Wasserdampf statt Dieselruß und CO2 – auf Schienenstrecken ohne Oberleitung kann der Brennstoffzellenantrieb eine leise und klimafreundliche Alternative zu Dieselfahrzeugen sein.

Auf der weltweit ersten Sonderfahrt von Wiesbaden nach Frankfurt-Höchst konnten sich am 13. April rund 150 Fahrgäste einen Eindruck von der neuartigen Technik machen. Das auffällig blaue seriennahe Modell Coradia iLint vom Zughersteller Alstom fällt nicht nur farblich auf. Die Geräuschkulisse ist auch eine ganz andere.

„Der Verkehr trägt ein Drittel zu den hessischen Treibhausgasemissionen bei.“ – Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung.

Mit an Bord waren neben Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir unter anderem die Geschäftsführer von Alstom Deutschland, Dr. Jörg Nikutta, des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, Prof. Knut Ringat, sowie von Infraserv Höchst, Dr. Joachim Kreysing. Ringat und Kreysing stellten die aktuellen Pläne zum möglichen Einsatz derartiger Fahrzeuge sowie deren Betankung ab Ende 2022 im Taunusnetz vor.

„Wir müssen jetzt zügig den Weg in eine klimafreundliche Mobilität einschlagen – auch auf der Schiene, wo viele Nebenstrecken mangels Oberleitung noch mit Dieselfahrzeugen betrieben werden.“ – Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung.

Der Brennstoffzellen-Antrieb ist eine interessante Alternative zur kostspieligen Elektrifizierung. Sie gewinnt elektrische Energie aus der Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser. Statt Abgasen entsteht dabei lediglich Wasserdampf. Der Coradia iLint ist zudem mit einer Batterie ausgestattet, um die an Bord erzeugte elektrische Energie zwischenspeichern und Bremsenergie rückgewinnen zu können.

 „Wir sind erfreut über das große Interesse an unserem Coradia iLint, der als weltweit erster brennstoffzellenbetriebener Regionalzug im Fahrgastverkehr schon dieses Jahr in Deutschland zum Einsatz kommt.“ – Dr. Jörg Nikutta, Geschäftsführer von Alstom

Mit einer Tankfüllung Wasserstoff kann der iLint bis zu 1.000 Kilometer zurücklegen und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. „Wir sind erfreut über das große Interesse an unserem Coradia iLint, der als weltweit erster brennstoffzellenbetriebener Regionalzug im Fahrgastverkehr schon dieses Jahr in Deutschland zum Einsatz kommt“, sagt Dr. Jörg Nikutta, Geschäftsführer von Alstom in Deutschland & Österreich. „Alstom geht es um mehr als die technische Machbarkeit von Brennstoffzellen auf der Schiene. Schon heute haben wir ein komplett emissionsfreies Mobilitätskonzept im Portfolio – inklusive Infrastruktur für die Betankung mit Wasserstoff. Wir treten den Beweis an, dass unser Konzept wirtschaftlich und damit wettbewerbsfähig ist.“

„Der ÖPNV ist der Schlüssel, wenn wir die Klima-Ziele erreichen wollen.“ – Prof. Knut Ringat, Geschäftsführer des RMV

Planungen zum Einsatz derartiger Fahrzeuge verfolgt u.a. der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der derzeit eine Ausschreibung über bis zu 26 emissionsfreie Fahrzeuge vorbereitet, die ab Ende 2022 auf nicht- bzw. nur teilweise elektrifizierten Taunusstrecken verkehren sollen. „Um den Nahverkehr für die Zukunft fit zu machen, müssen wir stärker auf Brennstoffzellen- und Batterietechnik setzen“, sagt Prof. Knut Ringat, Geschäftsführer des RMV. Der Einsatz von Brennstoffzellenzügen auf der Taunusstrecke sei ein weiterer wichtiger Schritt zu einem umweltfreundlichen und leisen Nahverkehr, so Ringat weiter.

Einsatzmöglichkeiten ergeben sich insbesondere auf den Regionalbahnlinien RB11, RB12, RB15 und RB16, also zwischen Bad Soden und Frankfurt-Höchst, zwischen Königstein und dem Frankfurter Hauptbahnhof, zwischen Brandoberndorf und Bad Homburg sowie zwischen Friedberg und Friedrichsdorf.

Wasserstoff und Brennstoffzellen können ein wesentlicher Bestandteil unseres zukünftigen Energiesystems sein.“ – Dr. Heinrich Lienkamp, Vorstandsvorsitzender H2BZ-Hessen

Tanken könnten die Züge im Industriepark Höchst, wo Wasserstoff als Koppelprodukt anfällt. Ein entsprechendes Tankstellen-Konzept liegt vor. „Als innovativer Betreiber von Industrieparks optimieren wir kontinuierlich unsere Energieversorgungskonzepte und arbeiten daran, erneuerbare und umweltfreundliche Energiequellen möglichst intensiv zu nutzen“, so Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer von Infraserv Höchst. „Daher ist auch die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie für uns ein interessantes Thema, denn der Industriepark Höchst ist hierfür aufgrund der bereits vorhandenen Wasserstoffinfrastruktur der optimale Standort.“

 „Je mehr Strom aus regenerativen, aber zugleich fluktuierenden Quellen erzeugt wird, desto mehr Bedarf nach entsprechenden Speichermedien entsteht.“ – Dr. Heinrich Lienkamp, Vorstandsvorsitzender H2BZ-Hessen 

„Emissionsfrei, energieeffizient und kostengünstig – Triebwagen mit Brennstoffzellenantrieb sind eine umweltfreundliche Alternative zu Diesellokomotiven. Mit der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie lassen sich in Zukunft Elektrifizierungslücken technisch in den Griff kriegen. Deshalb fördern wir diese Technologie mit Mitteln aus dem Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologie, kurz NIP 2.“, erläutert parlamentarischer Staatssekretär Enak Ferlemann beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Zwei Förderskizzen – jeweils eine von RMV und Infraserv Höchst – wurden zur Beschaffung der innovativen Brennstoffzellenzüge sowie zur Errichtung der erforderlichen Wasserstoff-Betankungsinfrastruktur vor wenigen Tagen bei diesem Programm eingereicht.

„Wasserstoff besitzt viele Vorteile. Er bietet die Möglichkeit der Sektorenkopplung, so dass sich beispielsweise auch unser Verkehrssystem sauber und nachhaltig gestalten lässt.“ – Dr. Heinrich Lienkamp, Vorstandsvorsitzender H2BZ-Hessen

Das Land Hessen unterstützt das Vorhaben bereits seit dem Jahr 2015 hinsichtlich des Aufbaus der erforderlichen Betankungsinfrastruktur. „Mit der Umsetzungsbegleitung für dieses Leuchtturmprojekt im Auftrag des Hessischen Wirtschafts- und Energieministeriums können wir einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende in Hessen leisten“, sagt Dr. Karsten McGovern von der Hessischen LandesEnergieAgentur. „Zugleich unterstützen wir den Aufbau zukunftsträchtiger Kompetenzen bei den beteiligten hessischen Zulieferern, die sich hier als Vorreiter präsentieren.“ ∆

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