Sternsinger besuchen das Wiesbadener Rathaus, segnen die Pforte und werben für Kinderrechte. Bildung statt Kinderarbeit steht im Mittelpunkt.
Goldene Kronen, flatternde Gewänder, klare Stimmen: Im Wiesbadener Rathaus zog am Dienstagmorgen ein alter Brauch ein – und wirkte erstaunlich gegenwärtig. Gert-Uwe Mende empfing rund 30 Sternsingerinnen und Sternsinger aus den katholischen Gemeinden St. Bonifatius, St. Birgid sowie St. Peter und Paul. Sie schrieben ihren Segen an die Rathauspforte: C+M+B – Christus mansionem benedicat. Ein Ritual, das nicht verharrt, sondern spricht.
Kinderrechte im Zentrum
Die Sternsinger kamen nicht nur mit Weihrauch und Gesang. Die Aktion Dreikönigssingen 2026 trägt das Motto Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit. Es rückt in diesem Jahr die Kinderrechte ins Licht – Bildung statt Ausbeutung, Lernen statt Akkord. Partnerorganisationen weltweit holen Kinder aus Arbeitssituationen, ermöglichen Schulbesuche, organisieren Förderkurse und stabilisieren Bildungswege. Das klingt leise, wirkt aber nachhaltig.
Mende dankte den Kindern für ihren Einsatz. Er sprach über Schutz vor Krieg, über Bildung und Fürsorge, über gewaltfreie Erziehung – und benannte Kinderarbeit als Unrecht. Seine Worte trafen, weil sie den Blick weiten: global und lokal zugleich. Auch hier in Wiesbaden, wo Institutionen wie die Arbeitsagentur Wiesbaden täglich Übergänge in Ausbildung und Bildung begleiten, ist das Thema präsent. Bildung entscheidet – überall.
Tradition mit Zukunft
Das Sternsingen blickt weit zurück und zugleich nach vorn. Schon im Mittelalter zogen als Könige verkleidete Kinder durch die Straßen, stellten den Weg zur Krippe nach und verbanden damals wie heite Glauben mit Öffentlichkeit. 1959 griff das Kindermissionswerk den Brauch wieder auf. Heute gilt das Sternsingen als weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Es sammelt Spenden, weckt Bewusstsein, setzt Zeichen.
Im Rathaus, diesem Ort der Verwaltung und Entscheidung, entfaltete der Besuch am Dienstagmorgen wieder eine eigene Kraft. Der neue Segen wurde von außen ans Portal geschrieben, die Botschaft bleibt im Raum: Kinder brauchen Schutz, Zeit zum Spielen, Zugang zu Bildung. Die Sternsinger brachten das nicht pathetisch vor, sondern klar und beharrlich.
Ein Vormittag, der nachhallt
Nachdem die Kinder weiterziehen, bleibt mehr als Kreide an Stein. Es bleibt die Erinnerung daran, dass Engagement keine Altersfrage kennt – und dass ein alter Brauch neue Antworten geben kann. Wiesbaden hört zu. Und handelt idealerweise weiter.
Foto oben © 2026 LH Wiesbaden
Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Mitte lesen Sie hier
Mehr zur Sternsingeraktion hier.



Musikakademie: Klavierabend voller Funken und Überraschungen
Jugendparlament Wiesbaden: Online-Wahl steigerte Beteiligung
49. Interkulturelles Sommerfest, jezt bewerbe. und mitmachen
Staatstheater: „Fire and Love“
Wie Tanz und KI im Kunsthaus Wiesbaden neue Räume öffneten
Bewegung statt Schonung: Krafttraining als Medizin für Senioren 
