Freudenberger Kerb lockt mit Fassanstich, Fahrgeschäften und Genuss – ein Fest voller Leben und Gemeinschaft.
Der Moment, in dem das erste Fass angeschlagen wird, gehört zu jenen Augenblicken, in denen ein Stadtteil innehält. Dann hebt sich der Geräuschpegel im Festzelt, Gespräche verstummen kurz – und mit einem Schlag beginnt sie offiziell: die Kerb. Silvia Wohlgemuth, 1. Vorsitzende vom Karnevalverein Die Spinner Wiesbaden 1926 e.V. versuchte es erst gar nicht. Bei sieben hielt sie zum ersten Mal kurz inne um dann beim Fassanstich der Freudenbeger Kerb weitere vier Schläge zu setzen, sodass der Zapfhahn saß.
Schon beim Einmarsch der Garden, Jugendgruppen und Vereine zeigte sich, worum es hier ging. Nicht um ein beliebiges Volksfest, sondern um ein Ritual, das Jahr für Jahr auf dem Festplatz am Veilchenweg neu belebt wird. „Fünf Tage Stimmung und gute Laune“, kündigte der Vorsitzende Thomas Schreiner an – und meint damit weit mehr als Musik und Bier.
Ehrenamt als Fundament
Hinter der Freudenberger Kerb steht ein Geflecht aus Engagement. Viele Hände tragen das Fest, viele Stimmen geben ihm Klang. Der Vorsitzende richtet den Blick bewusst hinter die Kulissen: Ohne die vielen Helferinnen und Helfer, die das Zelt betreiben, organisieren und vorbereiten, „steht diese Tradition nicht mehr“.
Diese Sätze fallen nicht beiläufig. Sie wirken wie ein Bekenntnis. Denn die Kerb lebt von Menschen, die ihre Freizeit investieren, planen, improvisieren – und damit einen Ort schaffen, an dem Gemeinschaft erfahrbar wird.
Zwischen Riesenrad und Currywurst
Draußen auf dem Festplatz entfaltet sich das eigentliche Treiben. Gut gefüllt ist er, dicht belebt, laut und lebendig. Kinder ziehen ihre Eltern zum Kinderriesenrad, das für vier Euro Erwachsene und drei Euro Kinder bis zwölf Jahre einen Blick über den Festplatz ermöglicht. Gleich daneben drehen sich die Ketten des Karussells – eine Fahrt kostet 3,50 Euro, vier Fahrten zwölf Euro.
Es riecht nach Frittierfett und Sommer. Pommes gehen für vier Euro über die Theke, die Currywurst mit Pommes für 8,50 Euro. Wer sein Glück versuchen will, greift beim „Toy Circus“ zu – ein Versuch kostet einen Euro.
Zwischen Kinderkarussell, Autoscooter und dem „Beach Monster“ schiebt sich die Menge voran. Familien, Jugendliche, ältere Stammgäste – sie alle mischen sich, bleiben stehen, lachen, schauen zu. So liebt man die Kerb: unkompliziert, nahbar, voller Bewegung.
Politik trifft Brauchtum
Dass die Freudenberger Kerb mehr ist als ein lokales Fest, zeigt der Blick auf die Bühne. Vertreter aus Politik und Gesellschaft treten ans Mikrofon, bedanken sich, loben, erinnern. Der hessische Staatsminister Ingmar Jung bringt es auf den Punkt: Hier zeige sich, „wie Brauchtum und Ehrenamt funktionieren können“. Das Fest stehe exemplarisch für das, was vielerorts verloren zu gehen droht – ein Miteinander, das nicht organisiert wirkt, sondern gewachsen ist.
Auch aus dem Rathaus kommen warme Worte. In Vertretung des Oberbürgermeisters Gert-Uwe Mende betont Katrin Neumann die Bedeutung der Kerb als „traditionelles Familienfest“, das Menschen zusammenbringt.
Ein Fest mit Geschichte – und Zukunft
Die Freudenberger Kerb blickt auf Jahrzehnte zurück. Sie entstand aus einer Siedlergemeinschaft und trägt diese Herkunft bis heute in sich. Was damals begann, wirkt heute wie ein soziales Netzwerk vor Ort – analog, direkt, verbindlich. Der Fassanstich markiert deshalb nicht nur den Beginn eines Abends. Er eröffnet einen Raum. Für Begegnungen, Gespräche, Erinnerungen. Für neue Geschichten, die sich zwischen Biertischen und Lichterketten entwickeln.
Ausblick: Musik, Umzug und Familienprogramm
Die kommenden Tage zeigen, wie vielfältig die Freudenberger Kerb bleibt. Auf der Bühne stehen unter anderem die Wiesbadener Mallotzi Boys sowie Olaf der Flipper und Pia Malo – ein Programm zwischen Party, Schlager und lokaler Identität.
Am Sonntag zieht der traditionelle Festzug ab 14.30 Uhr durch Freudenberg und bringt den Stadtteil noch einmal in Bewegung. Im Anschluss übernimmt das Kolping Blasorchester Kaiserslautern die musikalische Regie – bei freiem Eintritt. Bereits am Vormittag spielt in der Hessenlaube das Weißwurst-Frühschoppen-Konzert der Rhein-Main-Musikanten.
Finale mit Feuerwerk
Den Schlusspunkt setzt am Montagabend ein großes Feuerwerk. Gegen 22.45 Uhr wird der Himmel über Freudenberg noch einmal aufleuchten und die 93. Freudenberger Kerb verabschieden.
Wer entspannt anreisen möchte, erreicht das Gelände mit den Buslinien 18, 23, 27 und 45. ESWE Verkehr bietet zusätzlich ein Kerbe-Ticket für Hin- und Rückfahrt an.mUnd während die letzten Lichter verglühen, bleibt das, was diese Tage getragen hat: das Gefühl, Teil von etwas Gemeinsamen zu sein.
Bild oben ©2026 Volker Watschounek
Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Freudenberg lesen Sie hier.
Die Webseite zur 93. Freudenberger Kerb finden Sie unter www.freudenberger-kerb.de.





Fünf Tage Kerbspaß Freudenberg
Ohne Parkplatzstress zur Freudenberger Kerb
Oldtimertreffen in Wiesbaden-Freudenberg
Wiesbadener Kerben 2026 im Überblick
Ostereierschießen in Dotzheim: Tradition trifft Zielgenauigkeit 
