Beim Heimspiel gegen Osnabrück rückt der Verein ein Thema ins Zentrum, das oft im Schatten bleibt.
Wenn der SV Wehen Wiesbaden am Sonntag den VfL Osnabrück empfängt, geht es sportlich um Punkte – gesellschaftlich aber um deutlich mehr. Der Verein erklärt den 36. Spieltag zum Aktionsspieltag und macht gemeinsam mit der Initiative „Empty Stands“ auf Erkrankungen wie ME/CFS, Long COVID und Post-Vac aufmerksam.
Was sonst lautstark von den Rängen kommt, bleibt für viele Betroffene unerreichbar. Der Stadionbesuch, für andere Routine, wird für sie zur logistischen und körperlichen Herausforderung.
Unsichtbare Krankheit, sichtbare Folgen
ME/CFS gilt als schwere Multisystemerkrankung, oft ausgelöst durch Infektionen. Ein zentrales Symptom: die sogenannte Belastungsintoleranz. Schon geringe Anstrengung kann den Zustand drastisch verschlechtern. Schätzungen gehen von rund 650.000 Betroffenen in Deutschland aus.
Viele von ihnen verschwinden aus dem Alltag – nicht freiwillig, sondern weil der Körper nicht mehr mitspielt. Dass Teile von Long-COVID- und Post-Vac-Betroffenen ähnliche Krankheitsbilder entwickeln, verschärft die Dimension zusätzlich.
Der Verein öffnet Räume
Der SV Wehen Wiesbaden reagiert darauf nicht nur mit Worten. Im Stadion informiert ein Infostand über die Erkrankungen. Fans können ihre Pfandbecher spenden, der Erlös fließt in die Forschung. Noch wichtiger: Der Verein lädt Betroffene gezielt ein. In der Club-Lounge, etwas abgeschirmt vom Trubel, können sie das Spiel verfolgen – ein kleiner Perspektivwechsel in einem großen Stadion.
Leonie Schlitt aus dem Nachhaltigkeitsbereich des Vereins bringt es auf den Punkt: Man wolle Reichweite nutzen, um Aufmerksamkeit zu schaffen – und gleichzeitig zeigen, dass Betroffene Teil der Gemeinschaft bleiben.
Fußball als Plattform
Die Initiative „Empty Stands“ vernetzt Fans, die selbst betroffen sind oder Angehörige unterstützen. Ihr Ziel: mehr Sichtbarkeit, bessere Versorgung, mehr Forschung. Der Aktionsspieltag zeigt, wie Fußball seine Strahlkraft nutzen kann. Er erzählt eine Geschichte, die sonst selten auf den Anzeigetafeln erscheint. Und er erinnert daran, dass hinter leeren Plätzen oft keine fehlende Lust steckt – sondern fehlende Kraft.



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