Der Mauritiusplatz war stets Treffpunkt, Handelsort und Herz der Stadt – seine Geschichte reicht bis in die Römerzeit.
Ein Blick auf das alte Foto – und plötzlich ist man wieder da. Der Mauritiusplatz, wie viele ihn kennen: Geschäfte im Erdgeschoss, vertraute Wege durch Kirchgasse und Langgasse, ein Platz zum Einkaufen, Durchqueren, Treffen. Gar nicht so lange her – und doch eine andere Zeit.
Was heute kaum jemand sieht: Dieser Platz erzählt fast 2000 Jahre Stadtgeschichte. Und bemerkenswert ist, dass eines sich dabei kaum verändert hat – gekauft und gehandelt wurde hier schon immer.
Handel im Herzen des römischen Wiesbadens
Der Mauritiusplatz liegt im Zentrum der ältesten zivilen Siedlung Wiesbadens, dem römischen Aquae Mattiacae. Schon vor fast zwei Jahrtausenden erstreckte sich das belebte Stadtgebiet rund um den heutigen Platz.
Ganz in der Nähe stand vermutlich die „Schola“, ein Versammlungshaus der Kaufleute. Ein Inschriftenstein aus dem Jahr 212 n. Chr., von Händlern gestiftet, belegt: Der Ort war schon damals wirtschaftlicher Mittelpunkt – Treffpunkt für Austausch, Geschäfte und Handel.
Kirche, Friedhof und Stadtplatz
In karolingischer Zeit entstand hier die Mauritiuskirche, die dem Platz später ihren Namen gab. Um sie herum lag der erste Friedhof der Siedlung, genutzt bis 1573. Noch bis ins 18. Jahrhundert war das Areal von einer Mauer umgeben. Und rrotz der kirchlichen Nutzung blieb der Platz ein öffentlicher Raum – ein Ort, an dem sich Wege und Menschen kreuzten.
Der Brand, der alles veränderte
Ein Wendepunkt kam 1850: Die Mauritiuskirche brannte nieder. Man entschied sich, sie nicht wieder aufzubauen. Stattdessen wurde der Raum geöffnet, Gebäude abgetragen und der Mauritiusplatz erhielt seine bis heute prägende rechteckige Form mit spätbiedermeierlicher Bebauung. Der Platz wurde urban – und endgültig ein Zentrum des Einkaufens.
Warenhäuser und Wandel
Mit dem Warenhaus Bormass entstand 1904/05 ein prägender Jugendstilbau an der Südseite des Platzes. Später als Karzentra bekannt, stand er für das moderne Einkaufen des 20. Jahrhunderts.
Ende der 1960er-Jahre folgte der nächste Umbruch: Karstadt ließ das Gebäude abreißen und errichtete auf der anderen Seite der Schulgasse einen neuen Kaufhauskomplex. Dafür verschwand unter anderem die alte Feuerwache in der Neugasse.
Treffpunkt bis heute
In den 1970er-Jahren wurde der Mauritiusplatz erneut zum Treffpunkt: Café Böck und ein Biergarten, der bis 2001bestand, prägten das Bild.
Sein heutiges Aussehen erhielt der Platz 2004/05 mit einer neuen Brunnenanlage. Drei in den Granitboden eingelassene Stahlplatten mit Bronzeelementen erinnern an den Standort der ehemaligen Mauritiuskirche – dezent, aber wirkungsvoll.
Mehr als nur ein Einkaufsplatz
Wer heute über den Mauritiusplatz geht, bewegt sich durch viele Schichten der Stadtgeschichte. Vom römischen Handelsplatz über Kirchhof und Warenhausstandort bis zur modernen Innenstadt.
Vielleicht ist es genau das, was das alte Foto auslöst:
Der Mauritiusplatz war nie nur Kulisse – er war und ist Teil des täglichen Lebens.
Foto – Mauritiusplatz 1978 ©2026 Stadtarchiv
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