Die Närrische Riesling-Gala überzeugte mit einem stimmigen Programm und guter Stimmung – traf mit den Weinen aber nicht jeden Geschmack.
Der Freitagabend begann ohne Gedränge. Die Närrische Riesling-Gala des Carnival Club Wiesbaden war bei weitem nicht ausverkauft, die Reihen blieben stellenweise luftig. Das schadete der Atmosphäre jedoch kaum. Wer gekommen war, kam mit Neugier – und blieb. Die Stimmung entwickelte sich ruhig, freundlich, konzentriert. Kein Überschwang, aber auch keine Leere. Eher ein Abend, der sich Zeit nahm.
Gut ausgewählt, sauber gespielt
Das Programm zeigte früh, dass hier jemand mit Bedacht zusammengestellt hatte. Die Abfolge aus Moderation, Kabarett, Musik und Wortbeiträgen griff stimmig ineinander. Christoph Reuter eröffnete den Reigen mit musikalischem Witz und feinem Gespür für Zwischentöne. Johannes Scherer setzte später auf Tempo und Nähe zum Publikum, Gerd Brömser brachte mit seinem Vortrag einen Moment der Sammlung ein. Matthias Brodowy schloss den Bogen schließlich mit politischem Humor, der nicht auf schnellen Applaus zielte, sondern auf Nachhall.
Im Vergleich zum Vorjahr wirkte das Programm stringenter, weniger zerfasert. Die Übergänge saßen, der Abend verlor sich nicht. Die Dramaturgie trug.
Wein mit Meinung – und Widerspruch
Die Weinauswahl hingegen blieb nicht unumstritten. Vier Stillweine des Jahrgangs 2024 eröffneten den Abend: eine Scheurebe aus Franken, ein Chardonnay aus Kiedrich, ein Riesling aus dem Erbacher Michelmark und ein VDP-Ortswein von Schloss Vollrads. Sie wurden sachkundig moderiert, bekamen Raum, Erklärung, Kontext.
Doch nicht jeder Wein überzeugte jedes Glas. Während einige Gäste die Klarheit und Trockenheit lobten, vermissten andere Zugänglichkeit oder Tiefe. Der Jahrgang polarisierte. Im Vergleich zum Vorjahr, als die Weine breiter anschlussfähig gewesen waren, wirkte die Auswahl ambitionierter – aber auch sperriger. Spätestens hier zeigte sich: Geschmack ist kein Konsensmodell.
Die später ausgeschenkten Sekte der Rüdesheimer Sektkellerei Ohlig fanden mehr Zustimmung. Die „Edition 1919“, als Spätburgunder Brut und als Riesling Brut, brachte Leichtigkeit in den Abend, ohne banal zu werden.
Gute Stimmung trotz leerer Stühle
Dass die Gala nicht ausverkauft war, blieb sichtbar – und wurde doch schnell nebensächlich. Die Stimmung war gut, getragen von Gespräch, Aufmerksamkeit und einem Publikum, das sich auf Inhalte einließ. Der Tanz der TC Rot-Weiß Vettelschoss führte schließlich ins Finale, ohne Pathos, aber mit Applaus.
Am Ende stand kein rauschendes Fest, sondern ein solider, gut gebauter Abend mit Ecken und Kanten. Im Vergleich zum letzten Jahr wirkte die Gala konzentrierter, weniger gefällig, nicht immer gefällig. Vielleicht lag genau darin ihre Stärke – und zugleich ihr Risiko.
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Foto – Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard OIbermayr und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende bei der Närrischen Riesling Gala im Kurhaus Wiesbaden. ©2026 Johannes Lay
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