Zuerst Jura im Visier hat sie sich mit Abitur für eine Ausbildung entschieden, und danach berufsbegleitend den Meister gemacht

Während ihrer Schulzeit gab es für Elisa Merchant noch keine Anknüpfungspunkte zum Optikerhandwerk. In der Mittelstufe glaubte sie zunächst noch, später Jura oder Psychologie studieren zu wollen. Aber nachdem sie das Schul-Pflicht-Praktikum bei einem Anwalt absolviert hatte, erkannte sie: „Das ist nichts für mich“. So stand bereits vor dem Abitur für sie fest, dass sie nicht studieren, sondern eine Ausbildung machen wollte.

„Als Optiker kann man Menschen glücklich machen.“  – Elisa Merchant

Auf der Suche nach einer interessanten Ausbildung hatte sie die Möglichkeit, ein Praktikum bei einem Optiker zu machen. Dort stellte sie fest, wie vielseitig der Beruf ist. Sie durfte Gläser schleifen, löten, feilen, kitten und vieles mehr. Das Praktikum hat ihr so gut gefallen, dass sie trotz einer täglichen Pendelzeit von drei Stunden bei Abele Optik in Würzburg, 2006 in die Lehre ging und 2009 ihre Gesellenprüfung ablegte.

„Die vielen Gespräche und Diskussionen mit meinen Mitschülern in der Freizeit während des Blockunterrichts haben sehr dazu beigetragen, die theoretischen Inhalte genauer zu verstehen und zu behalten.“ – Elisa Merchant

Der nächste Schritt, die Meisterschule: Doch vorher wollte sie als Gesellin erst einmal Berufserfahrung sammeln. Und obwohl es ihr in Würzburg gut gefiel, entschied sie sich der Vernunft wegen – sie pendelte immer noch mehrere Stunden hin und her – und wechselte den Betrieb. Ihre Wahl fiel auf Optik Gothe in Bischofsheim (Mainz), ein kleinerer Familienbetrieb.

„Ich war zum Zeitpunkt der Prüfungen Teil I und II im achten beziehungsweise neunten Monat schwanger und war alleine schon über den Fakt erfreut, dass ich an der Prüfung teilnehmen konnte.“ – Elisa Merchant

Knapp fünf Jahre nach ihrer Gesellenprüfung, im November 2014 startete Merchant dann berufsbegleitend ihre Meisterausbildung in Knechtsteden. Vier Wochen Unterricht am Stück vor Ort und drei bis vier Monate im Betrieb im Wechsel. Aufgrund der Betriebsgröße war es Optik Gothe nicht möglich, die dadurch entstehenden Fehlzeiten von Elisa zu kompensieren. Daher wechselte sie zeitgleich zum Anfang ihrer Meisterausbildung auch den Arbeitgeber. Seit dem ist sie bei Brillen Bouffier in Wiesbaden beschäftigt.

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich die Prüfung als Jahresbeste bestehen würde. Allerdings bin ich rückblickend der Überzeugung, dass die Kombination aus Arbeiten und Blockunterricht mir sehr geholfen hat.“ – Elisa Merchant

Im September 2016 sowie Februar und März 2017 legte sie ihre Meister-Prüfungen ab. Obwohl die Parallelität zwischen Arbeiten und Blockunterricht über einen Zeitraum von drei Jahren eine ziemliche Herausforderung ist, würde sie alles wieder genauso machen. Ihr Meisterprüfungsprojekt bestand aus einer mehrstündigen praktischen Prüfung. Hier wurden typische Arbeitssituationen mit einem unbekanntem Probanden ausführlich nachgestellt: Prüfung der Augen, Screeningtests, Anpassung von Kontaktlinsen, Kalkulation und einiges mehr. Auch die Betreuung des „Kunden“ floss in die Beurteilung mit ein.

„Meine Mitschüler sind der Meinung, dass das zweite heranwachsende Gehirn auch seinen Teil dazu beigetragen hat, dass alles so gut abgelaufen ist.“ – Elisa Merchant

An ihrem Beruf liebt die Augenoptikmeisterin vor allem die Vielfalt der Aufgaben: Jedes Kundengespräch ist – fachlich und menschlich – anders. Ein Optiker muss seine Produkte kennen, sein Handwerk verstehen, Messtechniken beherrschen und dem Kunden genau zuhören. Optiker machen ihre Kunden glücklich. Ein schönes Beispiel hierfür hat Elisa Merchant auch gleich parat: „Vor gar nicht so langer Zeit“, erzählt sie, „bekam ein vierjähriger Junge seine erste Brille mit ziemlich hohen Werten. Als er die Brille das erste Mal im Laden aufsetzte, hat er sich nicht beschwert, dass die Welt plötzlich komisch erscheint und alles wie auf einem Schiff auf hoher See wankt (was nicht ungewöhnlich ist, wenn man das erste Mal stark korrigierende Gläser bekommt). Stattdessen schaute er seine Mutter mit großen Augen an und sagte ‚Mama, du bist aber schön!‘“.

„Ich habe aktuell keine besonderen Pläne für meine berufliche Zukunft. Wie meine bisherige Karriere ja gezeigt hat, kommen manchmal sehr gute Möglichkeiten unverhofft und ungeplant.“  Elisa Merchant

Nach ihrer Elternzeit wird die Bestmeisterin ihre Tätigkeit bei Brillen Bouffier in Wiesbaden wieder aufnehmen. Grundsätzlich kann es sich Merchant sehr gut vorstellen, später einmal einen eigenen Betrieb zu gründen oder eine Firma zu übernehmen. Vor allem liebt sie die Vorstellung, selbst Nachwuchs auszubilden. Allerdings hat sie diesbezüglich noch keine konkreten Pläne. Zunächst freut sie sich darauf, wieder arbeiten zu können und die Balance zwischen Arbeiten und Mutter sein zu finden. ∆

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