Die Stadt saniert Historische Bachkanäle. Ab 2026 sollen Rambach- und Salzbachkanal wieder sicher fließen.
Wiesbaden schaut dorthin, wo kaum jemand hinschaut: unter die eigenen Füße. Der Magistrat beschloss jetzt sechs Millionen Euro für die Sanierung der historischen Bachkanäle, die seit mehr als hundert Jahren unter Wilhelmstraße und Friedrich-Ebert-Allee liegen. Selbstfahrende Roboter tasteten sich zuletzt durch die Gewölbe und fanden Risse, Ausbrüche, beschädigte Anschlüsse und freiliegende Bewehrung. Die Kanäle tragen seit Generationen Regenwasser, Stadtgeschichte – und ab und zu die Last einer politischen Entscheidung.
Warum es jetzt schnell gehen muss
Bürgermeisterin Christiane Hinninger ließ keinen Zweifel: Die Stadt müsse handeln, bevor kleine Schäden große Probleme schaffen. Starkregen setze dem Untergrund immer stärker zu. Hohlräume könne man nicht ausschließen. Akut gefährdet sei zwar nichts, doch der Sicherheitsanspruch steige. Am Warmen Damm sperrte die Stadt vorsorglich einen Weg für Autos – Fußgänger und Radfahrer dürfen weiter passieren.
Die großen Baustellen
Der erste Abschnitt umfasst 200 Meter Rambachkanal hinter dem Staatstheater – Kostenpunkt rund 950.000 Euro. Es folgt der 1.600 Meter lange Salzbachkanal zwischen Wilhelmstraße, Friedrich-Ebert-Allee und Bahnhofsplatz. Hier stehen rund 1,6 Millionen Euro im Raum. Parallel wartet ein dritter Abschnitt, eine Doppelröhre aus dem 19. Jahrhundert unter dem Warmen Damm. Die Schätzung wirkt fast museal: 4,5 Millionen Euro. Bis 2029 soll alles fertig sein – wenn die Randbedingungen nicht erneut überraschen.
Wie alles einst begann
Damals, als Wiesbaden noch nach Stall und Hof roch, floss das Abwasser offen durch die Bäche. Als die Stadt wuchs, wuchs der Gestank gleich mit. Die Presse nannte den Salzbach „cloaca maxima“. Cholera griff um sich. 1902 griff Berlin durch und verlangte die Kanalisierung. Heute laufen 13 von 240 Bachkilometern unterirdisch. Dass die Gewölbe zwei Weltkriege überstanden und Millionen Kubikmeter Wasser führten, überrascht sogar Fachleute.
Symbolbild – Baustelle ©2024 Openstreetmap
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