, dem Rad oder zu Fuß.

Platz schaffen für deine vier Wände.

Wer in Wiesbaden eine Familie gründen, eine Wohnung kaufen oder einfach bezahlbar leben will, merkt es täglich: Diese Stadt wird für viele schlicht unerschwinglich. Das ist keine Naturgewalt, sondern das Ergebnis einer Politik, die Bauland verknappt, zu wenig baut, zu viel reguliert und zu wenig auf den Markt vertraut. Wohnraum ist die soziale Frage unserer Zeit. Deswegen braucht es ein Umdenken: Wir brauchen viel mehr Wohnungen und Häuser. Wir wollen neue Baugebiete ausweisen, damit sich Menschen den Traum von den eigenen vier Wänden wieder leisten können.

Beste Bildung für jedes Kind – von Anfang an

Gute Bildung beginnt in der Kita – und hier liegt noch vieles im Argen. Eltern brauchen Wahlfreiheit, flexible Betreuungszeiten und endlich ein funktionierendes digitales Vergabesystem: Kein Elternteil sollte 2026 noch von Kita zu Kita Klinken putzen müssen.
An unseren Schulen bauen wir den Sanierungsstau weiter ab und statten alle weiterführenden Schüler mit funktionierender digitaler Technik aus – verlässlich, aktuell, kein Elektroschrott. Welche Schule zum Kind passt, entscheiden Eltern, nicht die Politik.
Unsere Berufsschulen sind die Kaderschmiede des Mittelstands – und verdienen entsprechende Wertschätzung und Investitionen. Gleichzeitig stärken wir den Hochschulstandort Wiesbaden und werben aktiv um weitere Bildungsinstitutionen, die unsere Stadt als Ort des Wissens und der Innovation stärken.

Wiesbaden verfügt über hohe Einnahmen, steht aber auch vor steigenden Ausgaben. Wo sehen Sie das größte Problem im städtischen Haushalt – Einnahmen oder Ausgaben? Und welche konkrete Maßnahme würden Sie zuerst umsetzen?

Wiesbaden hat ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem. Das zeigen die in den letzten Jahren immer weiter gestiegenen Steuereinnahmen. Ein maßgeblicher Grund hierfür sind die explodierenden Personalkosten. In den letzten Jahren wurden immer mehr Stellen geschaffen, statt Aufgaben und Prozesse zu hinterfragen.
Wir wollen daher einen Personaldeckel einführen, der dafür sorgt, dass für jede neu geschaffene Stelle eine andere Stelle eingespart werden muss. Ausnahmen soll es nur im Bereich Feuerwehr und Bildung geben.

Welche Rahmenbedingungen muss Wiesbaden verbessern, damit Unternehmen investieren und Arbeitsplätze entstehen?

Wiesbaden hat eine der höchsten Arbeitslosenquoten im Rhein-Main-Gebiet – das ist kein Naturgesetz. Wir schaffen die Voraussetzungen, damit Unternehmen hier investieren, wachsen und gute Arbeitsplätze sichern können.
Konkret bedeutet das: neue und erweiterte Gewerbeflächen ausweisen, den Gewerbesteuerhebesatz auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken und die Erreichbarkeit der Gewerbestandorte verbessern – für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten gleichermaßen. Eine Stadt, die wirtschaftlich attraktiv sein will, darf ihre Betriebe nicht im Stau versinken lassen.

Wer hier gründen will, bekommt einen One-Stop-Shop statt einen Bürokratie-Marathon. Und wer hier investieren will, findet mit uns endlich die Flächen und die verlässliche und vorausschauende Wirtschaftspolitik, die er braucht.

Viele Betriebe klagen über fehlende Gewerbeflächen. Soll Wiesbaden neue Gewerbegebiete ausweisen – und wenn ja, wo?

Wiesbaden braucht Flächen – für Unternehmen, die wachsen wollen, und für neue Betriebe, die wir in die Stadt holen wollen. Das Ostfeld ist dabei ein wichtiger Schritt, aber nicht genug: Die B2-Fläche im Ostfeld – städtisches Eigentum, ursprünglich für Gewerbe und Industrie vorgesehen – muss endlich entwickelt werden. Dazu kommen die freiwerdenden BKA-Standorte, die mit dem Umzug auf den neuen Campus eine einmalige Chance bieten, und weitere Potenziale im Wiesbadener Osten, die wir im Rahmen des neuen Flächennutzungsplans konsequent heben wollen.

Der Verkehr ist eines der emotionalsten Themen der Stadt. Wie soll sich die Verkehrspolitik in Wiesbaden in den nächsten Jahren verändern?

Wiesbaden staut sich durch die Stadt – jeden Morgen, jeden Abend. Abgeschaffte Fahrspuren, Pförtnerampeln, die den Verkehr künstlich ausbremsen, Baustellen ohne Plan und Ende. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis einer Verkehrspolitik, die Menschen vorschreiben will, wie sie sich zu bewegen haben.
Dabei ist die Antwort einfach: Menschen wollen schnell und komfortabel von A nach B kommen. Ob mit dem Auto, den Öffis, dem Rad oder zu Fuß – das ist ihre Entscheidung, nicht die der Politik. Unsere Aufgabe ist es, alle Wege so gut wie möglich zu machen. Spurreduzierungen werden rückgängig gemacht, Baustellen endlich koordiniert und zügig abgewickelt, Fehlentscheidungen konsequent korrigiert.
Das ist mit dem jetzigen Verkehrsdezernenten nicht umsetzbar, deswegen sagen wir als FDP auch deutlich: Mit uns in der Stadtregierung wird es einen neuen Verkehrsdezernenten geben
.

Welche Rolle soll der ÖPNV künftig spielen – und welche konkrete Verbesserung würden Sie als erstes angehen?

Wer in Wiesbaden auf den Bus wartet, kennt das Gefühl: Der Bus kommt zu spät oder gar nicht. Bei Schneefall stellt ESWE den Betrieb kurzerhand ein und Streiks legen den Verkehr lahm. So wird der ÖPNV keine echte Alternative zum Auto. Solange der Bus unzuverlässig ist, bleibt das Auto das Verkehrsmittel der Wahl für die meisten – und das ist kein Vorwurf an die Bürger, sondern an die Politik.
Dazu kommt: Busspuren müssen den Bussen gehören. Wenn auf dem 1. Ring Busse Radfahrern hinterherkriechen, gibt es weder schnelle Busse noch entspannte Radfahrer – nur zwei frustrierte Gruppen. Deswegen sollen an besonders neuralgischen Stellen die „Umweltspuren“ zu reinen Busspuren werden. Die Abschaffung der Ostlinie durch das Linksbündnis war ein Fehler, den wir korrigieren wollen: Die Vororte müssen besser angebunden werden – auch tangential, nicht nur sternförmig in die Innenstadt.

2020 haben die Wiesbadener die Citybahn per Bürgerentscheid klar abgelehnt. Ein deutliches Votum – das Grüne, Linke, Volt und SPD jetzt nicht mehr respektieren wollen. Sie wollen die Citybahn neu aufleben lassen, als hätte es diesen Entscheid nie gegeben. Mit der FDP in der Stadtregierung wird es keinen neuen Anlauf geben.

Was Wiesbaden wirklich voranbringt: die Wallauer Spange, die den Anschluss an das Schienennetz und den Frankfurter Flughafen dramatisch verbessert, und die Reaktivierung der Aartalbahn, die viel Durchgangsverkehr von Wiesbaden fernhält. Das sind Projekte, die echte Mobilität schaffen.

Steigende Mieten und knapper Wohnraum beschäftigen viele Bürger. Was ist Ihre wichtigste Maßnahme, um Wohnraum bezahlbarer zu machen?

Wiesbaden wächst – aber der Wohnraum hält nicht mit. Die Lösung ist keine ideologische, sondern eine marktwirtschaftliche: Wo Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht geraten, muss gebaut werden, um die Preise bezahlbar zu halten. Unser Versprechen: Wir schaffen Platz für deine vier Wände und weisen mutig Bauland aus. Wir wollen den Bau-Turbo des Bundes konsequent umsetzen und unnötige Auflagen abbauen – allen voran die Stellplatzabgabe, die quasi eine Strafsteuer auf die Schaffung von Wohnraum darstellt.

Die starren Sozialbauquoten des Linksbündnisses erreichen das Gegenteil von dem, was sie versprechen: Sie würgen die Bautätigkeit ab und die Mindereinnahmen aus den geförderten Wohnungen werden schlicht auf die freifinanzierten Wohnungen im selben Objekt umgelegt und machen bezahlbares Wohnen so für alle teurer. Statt nur einen Fokus auf Wohnungen für Arme und Reiche zu legen, muss sich die Stadt endlich wieder um Wohnraum für die breite Mitte der Gesellschaft kümmern.

Wir wollen, dass Wohneigentum in Wiesbaden wieder erreichbar wird. Eigene vier Wände dürfen kein unerreichbarer Luxus sein – sondern Heimat und Bestandteil der eigenen Altersvorsorge. Jedes Jahr verliert Wiesbaden viele junge Familien, die ins Umland ziehen, weil sie sich Wohneigentum hier schlichtweg nicht leisten können. Wiesbaden verliert damit seine Zukunft. Wir wollen die Eigentumsbildung fördern, z.B. durch sog. Einheimischenmodelle.

Viele Bürger und Unternehmen klagen über langsame Verfahren. Wie wollen Sie Verwaltung, Genehmigungen und Bürgerdienste schneller und einfacher machen?

Kein Prozess, der digital möglich ist, soll künftig noch einen Amtsbesuch erfordern. Wir wollen alle Verwaltungsleistungen konsequent digitalisieren, Künstliche Intelligenz gezielt einsetzen, um Routineaufgaben zu beschleunigen: Es ist absurd, dass Privatleute und Unternehmen ganz selbstverständlich mit KI arbeiten, diese im öffentlichen Dienst aber quasi noch gar nicht angekommen ist.

Wir wollen Wiesbaden als mittelstandsfreundliche Kommune zertifizieren lassen. Das bedeutet verbindliche Serviceversprechen, klare Fristen und eine Verwaltung, die Unternehmen aktiv unterstützt statt ausbremst. Wiesbaden wäre damit die größte Stadt bundesweit mit dieser Zertifizierung und würde damit ein starkes Signal an die heimische Wirtschaft und ansiedlungswillige Unternehmen senden.

Wo hat Wiesbaden beim Thema Digitalisierung aus Ihrer Sicht den größten Nachholbedarf?

Anträge, die heute noch auf Papier laufen, müssen vollständig und medienbruchfrei digital werden. Kein Ausdrucken, kein Einscannen und kein unnötiger Amtsbesuch. Prozesse, die sich digitalisieren lassen, müssen ohne Ausnahmen neu aufgesetzt und dann digitalisiert werden.

Wiesbaden gilt als lebenswerte Stadt – doch viele Bürger wünschen sich Verbesserungen. Was würden Sie konkret verändern, damit Wiesbaden lebenswerter wird?

Die Feste, die Wiesbaden ausmachen, u.a. die Kerben, das Kranzplatzfest und die Fastnacht, werden quasi ausschließlich von engagierten Menschen im Ehrenamt gestemmt. Das verdient Respekt und städtische Unterstützung. Doch in den letzten Jahren gab es immer mehr städtische Auflagen, Einschränkungen und Kosten, die fast zum Ende vieler Feste geführt hätten. Die Stadt muss die Wiesbadener Feste endlich wieder als das begreifen, was sie sind: ein wichtiger Teil unseres Lebensgefühls, den es zu unterstützen gilt.

Die Sommer werden auch in Wiesbaden wärmer. Darauf müssen wir uns vorbereiten: Wir brauchen mehr Bäume und Verschattung im öffentlichen Raum, Sprühnebel und Trinkwasserbrunnen, damit die Stadt auch an heißen Tagen angenehm für alle bleibt.

Außerdem muss die Stadt wieder ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt und der jederzeit einladend, sauber und sicher ist. Dazu brauchen wir v.a. mehr Mülleimer und eine höhere Präsenz von Landes- und Stadtpolizei. Die alte Sportarena wollen wir abreißen, um dort einen Stadtplatz zu bauen, der das Gastroviertel Schiffchen mit der Einkaufsmeile Langgasse verbindet.

Wenn Sie Wiesbaden in einem Satz beschreiben müssten: Wofür soll diese Stadt in zehn Jahren stehen?

Wiesbaden in zehn Jahren: eine Stadt, in der Leistung sich lohnt, gute Ideen eine Heimat finden, Wohlstand für alle erreichbar ist und die mehr denn je Stadt der Bäume, Alleen und des Historismus ist.

Angenommen, die Stadt Wiesbaden hätte unerwartet eine Million Euro zusätzlich zur Verfügung – ohne Zweckbindung. Wofür würden Sie dieses Geld einsetzen und warum?

Wir würden damit das städtische Defizit senken. Denn die Schulden von heute sind die Steuern von morgen

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto – Christian Diers ©2026

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Die Internetseite zu den Wahlen in Wiesbaden finden Sie unter www.wiesbaden.de.
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