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Rathaussschlüssel wird zurückgegebven, Insignien wieder verstaut.

Aschermittwoch: Wenn der Schlussstrich schon der Auftakt wird

Beim Heringsessen der DACHO am Aschermittwoch zieht Wiesbaden Bilanz: ein friedlicher Fastnachtssonntagszug, starke Kooperation mit Stadt und Land, viel Lob für Helfer im Hintergrund – und ein Appell, Verantwortung breiter zu verteilen. Denn Sicherheit beginnt oft beim Gitter.

Volker Watschounek 5 Stunden vor 0

Nach dem Dank kommt der Auftrag: Die DACHO sucht mehr helfende Hände – vom Absperrgitter bis zur Organisation.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei – und doch beginnt im Saal bereits das nächste Kapitel. Beim Heringsessen der DACHO beim Deutcshen Schützenbund klang die Wiesbadener Kampagne nicht einfach aus, sie setzte einen Punkt, der zugleich ein Doppelpunkt wurde. Wer hier nur an Hering und Harmonie dachte, hörte schnell: Diese Fastnacht lebt, weil Menschen planen, schleppen, sprechen, sichern, trösten, improvisieren – und immer wieder anpacken.

Schon die Begrüßung zeigte das Format: Stadtspitze, Land, Fraktionen, Ehrenrat, Sponsoren – eine Bühne, die sonst Politik trennt, rückte an diesem Vormittag zusammen. Der Ton war freundlich, die Pointe saß, und zwischen den Zeilen lag ein ernstes Thema: Wie hält ein Brauchtum durch, wenn Sicherheitsauflagen steigen, Budgets nicht wachsen und immer dieselben Schultern tragen?

Dank, der nicht geschniegelt klingt

FastnachtssonntagumzugDer Dacho-Vorsitzende Simon Rottloff (der lieber nur „fünf Karten“ schreiben wollte, als eine Dankesrede auszurollen) blieb ausführlich – und zielstrebig. Er zog eine Bilanz, die nicht in Superlativen badete, sondern konkrete Momente einsammelte: die feierliche Inthronisation des Kinderprinzenpaares, die Punktsitzung, Kinderfest und Kinderumzug – und als glitzerndes Finale den Fastnachtssonntagszug.

Der Satz, der im Saal hängen blieb, kam als Scherz daher und trug doch die ganze Logik einer Großveranstaltung: Wenn am Ende nur die Geschichte kursiert, dass in „Pupasch“ jemand per Kettensäge aus einer Toilette befreit werden musste, dann lief der Rest offenbar erstaunlich rund. Die Menge lachte – und verstand, was gemeint war: Sicherheit misst sich oft daran, dass nichts passiert.

Sicherheit, Sponsoren, Stadt – ein Dreiklang

Wer den Zug nur am Straßenrand erlebte, sah Konfetti, Musik und Kostüme. Beim Heringsessen rückte das Gerüst dahinter ins Licht. Simon dankte dem Zugteam, dem Zuginspektor, dem Zugmarschall – und hob eine Helferin hervor, die, wie er betonte, nicht einmal ein Amt in der DACHO bekleidet und dennoch Organisation und Anmeldung maßgeblich gestemmt habe. Genau diese Sätze erzählen, wie Vereine funktionieren: Nicht Titel halten die Maschine am Laufen, sondern Verlässlichkeit.

Auch die Kooperation mit der Stadt bekam Raum. Magistrat, Ämter, Finanzierung, Durchführung – das klang nicht nach Pflichtübung, sondern nach dem Wissen, dass ohne Verwaltung keine Strecke abgesperrt, kein Rettungsweg freigehalten, kein Sicherheitskonzept gelebt wird. Sponsoren tauchten nicht als Logo-Landschaft auf, sondern als Ermöglicher: Wer Geld gibt, übernimmt Verantwortung, sagte Simon sinngemäß – und verankerte damit das Brauchtum im Alltag der Stadtgesellschaft.

Kinderprinzenpaar: Charme trifft „Stimmwunder“

Emotional wurde es, als das Kinderprinzenpaar Noah und Viktoria nach vorn rückte. Die Szene zeigte, wie Wiesbaden Nachwuchs bindet: mit Anerkennung, Humor und echter Wärme. Viktoria, so hieß es, habe ein „gewaltiges Organ“ – so laut, dass sogar Tontechniker staunten.

Noah dagegen blickte schon nach vorn. Er wünsche sich fürs nächste Jahr ein Zwiegespräch mit seiner Mutter in der Bütt, hieß es – eine Idee, die nach Familienhumor klingt und zugleich nach Traditionspflege. Wer als Kind auf der Bühne steht, übernimmt nicht nur eine Rolle, er lernt Auftreten, Disziplin, Timing. Und er erlebt, dass Gemeinschaft trägt.

„Nicht fragen, wo es Frühstück gibt“

Dann kam der Satz, der wie ein Motto über dem Vormittag stand: Man solle nicht fragen, wo es Frühstück gebe, sondern welches Gitter man wo aufstellen könne. Der Appell zielte nicht auf schlechtes Gewissen, sondern auf praktische Hilfe. Kleine Planabweichungen, sagte Simon, könnten große Folgen auslösen – deshalb müsse Verantwortung auf mehr Schultern wandern.

Auch Oberbürgermeister Mende (im Saal wurde er begrüßt) griff diese Linie auf. Er beschrieb das Gefühl, das jede Stadtspitze bei einem großen Zug kennt: Man hält die Luft an, bis der letzte Wagen durch ist. Und er erinnerte daran, dass der Zug im Vorjahr zeitweise vor der Absage stand, weil Auflagen plötzlich so hoch schienen, dass niemand mehr wusste, wie man sie erfüllen soll. Umso mehr zählte für ihn der Dialog mit Polizei und Beteiligten – und die Erfahrung, dass Zusammenarbeit heute nicht selbstverständlich wirkt, aber genau deshalb zählt.

Abschied mit Schlüssel – und einem Blick in den Weinkeller

Zum Schluss wurde es noch einmal fastnachtlich konkret: Insignien wandern zurück, der Rathausschlüssel wechselt wieder den Besitzer, Konfetti bleibt angeblich an Stellen liegen, an denen niemand Konfetti erwartet. In solchen Details steckt die ganze Dramaturgie des Aschermittwochs: Man lacht, man räumt auf, man atmet durch – und plant schon leise den 11.11.

Das Heringsessen der DACHO zeigte damit mehr als eine Nachfeier. Es zeigte eine Stadt, die ihr Brauchtum nicht als Folklore abheftet, sondern als Arbeit begreift: laut, liebevoll, manchmal heiser – und erstaunlich organisiert.

Foto – Schlüsselübergabe ©2026 Volker Watschounek

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Die Internetseite der DACHO finden Sie unter www.dacho.de.

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