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Eröffnungstanz beim Ball des Sports ©2019 Volker Watschounek

Ball des Sports: Wiesbaden prüft Comeback der Gala

Kommt der Ball des Sports zurück nach Wiesbaden? In der Stadtverordnetenversammlung hat eine intensive Debatte über Chancen, Kosten und die Zukunft der traditionsreichen Benefizgala begonnen. Während viele Fraktionen eine Rückkehr begrüßen, bleibt die Finanzierung des prestigeträchtigen Sportereignisses umstritten.

Volker Watschounek 2 Wochen vor 0

Die Stadtverordnetenversammlung diskutiert die Rückkehr des Ball des Sports. Chancen und Kosten stehen im Fokus.

Als der Ball des Sports noch regelmäßig im Rhein-Main Congress-Center und zuvor in den Rhein-Main-Hallen stattfand, verwandelte sich Wiesbaden jedes Jahr für einen Abend in den Mittelpunkt des deutschen Spitzensports. Nun könnte die traditionsreiche Benefizveranstaltung ab 2028 erneut zum Thema für die Landeshauptstadt werden.

In der Stadtverordnetenversammlung hat die FDP am 28. Mai den Antrag 26-F-05-0001 eingebracht, mit dem Wiesbaden seine grundsätzliche Bereitschaft zur Rückkehr des Ball des Sports signalisieren soll. Hintergrund sind Berichte, wonach die Deutsche Sporthilfe derzeit prüft, ob der Ball des Sports auch künftig in Frankfurt stattfinden oder erneut ausgeschrieben werden soll.

FDP-Fraktionschef Christian Diers sprach von einer einmaligen Gelegenheit. Der Ball des Sports sei „eine der bekanntesten und prestigeträchtigsten Sportveranstaltungen Deutschlands“ und weit mehr als eine Gala. Die Veranstaltung bringe bundesweite Aufmerksamkeit, Gäste aus Sport, Wirtschaft und Politik sowie erhebliche wirtschaftliche Effekte für die Stadt.

Diers machte zugleich deutlich, dass die Entscheidung unter Zeitdruck stehe. Nach Informationen der FDP wolle die Deutsche Sporthilfe bereits bis zum Sommer ausloten, welche Städte grundsätzlich Interesse an einer Ausrichtung zwischen 2028 und 2032 haben. Deshalb müsse Wiesbaden jetzt handeln. „Der Ball des Sports gehört nach Wiesbaden“, sagte Diers. Seine Rückkehr wäre aus Sicht der Liberalen nicht nur ein Gewinn für Wirtschaft und Stadtmarketing, sondern auch die Korrektur einer Entscheidung, die viele in der Stadt bis heute kritisch sehen.

Wirtschaftliche Chancen und offene Finanzierungsfragen

In der grundsätzlichen Bewertung des Ball des Sports zeigte sich eine ungewöhnlich breite Zustimmung. Selbst Fraktionen, die in der Vergangenheit die finanziellen Rahmenbedingungen kritisch gesehen hatten, signalisierten Offenheit für Gespräche mit der Deutschen Sporthilfe. So betonte Volt-Stadtverordneter Achim Sprengerd, dass der Ball des Sports „Wiesbaden gut stehen“ würde. Aktuell gehe es nicht um konkrete Millionenbeträge oder Vertragsdetails, sondern darum, die Tür für mögliche Verhandlungen offen zu halten und der Sporthilfe ein klares Signal des Interesses zu senden.

Rückenwind erhielt die Initiative auch aus dem Magistrat. Bürgermeisterin Christiane Hinninger erinnerte daran, dass der Ball des Sports über viele Jahre zu den bedeutendsten Veranstaltungen der Stadt gehört habe. Aus wirtschaftlicher Sicht sei die Veranstaltung für Wiesbaden zweifellos ein Gewinn gewesen. Nach Angaben der Stadt sorgte die Gala zuletzt für rund 800 Hotelübernachtungen von Gästen sowie weitere 1.600 Übernachtungen durch Techniker, Dienstleister und Organisationspersonal. Hinzu kamen Umsätze in Hotels, Restaurants, Bars, Taxis und im Einzelhandel.

Nach Darstellung Hinningers reicht der wirtschaftliche Effekt jedoch weit über das eigentliche Veranstaltungswochenende hinaus. Besucher großer Kongresse und Galaveranstaltungen würden die Innenstadt beleben, Kaufkraft in die Stadt bringen und das touristische Profil Wiesbadens stärken. Nach Berechnungen der Wiesbadener Veranstaltungsgesellschaft löse jeder Euro, der in den Veranstaltungshäusern umgesetzt werde, eine regionale Wertschöpfung von fünf bis acht Euro aus. Zudem sichere die Bespielung von Kurhaus und Rhein-Main Congress-Center insgesamt rund 1.300 Arbeitsplätze.

Ball des Sports im RMCC
Das war der Ball des Sports – Impressionen vom Abend. ©2019 Kay Herschelmann für Deutsche Sporthilfe

Öffentliche Wahrnehmung

Besonders wertvoll sei auch die öffentliche Wahrnehmung gewesen. „Der Ball des Sports erzeugte ein großes Echo in den Medien“, sagte Hinninger. Die Fernsehbilder, Berichte und Fotos hätten Wiesbaden regelmäßig bundesweit präsentiert und zuletzt dem Rhein-Main Congress-Center eine Aufmerksamkeit verschafft, die mit klassischen Marketingmaßnahmen kaum zu erreichen sei. Zahlreiche Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Veranstaltungsbranche hätten das RMCC während des Balles erstmals kennengelernt und später als Veranstaltungsort in Betracht gezogen.

Doch genau dort beginnt die politische Kontroverse. Denn den wirtschaftlichen Vorteilen stehen erhebliche Kosten gegenüber. Zwischen 2018 und 2022 investierte die Landeshauptstadt jährlich rund 687.000 Euro in die Veranstaltung. Davon kamen 387.000 Euro direkt aus dem städtischen Haushalt, weitere 200.000 Euro aus Spielbankmitteln. Zusätzlich gewährte das RMCC einen Mietkostennachlass von rund 100.000 Euro. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei es heute deutlich schwieriger, solche Summen erneut bereitzustellen. Hinninger machte deutlich, dass jeder Euro, der für den Ball des Sports ausgegeben werde, an anderer Stelle im Haushalt fehle.

Zustimmung für Gespräche, Streit über Zuschüsse

Trotz teils scharfer Wortgefechte zeichnete sich während der Debatte ein breiter politischer Konsens ab: Die Chance auf eine Rückkehr des Ball des Sports soll zumindest ausgelotet werden. Über Fraktionsgrenzen hinweg bestand Einigkeit darüber, dass die Landeshauptstadt den Kontakt zur Deutschen Sporthilfe suchen und ihre grundsätzliche Gesprächsbereitschaft signalisieren sollte. Deutlich schwieriger wurde es allerdings bei der Frage, wie weit Wiesbaden finanziell gehen darf, um die Veranstaltung tatsächlich zurückzugewinnen.

Während CDU und FDP die Rückkehr der Gala ausdrücklich befürworteten und sie als wichtigen Baustein für die Profilierung des Sport-, Kongress- und Veranstaltungsstandortes Wiesbaden sehen, erinnerte die SPD an die finanzielle Realität der Kommune. SPD-Stadtverordneter Michael David machte deutlich, dass seine Fraktion zwar nichts gegen den Ball des Sports in Wiesbaden habe, wohl aber gegen die hohen öffentlichen Zuschüsse, die in der Vergangenheit gezahlt wurden. Angesichts notwendiger Einsparungen in vielen Bereichen sei es schwer vermittelbar, erneut mehrere Hunderttausend Euro Steuergeld für eine einzelne Veranstaltung bereitzustellen. David warnte zudem davor, bereits jetzt Finanzierungsmodelle zu entwickeln, obwohl weder die konkreten Rahmenbedingungen noch die zukünftige Haushaltslage bekannt seien.

Auch bei den Grünen überwog die Bereitschaft, die Möglichkeit einer Rückkehr offen zu prüfen. Stadtverordneter Felix Kisseler sprach von einer „Chance“, die Wiesbaden nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass die Debatte über die Finanzierung erst noch bevorstehe. Niemand könne heute garantieren, dass eine zukünftige Stadtregierung die notwendigen Mittel tatsächlich bereitstellen werde. Die Zustimmung zu Gesprächen sei deshalb noch keine Zustimmung zu einer späteren Bewerbung oder gar zu finanziellen Verpflichtungen.

Im Hintergrund wird bereits gesprochen

Kritik kam von der Fraktion Die Linke. Fraktionssprecher Ingo von Seemen stellte den Nutzen der Veranstaltung für die breite Stadtgesellschaft infrage. Aus seiner Sicht profitierten vor allem prominente Gäste und zahlungskräftige Besucher von der Gala, während die Allgemeinheit über Steuergelder einen erheblichen Teil der Kosten trage. Die Mittel seien im sozialen Bereich, in Schulen, Kitas oder im Breitensport deutlich besser investiert. Von Seemen bezeichnete die frühere finanzielle Beteiligung der Stadt als eine Form der Umverteilung zugunsten einer Veranstaltung, deren Eintrittspreise ohnehin nur für wenige erschwinglich seien.

Unabhängig von diesen politischen Differenzen laufen die Gespräche bereits an. Bürgermeisterin Christiane Hinninger berichtete im Parlament, dass Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende bereits mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Sporthilfe, Maximilian Hartung, über die Zukunft des Ball des Sports gesprochen habe. Dabei habe die Stadt ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert. Noch im Juni soll ein weiteres Treffen stattfinden, um die Möglichkeiten einer Rückkehr auszuloten.

Damit ist die Entscheidung zwar noch lange nicht gefallen. Doch nach Jahren der Distanz hat Wiesbaden wieder Kontakt zur Deutschen Sporthilfe aufgenommen. Ob daraus tatsächlich eine Bewerbung und schließlich die Rückkehr des Ball des Sports entsteht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht jedoch: Die Debatte über Prestige, Wirtschaftlichkeit und den Einsatz öffentlicher Gelder hat gerade erst begonnen.

Foto – Eröffnungstanz im RMCC beim Ball des Sports ©2020 Volker Watschounek

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Die Internetseite zum Ball des Sports finden Sie unter www.sporthilfe.de.

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