Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, ist für viele Eltern nach wie vor eine große Herausforderung. Besonders deutlich wird dies in Berufsgruppen mit Schichtdienst, unregelmäßigen Arbeitszeiten und sehr frühem Dienstbeginn. Diese Anforderungen prägen zahlreiche Tätigkeiten bei den Helios HSK Wiesbaden – und stellen viele Familien täglich vor organisatorische Belastungen.
Gerade im Gesundheitswesen ist verlässliche Kinderbetreuung ein entscheidender Faktor: Sie entlastet Beschäftigte im Alltag, erleichtert die Rückkehr in den Beruf nach der Elternzeit und trägt dazu bei, qualifizierte Fachkräfte langfristig im Beruf zu halten. Vor diesem Hintergrund haben das Dezernat für Soziales, Bildung und Wohnen, das Dezernat für Integration und Recht, Gesundheit und Tierschutz und die Helios HSK gemeinsam ausgelotet, wie sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie konkret verbessern lässt.
Entstanden ist ein Modellprojekt zwischen der Landeshauptstadt Wiesbaden, der GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft mbH und der Helios HSK. Im neuen Wohnbauprojekt der GWW in Dotzheim – einem Standort mit hoher Dichte medizinischer und pflegerischer Einrichtungen – soll eine betriebliche Kindertagespflege etabliert werden. Damit entsteht erstmals eine enge Verzahnung von Wohnen, Arbeiten und Kinderbetreuung in unmittelbarer Nähe eines großen Gesundheitsstandorts.
Konkret ist geplant, im neuen Wohnbauprojekt der GWW zwei Wohnungen durch die Stadt anzumieten, in denen bis zu vier Tagespflegepersonen tätig werden können. So können in unmittelbarer Nähe bis zu 16 Betreuungsplätze angeboten werden. Ziel ist es, im Rahmen der betrieblichen Kindertagespflege flexible Lösungen zu entwickeln, die insbesondere auf Schichtdienste und einen frühen Dienstbeginn reagieren können – ohne dabei den pädagogischen Anspruch der Kindertagespflege zu verändern. So wird ein tragfähiger Kompromiss zwischen den Bedürfnissen von Familien und den Anforderungen medizinisch-pflegerischer Berufe geschaffen.
Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher erklärt: „Mit diesem Modellprojekt stärken wir die betriebliche Kindertagespflege als wichtigen Bestandteil unserer sozialen Infrastruktur. Wir schaffen ein wohnort- und arbeitsplatznahes Angebot, das auf konkrete Bedarfe reagiert und gleichzeitig Qualität und Verlässlichkeit in der Kinderbetreuung sichert. Damit investieren wir gezielt in Rahmenbedingungen, die Familien entlasten und unseren Gesundheits- und Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken.“
Für die GWW ist das Projekt zugleich ein innovativer Bestandteil des Quartiers: „Dieses Modellprojekt ist für uns ein neuer Ansatz, der unser Wohnbauvorhaben – das vorrangig für Mitarbeitende der umliegenden medizinischen Einrichtungen gedacht ist – inhaltlich erweitert und aufwertet“, so Geschäftsführer Thomas Keller.
Auch die Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke betont die strukturelle Bedeutung: „Die Helios HSK sind ein zentraler Bestandteil unseres Gesundheitsstandorts und eine der größten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in Wiesbaden. Gute Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen bedeuten heute mehr als moderne Technik – sie umfassen auch verlässliche Betreuungsstrukturen. Dieses Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur Attraktivität des Standorts.“
Bereits mit der betrieblichen Kindertagespflege „Raiffeisenzwerge“ in Kooperation mit der R+V wurde gemeinsam mit dem Sozialdezernat ein entsprechendes Modell in Wiesbaden etabliert. Mit der Zusammenarbeit zwischen Helios HSK, GWW und Landeshauptstadt Wiesbaden wird dieser Ansatz nun auf einen weiteren großen Gesundheitsstandort übertragen und gezielt an die Bedarfe medizinischer und pflegerischer Berufe angepasst.
Die fachliche Ausgestaltung erfolgt durch das Amt für Soziale Arbeit mit der Abteilung Kindertagesstätten und Kindertagespflege. In diesem Zusammenhang wurden auch Gespräche mit weiteren Einrichtungen mit vergleichbaren Arbeitszeitstrukturen geführt – darunter das Zwerg Nase Zentrum, der Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus e.V. sowie die Altenhilfe Wiesbaden GmbH –, um Bedarfe zu prüfen und mögliche Perspektiven auszuloten.
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