Wiesbaden verliert einen prägenden Oberbürgermeister, der die Stadt baute, lenkte und bis ins hohe Alter begleitete.
Die Stadt hält inne. Wiesbaden verliert mit Rudi Schmitt einen Mann, der nicht nur verwaltet, sondern gestaltet hat. Am Freitag, 10. April, ist der Ehrenbürger und frühere Oberbürgermeister im Alter von 98 Jahren friedlich in seinem Zuhause verstorben. Eine Nachricht, die nachhallt – in Rathäusern, Vereinen, Schulen, auf Straßen, die ohne ihn anders verlaufen wären.
Ein Leben für die Stadt
Rudi Schmitt prägte Wiesbaden über Jahrzehnte. Erst als Stadtrat, dann als Oberbürgermeister. Zwischen 1960 und 1980 trieb er Projekte voran, die heute selbstverständlich wirken: Schulen entstanden, Sporthallen öffneten, Bürgerhäuser füllten sich mit Leben. Er plante, entschied, setzte um – oft beharrlich, manchmal gegen Widerstände.
Dabei verlor er den Alltag der Menschen nicht aus dem Blick. Er stärkte den öffentlichen Nahverkehr, kurbelte den sozialen Wohnungsbau an und brachte Gewerbe in die Stadt. Gleichzeitig dachte er weiter: Er knüpfte internationale Partnerschaften, sicherte Energieversorgung und entwickelte das Kur- und Kongresswesen. Wiesbaden wuchs – nicht nur räumlich, sondern auch im Selbstverständnis.
Politik mit Haltung
Geboren 1928 in Frankfurt, begann Schmitt als Lehrer. Früh engagierte er sich politisch, trat 1947 in die SPD ein und zog 1954 in den Hessischen Landtag ein. Später führte ihn sein Weg nach Wiesbaden – und von dort in den Deutschen Bundestag. Zwei Legislaturperioden lang vertrat er die Region in Berlin.
Doch sein Herz schlug für die Stadt. Hier blieb er präsent, auch nach seiner Amtszeit. Noch zu seinem 98. Geburtstag zeigte er sich wach, interessiert, politisch hellhörig. Ein Zeitzeuge, der nicht nur erinnerte, sondern mitdachte.
Engagement über die Politik hinaus
Auch außerhalb der klassischen Politik wirkte Schmitt. Jahrzehntelang engagierte er sich im Deutschen Roten Kreuz, erst als Vorsitzender des Kreisverbands Wiesbaden, später als Präsident des hessischen Landesverbands. Er organisierte, koordinierte, unterstützte – leise, aber wirkungsvoll.
Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 1995 ernannte ihn die Stadt Wiesbaden zum Ehrenbürger – eine Würdigung, die seine tiefe Verbindung zur Stadt unterstrich.
Abschied in Stille – und Erinnerung
Die Familie bittet um Ruhe. Die Beisetzung findet im engsten Kreis statt. Die Stadt wird später offiziell gedenken. Ab Dienstag liegt im Rathaus ein Kondolenzbuch aus, die Fahnen tragen Trauerflor.
Es ist ein stiller Abschied. Und doch einer, der viel erzählt: von Verantwortung, von Haltung, von einem Leben, das Spuren hinterlässt.
Archovfoto @2025 Volker Watschounek
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