Roadtrip durch Norwegen: Pannen, Polarkreis und Polarlichter
Der sechste Reisetag begann mit einem Bild, das sich einprägt. Aufgewacht auf einem Rastplatz an der E6, direkt am Ufer eines zugefrorenen Sees. Eis, Licht, Stille. Trotz der Nähe zur Straße lag etwas Beruhigendes in dieser winterlichen Weite. Ein Morgen, der viel versprach.
Wenn Kälte Grenzen setzt
Doch die Idylle hielt nicht lange. Bei –11 °C verweigerte das Auto den Dienst. Der Motor blieb stumm. Auch der Jumpstarter half nicht. Also Überbrückungskabel herausgesucht, erst einmal gefrühstückt und abgewartet. Als das nächste Auto auf den Parkplatz fuhr, baten wir um Starthilfe. Nach ein paar Anläufen sprang der Motor an. Erleichterung. Weiterfahren.
Kilometer sammeln – unter erschwerten Bedingungen
Der Kurs blieb klar: weiter Richtung Norden. Doch die Bedingungen wurden anspruchsvoller. Die Straßen wurden schmaler, deutlich schlechter geräumt. Teilweise lag eine festgefahrene Schnee- und Eisdecke auf dem Asphalt. Konzentration ersetzte Leichtigkeit.
Ein kurzer Stopp zum Tanken und zum Auffüllen der Kanister – Routine, dachten wir. Doch bei –14 °C wiederholte sich das Problem. Trotz zuvor gefahrener Kilometer sprang der Motor erneut nicht an. Wieder Überbrückungskabel, wieder ein fremdes Auto, wieder Hilfe. Diesmal lief der Motor sofort.
Während der Fahrt wurde allerdings ein anderes Geräusch immer präsenter: ein deutliches Quietschen des Keilriemens. Kein gutes Zeichen. Spätestens jetzt war klar, dass wir handeln mussten.
Werkstatt kurz vor Feierabend
Die nächste Werkstatt wurde ins Navi eingegeben. Knapp eine Stunde Fahrt lag vor uns. Die Ankunft erfolgte eine halbe Stunde vor Feierabend. Wir schilderten das Problem, und ohne Zögern wurde das Auto direkt in die Werkstatthalle gefahren.
Ein Mitarbeiter nahm sich gut eine Stunde Zeit, prüfte Generator und Batterien. Beides war in Ordnung. Die Ursache lag woanders: ein bekanntes Problem bei Mitsubishi. Der neue Keilriemen musste nachgezogen werden. Nach wenigen Handgriffen war das Quietschen verschwunden. Zusätzlich wurde ein Defekt am Motoröl-Deckel direkt mit behoben.
115 Euro, die sich mehr als gelohnt haben. Das Auto lief wieder ruhig und zuverlässig.
Weiter Richtung Norden – und darüber hinaus
Mit neuem Vertrauen ging es weiter. Wir fuhren erneut bis in die Dunkelheit. Die Temperaturen sanken weiter, schließlich auf –22 °C. Dann ein besonderer Moment: die Überquerung des nördlichen Polarkreises. Ein gedanklicher Meilenstein, auch ohne großes Innehalten.
Kurz darauf das nächste Highlight: die ersten Polarlichter. Zart zunächst, dann deutlicher. Grün schimmernd über dem dunklen Himmel. Ein stiller Empfang hinter dem Polarkreis.
Ankommen bei den Arctic Cabins
Für die Nacht entschieden wir uns bewusst gegen das Dachzelt. Wir buchten eine Unterkunft etwas abseits der E6: die Arctic Cabins. Die Übernachtung kostete 100 Euro, gut investiert nach einem langen, kalten Tag. Abseits der Hauptstraße wurde der Handyempfang schwächer, fast vollständig. Dafür gab es WLAN – und vor allem Ruhe.
In den Hütten war alles vorhanden, was man nach so einem Tag braucht: eine kleine Küche, eine Toilette, richtige Betten sowie Gemeinschaftsduschen. Funktional, warm, unkompliziert. Kein Luxus, aber genau das richtige Maß an Komfort.
Zwischen den kleinen Holzhütten, umgeben von Schnee und Dunkelheit, tauchten die Polarlichter erneut auf. Kein Suchen, kein Jagen. Einfach da. Ein ruhiger Abschluss nach einem Tag, der alles andere als ruhig begonnen hatte.
Tagesfazit
Tag 6 lief anders als geplant. Kälte, Startprobleme, Werkstattbesuch – Dinge, die man auf Reisen nicht sucht. Doch genau daraus entstanden Begegnungen, Hilfsbereitschaft und am Ende große Momente. Der Polarkreis, –22 °C, Polarlichter und eine warme Unterkunft setzten ein Sahnehäubchen auf einen herausfordernden, aber unvergesslichen Tag.



Skandinavien Roadtrip Tag 7
Von stillen Wäldern bis zur bunten Stadt: Norwegens Straße ruft
Tag 4: Oslo, Akershus und weiter nach Dovre
Skandinavien Roadtrip Tag 3
Skandinavien Roadtrip Tag 2
Skandinavien Roadtrip Tag 1 
