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Eine Welt im Dauerfrost: „Schneeflöckchen“ im Großen Haus des Staatstheaters Wiesbaden, inszeniert als dystopische Parabel von Maxim Didenko.

Eiszeit: „Schneeflöckchen“ als Oper unserer Zukunft

Mit „Schneeflöckchen“ bringt das Staatstheater Wiesbaden am 24. Januar 2026 eine Oper auf die Bühne, die selten gespielt wird –. Die Oper von Nikolai Rimski-Korsakow erzählt von einem Volk im ewigen Winter.

Volker Watschounek 2 Monaten vor 0

Maxim Didenko liest Rimski-Korsakows „Schneeflöckchen“ als düstere Parabel auf Klimakrise, Macht und menschliche Grausamkeit.

Mit „Schneeflöckchen“ bringt das Staatstheater Wiesbaden am 24. Januar 2026 eine Oper auf die Bühne, die selten gespielt wird – und plötzlich erstaunlich aktuell wirkt. Der vielfach ausgezeichnete Regisseur Maxim Didenko liest das Märchen als düstere Parabel auf eine Gesellschaft jenseits des Klimakipppunktes. Der Abend im Großen Haus verspricht kein Eskapismus, sondern Reibung.

Staatstheater Wiesbaden, kurz gefasst

Oper – Premiere „Schneeflöckchen – Oper von Nikolai Rimski-Korsakow“
Eintritt: ab 11,00 Euro
Wann: Samstag, 24. Januar 2026, ab 19:30 Uhr
Wo: Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Studio, Christian-Zais-Straße 3, 65189 Wiesbaden

Märchenstoff mit politischem Unterstrom

Die Oper von Nikolai Rimski-Korsakow, 1882 in St. Petersburg uraufgeführt, erzählt von einem Volk im ewigen Winter. Zar Berendey herrscht über Menschen, die auf Wärme hoffen, während der Sonnengott Yarilo schweigt. Schneeflöckchen, Kind von Frost und Frühling, sehnt sich nach Nähe – und bezahlt Liebe mit dem eigenen Leben. Rimski-Korsakow spannt dazu einen musikalischen Bogen von Volksmelodien bis zu machtvollen Chören und hielt das Werk selbst für seine gelungenste Oper.

Dystopie statt Folklore

Didenko verschiebt den Fokus radikal. Er denkt einen Kollaps des Golfstroms weiter und verlegt die Handlung in ein Europa der Kälte. Wissenschaftliche Forschung trifft auf Ersatzreligion, Privilegierte sichern Macht, während die Mehrheit überlebt. So wird „Schneeflöckchen“ zur Gesellschaftsstudie über soziale Kälte – präzise, beunruhigend, gegenwärtig.

Musik, Körper, Bilder

Die musikalische Leitung liegt bei Leo McFall, der die farbenreiche Partitur leuchten lässt – als Erinnerung an eine Natur, die nur noch in Liedern existiert. Josefine Mindus gestaltet die Titelrolle mit Verletzlichkeit. Choreografien von Sofia Pintzou und Alexander Fend verdichten Rituale, während Bühne und Kostüm von Galya Solodovnikova sowie Videoprojektionen von Oleg Mikhailov einen bildmächtigen Kosmos schaffen. Ein Abend, der Schönheit zeigt – und zugleich fragt, wie viel Menschlichkeit bleibt, wenn Wärme fehlt.

Foto – Eine Welt im Dauerfrost ©2026 Max Borchardt / Hessisches Staatstheater

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