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Denis Seldenreich

„Ein Wolkenkratzers aus Holz“ auf dem Neroberg

Die Plakate hängen, der Wahlkampf spitzt sich zu. AfD-Spitzenkandidat Denis Seldenreich spricht über Sicherheit, Verkehr und Finanzen – und darüber, warum seine Partei bei der Kommunalwahl stärker werden will. Ein Gespräch über Tempo 50, Verwaltung und die Zukunft Wiesbadens.

Volker Watschounek 1 Woche vor 0

Kurz vor der Kommunalwahl erklärt AfD-Spitzenkandidat Denis Seldenreich, warum Wiesbaden mehr Sicherheit, weniger Bürokratie und eine andere Verkehrspolitik braucht.

Die Plakate hängen, der Wahlkampf geht in seine entscheidende Phase. In wenigen Tagen wählen die Bürger ein neues Stadtparlament. Für unsere Serie sprechen wir mit den Spitzenkandidaten der zwölf antretenden Parteien über ihre Ziele, ihre wichtigsten Themen und ihre Pläne für die kommenden Jahre.

Heute im Interview: Denis Seldenreich, Spitzenkandidat der AfD. Er erklärt, welche Schwerpunkte seine Partei im Wahlkampf setzt, welche Veränderungen sie für die Stadt anstrebt – und warum er glaubt, dass seine Partei bei der Kommunalwahl stärker abschneiden kann.

Herr Seldenreich …

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Aufgaben für Wiesbaden in der kommenden Wahlperiode?

Die drei wichtigsten Aufgaben für Wiesbaden sind aus meiner Sicht: (1) Für mehr Sicherheit und Ordnung zu sorgen, damit sich die Bürger in Wiesbaden wieder uneingeschränkt wohlfühlen können. Dazu gehört eine sichtbare Stadtpolizei, eine bessere Beleuchtung öffentlicher Räume sowie der gezielte Einsatz von Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Orten.
(2) Die Konsolidierung der städtischen Finanzen. Wir dürfen unsere finanzielle Handlungsfähigkeit nicht verspielen. Damit die Stadt auch in Zukunft mit hohen Gewerbesteuereinnahmen rechnen kann, bedarf es weniger Bürokratie, schnellerer behördlicher Genehmigungen und einer verlässlichen Infrastruktur.
(3) Eine Kehrtwende bei der Verkehrspolitik, die den Durchgangsverkehr berücksichtigt und die Innenstadt als Wirtschaftsstandort attraktiver macht. Wichtig ist hierfür die Wiedereinführung von Tempo 50 auf den Hauptachsen, eine funktionierende „Grüne Welle“ und die Abschaffung der Umweltspuren zugunsten einer zusätzlichen Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr.

Wiesbaden verfügt über hohe Einnahmen, steht aber auch vor steigenden Ausgaben. Wo sehen Sie das größte Problem im städtischen Haushalt – Einnahmen oder Ausgaben? Und welche konkrete Maßnahme würden Sie zuerst umsetzen?

Wiesbaden hat kein Einnahmen-, sondern ein strukturelles Ausgabenproblem. In den Jahren 2016 bis 2026 wurden rund 1.200 zusätzliche Stellen in der Verwaltung geschaffen, ohne dass ein spürbarer Mehrwert geschaffen wurde.
Eine der wichtigsten Maßnahmen wäre daher ein konsequenter Stellenabbau in Verbindung mit Prozessoptimierung und Bürokratieabbau. Entscheidend hierfür sind mehr Effizienz, schnellere Entscheidungen und der Verzicht auf ideologisch motivierte und aufwendige Projekte.

Welche Rahmenbedingungen muss Wiesbaden verbessern, damit Unternehmen investieren und Arbeitsplätze entstehen?

Unternehmen brauchen Planungssicherheit, niedrige Abgaben, schnelle Verfahren und ein Mindestmaß an Erreichbarkeit für Zulieferer und Arbeitnehmer. Die Einführung verbindlicher Bearbeitungsfristen, eine Reduzierung der Auflagen und eine wirtschaftsfreundlichere Verkehrspolitik wären Schritte, welche die Attraktivität Wiesbadens für Unternehmen spürbar steigern würden.

Viele Betriebe klagen über fehlende Gewerbeflächen. Soll Wiesbaden neue Gewerbegebiete ausweisen – und wenn ja, wo?

Wiesbaden benötigt mehr nutzbare Gewerbeflächen. Der Schwerpunkt sollte auf der Aktivierung bereits vorhandener Flächen und einer marktgerechten Entwicklung liegen. Mit dem Umzug des Bundeskriminalamts werden zusätzliche Flächen frei, die für Gewerbe- und Wohnungsbau genutzt werden können. Zudem gibt es in den Außenbereichen der Stadt Areale, die sich für die Ausweisung zusätzlicher Gewerbeflächen eignen.
Wirtschaftlich nicht tragfähige Großprojekte wie das „Ostfeld“ müssen beendet werden.

Der Verkehr ist eines der emotionalsten Themen der Stadt. Wie soll sich die Verkehrspolitik in Wiesbaden in den nächsten Jahren verändern?

Wichtig ist eine Orientierung am Bedarf. Stauvermeidung bzw. ein guter Verkehrsfluss dürfen nicht einer ideologischen Verkehrspolitik zum Opfer fallen.
Konkret bedeutet dies, Tempo 50 auf Hauptstraßen, eine funktionierende „Grüne Welle“, die Abschaffung der Umweltspuren und die Abschaffung der Pförtnerampel. Im Hinblick auf die Diskussion um die Wiedereinführung einer Straßenbahn gilt für uns, dass der Bürgerentscheid zur CityBahn unter allen Umständen respektiert werden muss.

Welche Rolle soll der ÖPNV künftig spielen – und welche konkrete Verbesserung würden Sie als erstes angehen?

Der ÖPNV ist wichtig, muss aber wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert sein. Priorität hat die Optimierung des Busverkehrs. Grundsätzlich sollten keine Projekte gegen den erklärten Bürgerwillen vorangetrieben werden. So ist bspw. endgültig von der CityBahn Abstand zu nehmen.
ESWE Verkehr muss sich auf seine Kernaufgabe, einen zuverlässigen Busbetrieb, konzentrieren. Angesichts der Kostenentwicklung ist es zudem überfällig, über eine vollständige Rückkehr zu Dieselbussen nachzudenken. Der Betrieb der Elektrobusse dürfte ohne eine dauerhafte Bundesförderung kaum finanzierbar sein.

Steigende Mieten und knapper Wohnraum beschäftigen viele Bürger. Was ist Ihre wichtigste Maßnahme, um Wohnraum bezahlbarer zu machen?

Wohnraum wird günstiger, wenn das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage steigt. Das Wohnraumangebot wächst, wenn kosteneffizienter gebaut werden kann. Dafür braucht es eine Verminderung der Auflagen insbesondere im Bereich der klimapolitischen Vorgaben.
Statt dem wegen Fehlbelegungen tendenziell unsozialen und erfahrungsgemäß sehr teurem „sozialen Wohnungsbau“ setzen wir auf Wohngeld, das zielgerichtet, flexibel und förderlich für Neubauinvestitionen ist.

Viele Bürger und Unternehmen klagen über langsame Verfahren. Wie wollen Sie Verwaltung, Genehmigungen und Bürgerdienste schneller und einfacher machen?

Durch verbindliche Fristen, digitale Verfahren und klare Zuständigkeiten. Hierfür bedarf es einer besseren internen Koordination sowie dem Abbau von Doppelstrukturen.

Wo hat Wiesbaden beim Thema Digitalisierung aus Ihrer Sicht den größten Nachholbedarf?

Der größte Nachholbedarf dürfte im Bereich der Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren liegen. Digitale Anträge und digital abrufbare Bearbeitungsstände müssen Standard werden, damit Bürger und Unternehmen jederzeit den Status der Antragsbearbeitung nachvollziehen können.

Wiesbaden gilt als lebenswerte Stadt – doch viele Bürger wünschen sich Verbesserungen. Was würden Sie konkret verändern, damit Wiesbaden lebenswerter wird?

Eine lebenswerte Stadt braucht ein lebendiges Zentrum. Damit die Innenstadt nicht weiter verwaist, bedarf es einer anderen Verkehrspolitik. Der motorisierte Individualverkehr darf nicht weiter eingeschränkt werden. Wichtig wäre zudem, im öffentlichen Raum, wieder mehr kostenlose Parkplätze anzubieten. Ein attraktiver Aufenthaltsort braucht aber auch Sicherheit und Ordnung, d.h. mehr Präsenz unserer Stadtpolizei gerade in den Abendstunden

Wenn Sie Wiesbaden in einem Satz beschreiben müssten: Wofür soll diese Stadt in zehn Jahren stehen?

Wiesbaden hat als Landeshauptstadt viel unausgeschöpftes Potential. Insofern die Stadt ihre Finanzen unter Kontrolle bringt und von ideologiegeleiteter Politik Abstand nimmt, könnte die Stadt ihr volles wirtschaftliches Potential heben und neue Maßstäbe im Hinblick auf die Lebensqualität der Bürger setzen.

Angenommen, die Stadt Wiesbaden hätte unerwartet eine Million Euro zusätzlich zur Verfügung – ohne Zweckbindung. Wofür würden Sie dieses Geld einsetzen und warum?

Die Million würde ich für den Bau eines Wolkenkratzers aus Holz am Neroberg einsetzen. Ein neuer Aussichtsturm könnte als Tourismusmagnet fungieren und die einmalige Schönheit unserer Heimatstadt durch eine Ansicht „von oben“ erfahrbar machen.  

Foto – Denis Seldenreich, Podiumsdiskussion der Obermayr Europa-Schule. ©2026 Volker Watschounek

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Die Internetseite zu den Wahlen in Wiesbaden finden Sie unter www.wiesbaden.de.
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