Rund 300 Beschäftigte aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland demonstrierten in Wiesbaden für bessere Tarifabschlüsse.
Trillerpfeifen, Fahnen und Transparente bestimmten am Freitagvormittag das Bild in Wiesbadens Straßen udn Fußgängerzone. Rund 300 Beschäftigte aus dem Einzel- und Großhandel folgten dem Aufruf der Gewerkschaft verdi und beteiligten sich am bundesweiten Warnstreik.
Ver.di fordert …
Ver.di fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitnehmerseite, der Handelsverband Nord, bietet in zwei Stufen insgesamt 3,5 Prozent mehr Entgelt bei zwei Jahren Laufzeit. Die Verhandlungen im Einzel- und Versandhandel sollen am nächsten Donnerstag fortgesetzt werden, die anderen am 11. August.
Mitarbeiter von Rewe, Metro, Kaufland, Ikea, H&M, Zara, Hit und weiteren Unternehmen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland versammelten sich zunächst auf dem Dern’schen Gelände, bevor der Demonstrationszug über Luisenplatz, Kirchgasse, Langgasse, Burgstraße und Wilhelmstraße wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrte.
Kritik an Arbeitgebern – und an der Stadtpolitik
Im Mittelpunkt standen die festgefahrenen Tarifverhandlungen. Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel Hessen und Verhandlungsführer, machte den Arbeitgebern deutliche Vorwürfe. „Die Arbeitgeber haben die ganze Zeit gesagt, wir bewegen uns keinen Millimeter“, sagte er. Erst die zunehmenden Streiks hätten Bewegung ausgelöst. Das jüngste Angebot sei jedoch weiterhin „lächerlich“, weshalb der Arbeitskampf fortgesetzt werde. Den ganzen Sommer durch, in den Herbst hinein und wenn es sein muss auch durch den Winter.
Schäuble kritisierte außerdem die geringe Resonanz aus der Wiesbadener Stadtpolitik. Nach seinen Angaben habe die Gewerkschaft aus sämtlichen Fraktionen politische Vertreter eingeladen. Bis auf Lesebestätigungen seien jedoch kaum Antworten eingegangen. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende habe seine Absage erst spät übermittelt und erklärt, sich in der aktuellen Situation nicht auf eine Seite stellen zu wollen.
Solidarität über Ländergrenzen hinweg
Ein Grußwort sprach schließlich nur Ingo von Seemen (Die Linke). Er stellte sich demonstrativ hinter die Forderungen der Beschäftigten und erklärte: „Ohne euch läuft nichts. Ohne euch keine Regale, keine Kassen, keine Umsätze.“ Mehr Lohn, höhere Ausbildungsvergütungen, planbare Arbeitszeiten sowie mehr Personal und Respekt seien aus seiner Sicht die Mindestvoraussetzungen für einen fairen Tarifabschluss.
Besonders erfreulich: Viele Gewerkschafter aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland sicherten den Streikenden ihre Unterstützung zu und beteiligten sich an dem Warnstreik in Wiesbaden. Erik Reiter, Gewerkschaftssekretär im Handel, warf den Arbeitgebern vor, trotz steigender Umsätze und Gewinne auf Zeit zu spielen. Sollte in der nächsten Verhandlungsrunde kein tragfähiges Angebot vorgelegt werden, kündigte er weitere Aktionen an: „Wir halten den Tarifkampf über die Ferien am Köcheln und bereiten, wenn es sein muss, einen heißen Herbst vor.“
Gegen 13 Uhr endete die Abschlusskundgebung auf dem Dern’schen Gelände. Die Teilnehmer traten anschließend ihre Heimreise an.
Symbolfoto ©2023 Volker Watschounek
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