Instrumente an Hightech-Armen surren in der Wirbelsäulenchirugie. Sie stecken Operationswerkzeuge in den Körper von Patienten. Sie schneiden, reparieren und nähen.Virtual Reality im Operationssaal. 

Über 2.500 Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA und Italien folgten der Einladung von Prof. Dr. Marcus Richter, um sich im RheinMain CongressCenter mit dem Thema Moderne Wirbelsäulentherapie zwischen Qualität, Ethik und Kommerz auseinanderzusetzen. Den Themen Physiotherapie und Pflege waren dabei besondere Veranstaltungen gewidmet.

„Wir sind Wirbelsäulentherapeuten, beziehen also dabei die konservative Behandlung selbstverständlich mit ein. Wir wollen schließlich, dass nur dann operiert wird, wenn operiert werden muss, und das in der richtigen Art und Weise.“ – Prof. Dr. Marcus Richter

Zu den innovativen Themen, über die Richter, seit 1996 auf Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert, am Eröffnungstag informierte, zählte die Computerassistenz in der Wirbelsäulenchirurgie mit ihren wissenschaftlich erwiesenen Vorteilen für Patienten und OP-Personal.  Höchste Genauigkeit ermöglichten die Aufnahmen eines besonderen Computertomographiegerätes, die „intraoperative CT“. „Sie verringert gegenüber Operationen ohne Navigation die Komplikationsrate in der Wirbelsäulenchirurgie von zwölf Prozent auf rund sechs Prozent.“

Sinkende Strahlenbelastung

In einem Video führte Richter vor, wie die 3D-Rekonstruktion des jeweiligen Wirbels sowie kontinuierliche Informationen über die genaue Positionierung im Raum die Voraussetzungen schaffen für eine exakte Platzierung von Implantaten beispielsweise im äußerst sensiblen Bereich der Halswirbelsäule. Außerdem lässt sich das OP-Ergebnis abschließend noch einmal kontrollieren und im Bedarfsfall während derselben Operation korrigieren. Die Revisionshäufigkeit sinke entsprechend, gleichzeitig reduziere sich die frühere Strahlenbelastung des Personals im OP um 90 Prozent.

Virtuelle Realität im OP

Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz dieses Operationsverfahrens seien allerdings die Erfahrung des Chirurgen, sein Geschick und der Weitblick im Umgang mit der innovativen Technik: Die virtuelle Realität, die geliefert werde, müsse immer mit der chirurgischen abgeglichen werden, um etwaige Registrierungsfehler bei der 3D-Rekonstruktion des Wirbels oder Bewegungen des Patienten auszugleichen, die allein schon durch das Atmen relevant werden könnten. Das Verfahren komme nicht nur, wie vorgeführt, im Falle einer Spinalkanalverengung zum Tragen, sondern auch Parkinsonpatienten bei Deformitätskorrekturen zugute sowie alten Menschen mit Narkoserisiken etwa bei einem Ermüdungsbruch des Beckens. So hofft Richter im Dienste der Patienten und des behandelnden Teams auf die Durchsetzung der Computernavigation, die er, seit 2013 mit dem herausragenden “Exzellence-Zertifikat“ der DWG ausgezeichnet, seit zehn Jahren anwendet.

„Unser Zertifikat wurde von der Europäischen Wirbelsäulengesellschaft für so gut befunden, dass sie dafür Lizenzgebühren zahlt.“  – Prof. Dr. Marcus Richter

Insgesamt nutze man die Computernavigation in Deutschland erst in 20 bis 25 Prozent der Wirbelsäulenimplantationen. Im Dienste einer optimalen Wirbelsäulenchirurgie habe die  DWG, die übrigens die zweitgrößte Wirbelsäulengesellschaft der Welt sei, Zertifikate für Wirbelsäulenchirurgie entwickelt, die von Neurochirurgen, Orthopäden und Chirurgen gleichermaßen anerkannt seien und damit ein interdisziplinäres Arbeiten ermöglichten.

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