„Im laufenden Betrieb, unter Laborbedingungen“, entstand eine neue Gruppe – die ist jetzt mit teil eines großen Ganzen.
Das Bergkirchenviertel ist eng bebaut, gewachsen und extrem verdichtet. Im Gegensatz zu manch anderen Stadtteilen steigen hier Kinderzahlen, sind Kindergartenplätze rar. Die Stadt. Wiesabden reagierte darauf, – nicht mit einem Neubau auf der grünen Wiese, sondern mit einem Umbau im Bestand. Die Kindertagesstätte XENIA (Träger: Terre des Hommes) wuchs, wurde erweitert – während sie weiter betreute.
Wiesbadens Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher brachte es am Mittag vor Ort auf den Punkt: „Es ist relativ schnell gelungen, hier eine weitere Elementargruppe zu realisieren im Bergkirchenviertel.“ Das Quartier sei „eine gewachsene, eng bebaute Struktur, man muss quasi mit den Gegebenheiten leben“. Gleichzeitig steige hier die Zahl der Kinder – „das hat man ja nicht überall in den Städten, hier aber schon“.
Die Erweiterung versorge nicht nur das Bergkirchenviertel, sondern auch umliegende Straßen. Insgesamt stünden nun rund 100 Betreuungsplätze zur Verfügung.
Bauen im Betrieb – „unter Laborbedingungen“
Die Herausforderung lag nicht nur im Raum, sondern im Ablauf, da die Kita während des gesamten Baus geöffnet blieb. Kinder spielten, während Handwerker Wände versetzten, Leitungen prüften, Räume neu schnitten.
SEG-Geschäftsführerin Dr. Ute Knippenberger sprach von einem Umbau „im laufenden Betrieb, sozusagen unter Laborbedingungen“. Die Kolleginnen hätten gemeinsam mit dem Architekten „im Betrieb dieses Kleinod hier hergestellt“.
Ein leerstehendes Ladengeschäft im Erdgeschoss integrierte man vollständig in die Kita. „Es ist natürlich eine tolle Weiternutzung dieser Fläche, dass wir hier die Kita mit erweitert haben“, sagte Knippenberger. Aus Gewerbe wurde Küche, aus Durchgang wurde Gruppenraum, aus Engstelle wurde Struktur.
Die Nutzfläche wuchs von 293 auf 561 Quadratmeter. Fast verdoppelt – ohne Neubau.
Nachhaltigkeit statt Abriss
Während andernorts neu gebaut wird, entschied man sich im Bergkirchenviertel bewusst für das Weiterbauen im Bestehenden. Eine Stimme beim dem Rundgang formulierte es so: „Wir reden so viel von Nachhaltigkeit und Cradle to Cradle.“ Man müsse nicht alles aus Altbauten herausreißen und „auf irgendwelchen Börsen verticken“, sondern könne „einfach spielen und gucken“. Das koste „ein bisschen mehr Mühe“, aber „die Zahl ist eigentlich richtig“.
Gemeint waren die Kosten: „Mit rund 800 Euro pro Quadratmeter sind wir wirklich auch sehr wirtschaftlich hier. Das sehen wir zu selten.“ Der Umbau blieb effizient – und zugleich funktional resümierte Dr. Knippenberger.
Das Dach wurde neu gedämmt, der Brandschutz ergänzt. Früher habe es nur einen Rettungsweg über Anleitern gegeben. „Jetzt haben wir halt eine Treppe vom ersten und den zweiten Stock “ Diese Außentreppe diene nicht nur im Notfall. „Man muss es ja auch üben mit den Kindern. Man kann das ja nicht nur einmal machen.“
Neue Wege über vier Etagen
Das Gebäude wurde neu strukturiert. Im ersten Obergeschoss verwandelte sich eine Küche in ein Kinder-WC. Ein ehemaliges Bad wurde zur Teeküche mit Ausgang zur Treppe. „Du warst in einer Küche, du bist jetzt ein Bad“, kommentierte jemand lachend. „Du warst ein Klo, du bist jetzt was anderes.“
Im zweiten Obergeschoss entstanden zwei gleichwertige Gruppenräume. Eine zusätzliche Gruppe zog ein – die Delphin-Gruppe. „Das ist jetzt tatsächlich die neue Gruppe, die wir eingerichtet haben“, hieß es beim Rundgang.
Für die Kinder verteilen sich die Räume über drei Ebenen. Insgesamt umfasst das Haus vier, eigentlich sogar fünf Geschosse, wenn man das Untergeschoss mitrechnet. „Aber für die Kinder sind es eigentlich drei Etagen“, stellte die Kita-Leitung klar.
Normalerweise plane man Kitas ebenerdig. Doch hier entschied man sich für ein Modell im Bestand. „Innenstadt ist ja eng“, sagte Becher. In Neubaugebieten lasse sich eine Kita leichter mitdenken. „Im Bestand zu gucken, wie können wir hier zusätzliche Bedarfe entwickeln“, sei die eigentliche Aufgabe.

Elterncafés statt Distanz
Neben Raum und Sicherheit betonte Becher die soziale Komponente. „Für die Kita war von Anfang an ganz wichtig, Elternpartnerschaft aufzubauen.“ Einmal im Monat finden Elterncafés statt – zur Bring- oder Abholzeit.
Elternbildung hole Exinia in der Adlerstraße bewusst in die Einrichtung. „Wenn wir die Angebote in die Kita holen, werden sie stärker wahrgenommen. Das ist niedrigschwellig, die Eltern sind eh da.“ Austauschplattformen, frühe Hilfen, Gespräche mit professioneller Begleitung – das Quartier dockt sich an.
Ein gedeihliches Nebeneinander
Aber nicht das ganze Haus wurde zur Kita. Eine Wohnung bleibt vermietet. „Das Miteinander ist gedeihlich“, erklärte Knippenberger gegenüber der Redaktion. Am eine komplette Umwidmung sei aktuell nicht zu denken. Vielmehr gehe es immer um Einzelfälle. „Jede Bestandsimmobilie ist individuell.“ Man prüfe Bedarfe, Möglichkeiten, Struktur. Wenn es passe, setze man es um.
In der Adlerstraße passte es. Und so entstand aus einem ehemals gemischten Gebäude ein Ort, der Bildung, Betreuung und Quartier enger verzahnte.
Foto – Gruppenraum in der Xenia Kindertagesstätte Adlerstraße. ©2026 Volker Watschounek
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