Boris Rhein ehrt im Schloss Biebrich die Fastnacht als Motor des Ehrenamts. Vereine tragen Tradition, Humor und Zusammenhalt durch Hessen.
Schloss Biebrich zeigte sich am Samstagvormittag von seiner glanzvollen Seite, doch der eigentliche Zauber entstand im Inneren. Dort zogen 41 Kinderprinzenpaare, 74 erwachsene Tollitäten und ihre Hofstaaten ein. Die Vielfalt der Gewänder, Orden und Symbole erzählte von Vereinen, die das ganze Jahr über arbeiteten, planten und bastelten. Ministerpräsident Boris Rhein empfing sie gemeinsam mit seiner Frau Tanja Raab-Rhein – und er tat das mit spürbarer Freude. Schon beim ersten Rundgang mischte er sich unter die Gäste, scherzte, hörte zu, stellte Fragen.
Der Empfang wirkte nicht wie ein offizielles Pflichtprogramm. Er entwickelte sich zu einem Treffen, das Wertschätzung ausstrahlte.
Ehrenamt als Herz der Fastnacht
Rhein hob in seiner Ansprache deutlich hervor, wie sehr Ehrenamt das gesellschaftliche Leben in Hessen trägt. Die Fastnacht funktioniere nicht von selbst; sie entsteht im Arbeitseifer unzähliger Menschen, die Bühnen bauen, Kostüme nähen, Reden verfassen, Musik proben und Sitzungen organisieren.
„Die Fastnacht ist gelebtes Ehrenamt“, sagte Rhein, und die Vertreter der rund 115 anwesenden Vereine nickten. Viele kennen die Mühen hinter den Kulissen, die Abende in Vereinsheimen, die endlosen Listen und To-dos, die Monate vor einem Umzug oder einer Sitzung anfallen.
Rhein stellte klar, dass all diese Arbeit mehr bewirkt als eine fröhliche Saison: Sie stiftet Zusammenhalt. Sie bindet Generationen. Sie hält Traditionen lebendig – nicht als museales Erbe, sondern als bewegte Kulturform.
Humor als Spiegel politischer Verantwortung
Besonders eindrücklich sprach Rhein über die politische Dimension der Fastnacht. Sie habe, so erklärte er, über Jahrhunderte hinweg die Rolle einer humorvollen Kontrollinstanz eingenommen. Büttenreden halten der Politik einen Spiegel vor, karikieren Missstände und setzten Kritik um, ohne die Gesellschaft zu spalten.
„Das ist gelebte Demokratie“, sagte der Ministerpräsident. Er würdigte die Art, wie Fastnacht politische Selbstreflexion ermögliche – spielerisch, zugänglich, ohne belehrende Strenge. Gerade deshalb bescheinigte er den Vereinen eine Bedeutung, die weit über das Festliche hinausreichte.
Nachwuchs prägte die Zukunft
Ein besonderer Schwerpunkt des Empfangs lag auf dem Nachwuchs. Die Kinderprinzenpaare eroberten die Säle mit Leichtigkeit, präsentierten stolz ihre Insignien und erzählten von ihren Auftritten. Viele Vereine arbeiten über Jahre daran, junge Menschen zu begeistern, weil ohne Nachwuchs die Fastnacht ihre Zukunft verlieren würde.
Rhein lobte den Mut der Kinder und Jugendlichen, die sich auf Bühnen stellten, in Vereinen Verantwortung übernehmen und Traditionen weitertragen. „Ihr seid die Fastnacht von morgen“, sagte er – und man sah, wie ernst die Kinder diesen Satz nahmen.
Gespräche zwischen Glanz und Alltag
Nach den offiziellen Worten entwickelte sich der Empfang zu einem intensiven Austausch. Vereinsvorstände sprachen über steigende Kosten, Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung und kreative Projekte, die neue Zielgruppen ansprechen sollen. Rhein hörte aufmerksam zu und nutzte den Empfang, um Einblicke in die Arbeit der Ehrenamtlichen zu bekommen.
So entstand eine Art Werkstattgespräch unter barocken Kronleuchtern – ein Dialog zwischen Landespolitik und Brauchtumsvertretern, der Respekt auf beiden Seiten erkennen ließ.
Ein Fest, das Hessen verband
Als der Empfang sich auflöste, strömten Federn, Glitzer, Orden und Lachen durch die Flure des Schlosses. Die Tollitäten verabschiedeten sich mit sichtbarer Zufriedenheit. Der Nachmittag hatte mehr geboten als ein Fototermin: Er zeigte, dass Ehrenamt und Tradition nur leben, wenn Politik hinschaut, zuhört und anerkennt.
Die Fastnacht verbindet Menschen über Regionen und Generationen hinweg. Und genau diese verbindende Kraft würdigte Boris Rhein im Schloss Biebrich – sichtbar, hörbar, spürbar.
Foto ©2026 Peter Jülich/Hessische Staatskanzlei
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