Im Literaturhaus Villa Clementine ehrt Wiesbaden George Konell – und zeichnet Lyrik aus, die Haltung zeigt und sich nicht beugt.
Man muss es deutlich sagen: Lyrik verliert ihren Sinn, wenn sie sich anpasst. Sie gewinnt ihn zurück, wenn sie widerspricht. Genau das will der Lyrikpreis Orphil – und genau deshalb gehört er zu den wenigen Auszeichnungen, die man ernst nehmen muss.
Villa Clementine, kurzgefasst
Lyrikpreis Orphil – Auszeichnung für Karin Fellner und Lara Rüter
Eintritt: 0,00 Euro
Wann: Dienstag, 9. Juni 2026, 20:00 Uhr
Wo: Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65183 Wiesbaden
Am 9. Juni verleiht die Stadt den Preis zum achten Mal – zu Ehren von George Konell, der Zeit seines Lebens gegen den Strom schrieb. Im Literaturhaus Villa Clementine wird dieser Anspruch spürbar bleiben.
10.000 Euro für eine klare Stimme
Den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis erhält Karin Fellner. Ihr Werk, insbesondere der Band „Polle und Fu“, zeigt eine Autorin, die sich nicht mit Oberflächen zufriedengibt. Fellner tastet sich vor, sie prüft Sprache, sie zwingt Worte in neue Zusammenhänge. Man liest diese Gedichte nicht nebenbei. Man hält inne. Man denkt nach. Genau darin liegt ihre Kraft.
Kulturdezernent Hendrik Schmehl bringt es bei der Verleihung auf den Punkt: Lyrik müsse „Stellung beziehen“ – nicht dekorieren.
2.500 Euro für den Aufbruch
Der Debütpreis, dotiert mit 2.500 Euro, geht an Lara Rüter für „amoretten in netzen“. Rüter schreibt anders. Sie zerlegt Sprache, setzt sie neu zusammen, lässt Bedeutungen flirren. Was zunächst verspielt wirkt, entwickelt eine eigene Strenge. Ihre Texte verlangen Aufmerksamkeit – und belohnen sie.
Eine Jury gegen den Trend
Carolin Callies, Maren Jäger und Christian Metz haben entschieden. Sie haben sich nicht für das Naheliegende entschieden. Sie haben zwei Stimmen gewählt, die sich nicht anbiedern. Der Orphil-Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Er sucht keine modischen Texte. Er sucht Haltung. Das klingt einfach – ist es aber nicht.
Preisträger des Orphil Lyrik-und Depütpreises
Lyrikpreis Orphil
2012: Ursula Krechel, insbes. für ihre beiden Bände
„Stimmen aus dem harten Kern“ und “Jäh erhellte Dunkelheit“
2014: Karin Kiwus für Das Gesicht der Welt
2016: Ulrike Draesner für Subsong
2018: Christoph Meckel für sein Lebenswerk
2020: Marion Poschmann
2022: Daniela Danz
2024: Franz Dodel für „Nicht bei Trost. Tessitura“
Orphil-Debütpreis
2012: Simone Kornappel für Raumanzug
2014: Levin Westermann für unbekannt verzogen
2016: Rike Scheffler für der rest ist resonanz
2018: Sibylla Vrii Hausmann für 3 Falter
2022: Maria Leuenberger für „Dekarnation“
2022: Ronya Othmann für „Die Verbrechen“
2024: Sirka Elspaß für „Ich föhne mir meine Wimpern“
Ein Abend für die Literatur
Gitarrist Volker Reichl begleitet den Abend musikalisch. Doch im Mittelpunkt stehen die Texte. Sie brauchen keine große Inszenierung. Sie wirken aus sich selbst. Der Eintritt ist frei. Auch das ist eine Entscheidung. Literatur soll zugänglich bleiben – gerade dann, wenn sie fordert.
Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieses Preises: Er erinnert daran, dass gute Lyrik nicht gefallen muss. Sie muss treffen.
Symbolfoto © KI-generiert
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Die Internetseite zum Orphil Literaturpreis finden Sie unter www.wiesbaden.de.




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