Noch gehört die Corona-Ampel in Berlin zu einer Berliner Eigenheit. Weil aber die Rahmenbedingungen von Seiten des Landes Hessen ungenügend scheinen, arbeiten Städte und Kommunen Lösungen: einer Corona-Ampel.

Bereits am Mittwoch, 6. Mai, hatten die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder verabredet, dass die Länder sicherstellen, dass in Landkreisen und kreisfreien Städten mit kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird. Sollte es sich bei einem Hotspot um eine klar zu lokalisierende und eingrenzbare Einrichtung handeln (zum Beispiel eine Gemeinschaftseinrichtung wie ein Alten- und Pflegeheim) kann das Beschränkungskonzept nur diese Einrichtung umfassen und wird aus der Zahl der Obergrenze für Neuinfektionen herausgerechnet. Vielen geht das zu weit. Transparenz gebe eine Corona-Ampel.

„Für viele Landkreise und kreisfreien Städte ist diese Zahl zu hoch. Das sehe der Freistaat Bayern und das Land Berlin genauso. In Bayern wurde der Schwellenwert auf 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner reduziert, in Berlin gibt es ein abgestuftes Ampelkonzept.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Bürgermeister und Gesundheitsdezernent Dr. Oliver Franz

Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 würde für Wiesbaden rund 145 Neuinfektionen in einer Woche bedeuten.  So viele neue Fälle hat es in Wiesbaden zu keinem Zeitpunkt der Pandemie gegeben. Wiesbadens Oberbürgermeister und Bürgermeister machen deutlich, dass die Zahl 35 – das entspricht rund 100 neuen Fällen in einer Woche – auch Wiesbaden maßgebend sei. Auch dies selbst wolle man in Wiesbaden deutlich unterschreiten. Ein Weg in di richtige Richtung ist dabei ein Frühwarnsystem.

„Um bereits vor Erreichen dieser kritischen Grenze eine kontinuierliche Lageeinschätzung auf lokaler Ebene zu erhalten, brauchen wir ein Frühwarnsystem, das uns in die Lage versetzt, rechtzeitig zu agieren.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Bürgermeister und Gesundheitsdezernent Dr. Oliver Franz.

Zur Erarbeitung eines solchen Frühwarnsystems hat der Verwaltungsstab der Landeshauptstadt Wiesbaden in der vorletzten Woche eine Arbeitsgruppe bestehend aus dem Ärztlichen Direktor der Helios Dr. Horst-Schmidt-Kliniken, der Leiterin des Gesundheitsamtes sowie dem Ärztlichen Leiter des Rettungsdiensts der Berufsfeuerwehr Wiesbaden eingesetzt, die binnen einer Woche ein Ampelsystem erarbeitet haben, das aus einer gestuften Betrachtungsweise unter Einbeziehung der Reproduktionszahl, der Zuwachsrate sowie der Inzidenz je 100000 Einwohner in sieben Tagen sowie der sofort zur Verfügung stehenden Intensivbetten besteht. Die Zusammenfassung der Beurteilung ergibt sich aus einem sich permanent aktualisierenden Dashboard als technischer Umsetzung.

„Es ist absolut notwendig, in dieser Frage im Versorgungsgebiet einheitlich vorzugehen, zumal viele Bürger des Rheingau-Taunus-Kreises traditionell von den klinischen Strukturen der benachbarten Landeshauptstadt mitversorgt werden.“ –  Landrat Frank Kilian

Der Verwaltungsstab der Landeshauptstadt Wiesbaden hat in seiner Sitzung vergangenem  Mittwoch, 20. Mai, beschlossen, das Ampelsystem zur Grundlage kommunaler Entscheidungen in der Landeshauptstadt zu machen. Das Ampelsystem wurde gleichfalls am Mittwoch in einer Skype-Konferenz der Arbeitsgruppe Kliniken präsentiert, die das Modell einstimmig als Handlungsgrundlage empfahl. Wiesbadens Gesundheits- und Klinikdezernent Dr. Oliver Franz zeigte sich hoch erfreut, dass damit ein Steuerungssystem für die Landeshauptstadt und den Rheingau-Taunus-Kreis zur Verfügung stehe. „Damit sind wir hessenweit Vorreiter“, so Franz.

Kritik an der Landesregierung

Oberbürgermeister Mende kritisierte abschließend, dass bislang von der Landesregierung kein eigener Vorschlag für die Umsetzung des Sieben-Tage-Inzidenzwertes für Hessen vorgelegt worden ist, obwohl die entsprechenden politischen Verabredungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin bereits vom 6. Mai stammen. (Bild Pixabay | bearbeitet Wiesbaden lebt!)

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