Es ist Ferienzeit und auch Busfahrer brauchen Urlaub. Dazu der Krankenstand und die Verkehrssituation in Wiesbaden. Im September beginnt dann die Schule.

Fahrgäste stehen an der Haltestelle und warten auf den nächsten Bus. Eigentlich sollte er schon längst da sein. Der blick auf die Anzeigetafel zeigt, dass er Verspätung hat. Verspätungen oder gar Busausfälle haben in den letzten Wochen immer wieder für Unmut gesorgt. ESWE Verkehr erreichen dazu aktuell viele Fragen. Wiesbaden lebt hat Pressesprecher Micha Spannaus getroffen und ihn um Auskunft gebeten.

Wiesbaden lebt!: In Wiesbaden haben im Moment die Fahrgäste den Eindruck, dass viele Busverbindungen ausfallen. Können Sie die Verärgerung nachvollziehen?

Micha Spannaus: Absolut. Wenn der Bus, auf den ich warte, nicht kommt, dann ist das total ärgerlich. In der Innenstadt kann ich das vielleicht noch verkraften, weil ich auf andere Buslinien ausweisen kann und damit in wenigen Minuten eine Alternative parat steht. Aber in den äußeren Stadtteilen, wo der nächste Bus vielleicht erst in 20 oder 30 Minuten fährt, tut ein Busausfall richtig weh.

Was sind denn die Gründe für die Busausfälle?

Die Gründe dafür sind vielschichtig. An erster Stelle ist das Fehlen von Fahrern zu nennen. Kollegen fallen Corona-bedingt aus. Dann ist auch bei ESWE Verkehr Urlaubszeit. Außerdem leiden auch wir, wie fast alle Verkehrsunternehmen, unter dem allgemeinen Fachkräftemangel. Es gibt nicht genug Reserve, um das fehlende Personal auffangen zu können.
Darüber hinaus ist halb Wiesbaden eine einzige Baustelle, besonders auf Achsen, auf denen viele Busse unterwegs sind. Es staut sich, Umleitungen müssen gefahren werden, dadurch verspäten sich Busse teils erheblich. Was sich fühlt sich für den Fahrgast wie ein Busausfall anfühlt, ist aber tatsächlich eine große Verspätung. Große Umleitungen bedeuten auch immer, dass wir auf den betreffenden Linien mehr Busse und somit auch mehr Personal brauchen.

Wie viele Busse fallen denn am Tag aus?

Pro Tag fahren die Buslinien bis zu 3700 Fahrten. Die Ausfallquote liegt derzeit bei durchschnittlich zwei bis drei Prozent. Das heißt bis zu 98 Prozent aller Fahrten finden trotz aller Umstände jeden Tag statt. Das ist dem großen Einsatz unserer Mitarbeiter zu verdanken. Das verdient allerhöchste Wertschätzung. Die Kollegen gehen da teilweise seit Wochen über ihr Limit. Mehr geht im Moment nicht.

Wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Wir arbeiten bereits an mehreren Maßnahmen. Zum Beispiel haben sich Mitarbeiter aus der Mobilitätszentrale, der Werkstatt und der Verwaltung mit Busführerschein freiwillig bereit erklärt, sich morgens für ein bis zwei Stunden hinter das Buslenkrad zu setzen. Das ist ein großartiger Einsatz und zeigt die Verbundenheit mit dem Unternehmen. das allein reicht aber nicht. Wir bereiten Dienstplan-Umstellungen vor, um mit weniger Personal hinzukommen. Und wir müssen ehrlicher Weise auch über weitere Einschränkungen im Fahrplan nachdenken. Die Fahrgäste brauchen Verlässlichkeit im Angebot. Sie müssen zuverlässig wissen, dass ein Bus auch wirklich kommt. Und unsere Mitarbeiter brauchen dringend Entlastung! Das ist mindestens genauso wichtig.

Ist fehlendes Personal ein Problem nur von ESWE Verkehr?

Überhaupt nicht. In Berlin wurden in der letzten Woche bei 32 Buslinien teils erhebliche Einschränkungen vorgenommen. Auch in anderen Verkehrsunternehmen fehlen Fahrer, in der Region fallen Verbindungen aus. Zuletzt war das Stellwerk in Alzey wegen Personalmangel nicht besetzt, viele Züge sind ausgefallen. Dass Fachkräfte fehlen, wird uns und die Fahrgäste leider noch lange betreffen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen rechnet vor, dass bis ins Jahr 2030 bundesweit 40.000 neue Mitarbeiter in Fahrdiensten gebraucht werden.

Wie geht es also kurzfristig weiter?

Wir schauen jetzt, was möglich ist und wie wir den Fahrplan zum Schulstart am 5. September anpassen können oder müssen. Wir werden in der nächsten Woche Klarheit haben.

Was können Fahrgäste bis dahin tun?

Fahrgäste haben immer die Möglichkeit, sich vorab online darüber zu informieren, ob Ihre Verbindung fährt oder ausfällt. Das geht sehr einfach in der Verbindungssuche der RMV-App. Darin sind alle Live-Daten unserer Busse hinterlegt. Ausfälle, Verspätungen und Umleitungen lassen sich darin sofort erkennen.
Eine Mini-Einschränkung: Passiert der Fahrtausfall unmittelbar vor dem geplanten Start oder auf der Strecke braucht das System einen Moment Zeit, um einen Ausfall als solchen korrekt anzeigen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Foto oben ©2022 Volker Watschounek

Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Mitte lesen Sie hier.

Gemeldete Baustellen und Informationen zur aktuellen Verkehrslage in Wiesbaden finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

Advertisement

Sie möchten keinen Beitrag mehr verpassen und stets aktuell informiert sein? Dann bestellen Sie doch gleich unseren Newsletter oder folgen uns auf Twitter, Instagram und werden Sie Fan von Wiesbaden lebt!