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Mathias Bedürftig bei der Wahlkampfveranstaltung in der „Sportarena"

„Mehr Wohnungen, weniger Bürokratie und Mobilität“

Der Wahlkampf spitzt sich zu, die Entscheidungen rücken näher. Im Gespräch erklärt der Spitzenkandidat der Freien Wähler, warum mehr Wohnraum, schnellere Verwaltung und eine pragmatische Verkehrspolitik für Wiesbaden jetzt entscheidend sind – und weshalb seine Partei auf ein stärkeres Wahlergebnis hofft.

Volker Watschounek 22 Stunden vor 0

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler erklärt, wie Wiesbaden wachsen soll – pragmatisch, schneller und wirtschaftsfreundlicher.

Die Plakate hängen, der Wahlkampf geht in seine entscheidende Phase. In wenigen Tagen wählen die Bürger ein neues Stadtparlament. Wie sie inzwischen gemerkt haben, sprechen wir in unsere Serie sprechen mit den Spitzenkandidaten der zwölf antretenden Parteien über ihre Ziele, ihre wichtigsten Themen und ihre Pläne für die kommenden Jahre.

Statements vom Matthias Bedürftig

Bei Interviews im schriftlichen Verfahren kommt es gelegentlich vor, dass Gesprächspartner die einzelnen Fragen nicht direkt beantworten, sondern ihre Antworten thematisch bündeln. Auch in diesem Fall wurden einige unserer Fragen – etwa zu den wichtigsten Aufgaben der kommenden Wahlperiode, zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen oder zur zukünftigen Verkehrspolitik – von der Gegenseite in übergeordnete Themenfelder wie „Wohnen in Wiesbaden“, „Verwaltung und Bürokratie“ oder „Digitalisierung der Stadt“ zusammengeführt.

Um die Antworten korrekt und unverändert wiederzugeben, geben wir die Stellungnahmen im Folgenden im Wortlaut und in der von der Interviewseite gewählten Struktur wieder.

Heute im Interview: Matthias Bedürftig, Spitzenkandidatin der FREIE WÄHLER Wiesbaden. Er erklärt, welche Schwerpunkte ihre Partei im Wahlkampf setzt, welche Veränderungen sie für die Stadt anstrebt – und warum Georgi glaubt, dass ihre Partei bei der Kommunalwahl stärker abschneiden kann.

Herr Bedürftig …

Prioritäten der kommenden fünf Jahre

Für uns stehen in der kommenden Wahlperiode drei zentrale Aufgaben im Mittelpunkt. Erstens müssen wir mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne Wiesbaden planlos weiter an den Stadträndern wachsen zu lassen. Die Innenentwicklung muss Vorrang haben. Leerstände, Konversionsflächen, aufstockbare Gebäude und bislang untergenutzte Flächen müssen konsequent genutzt werden. Gleichzeitig müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller und verlässlicher werden, damit Projekte überhaupt umgesetzt werden können.

Zweitens braucht Wiesbaden eine Verkehrspolitik, die sich wieder stärker an der Realität des Alltags orientiert. Mobilität muss funktionieren und darf nicht ideologisch gedacht werden. Autofahrer, Busnutzer, Radfahrer und Fußgänger gehören gleichermaßen zur Stadt. Unser Ziel ist ein besserer Verkehrsfluss auf den Hauptachsen, eine bessere Baustellenkoordination und ein verlässlicher öffentlicher Nahverkehr.

Drittens müssen wir Verwaltung und Wirtschaft wieder handlungsfähiger machen. Wiesbaden hat großes wirtschaftliches Potenzial, aber zu lange Verfahren und unnötige Bürokratie bremsen Investitionen aus. Unternehmen, Handwerksbetriebe und Gründer brauchen klare Ansprechpartner und zügige Entscheidungen. Eine leistungsfähige Verwaltung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine funktionierende Stadt.

Finanzen der Stadt

Wiesbaden hat aus unserer Sicht kein grundsätzliches Einnahmenproblem. Die Stadt erzielt hohe Einnahmen, steht aber gleichzeitig vor stark steigenden Ausgaben. Deshalb kommt es vor allem auf eine verantwortungsvolle Ausgabenpolitik und klare Prioritäten an.

Wir sehen aber noch ein weiteres strukturelles Problem. Kommunen werden immer stärker durch Entscheidungen und Vorgaben von Bund und Ländern finanziell belastet. Neue Aufgaben, gesetzliche Verpflichtungen oder zusätzliche Standards werden beschlossen, während die Finanzierung häufig bei den Städten und Gemeinden hängen bleibt.

Deshalb fordern wir auf Bundesebene konsequent die Einhaltung des Konnexitätsprinzips. Wer eine Aufgabe überträgt, muss auch für die Finanzierung sorgen. Die kommunale Ebene darf nicht dauerhaft zum Ausfallbürgen für politische Entscheidungen anderer Ebenen werden.
Auf kommunaler Ebene bedeutet solide Finanzpolitik für uns, dass notwendige Investitionen Vorrang haben. Dazu gehören Schulen, Kitas, Infrastruktur, Digitalisierung und Sicherheit. Gleichzeitig müssen größere Projekte immer auch auf ihre langfristigen Kosten und Folgekosten überprüft werden.

Wirtschaft und Arbeitsplätze

Wiesbaden muss seine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an mehreren Stellen verbessern. Unternehmen investieren dort, wo Entscheidungen zügig getroffen werden und wo Planungssicherheit besteht. Deshalb müssen Genehmigungsverfahren schneller werden. Wer als Unternehmen monatelang oder sogar jahrelang auf Entscheidungen warten muss, überlegt sich sehr genau, ob er an einem Standort investiert.

Ein weiteres großes Thema sind fehlende Gewerbeflächen. Viele Betriebe möchten wachsen oder sich ansiedeln, finden aber keine geeigneten Flächen. Wenn wir Arbeitsplätze sichern und neue schaffen wollen, muss Wiesbaden hier aktiver werden.
Auch die Erreichbarkeit des Standorts spielt eine wichtige Rolle. Handwerk, Dienstleister, Lieferverkehr und Pendler sind auf funktionierende Verkehrswege angewiesen. Wirtschaftspolitik beginnt deshalb nicht erst im Gewerbeamt, sondern auch bei Verkehr und Infrastruktur.

Gewerbeflächen und Stadtentwicklung

Wir sind der Auffassung, dass Wiesbaden zusätzliche Gewerbeflächen sichern und entwickeln muss. Ohne ausreichende Flächen können Unternehmen weder wachsen noch sich neu ansiedeln. Gleichzeitig wollen wir keine unüberlegte Versiegelung von Flächen. Vorrang haben für uns die Aktivierung bestehender Gewerbegebiete, die Nutzung von Brachflächen sowie die Entwicklung von Konversionsflächen.

Wenn neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden müssen, sollen sie verkehrlich sinnvoll angebunden sein, möglichst wenig Konflikte mit Wohngebieten verursachen und ökologisch verantwortbar geplant werden. Wichtig ist uns auch eine frühzeitige Beteiligung der Bürger.

Stadtentwicklung muss nachvollziehbar, maßvoll und im Dialog mit der Stadtgesellschaft erfolgen.

Verkehr und Mobilität

Die Verkehrspolitik in Wiesbaden muss wieder pragmatischer werden. Unser Ziel ist eine Mobilitätspolitik, die funktioniert und alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt.

Besonders wichtig ist uns der Schutz von Kindern im Straßenverkehr. Geschwindigkeitsbegrenzungen müssen überall dort umgesetzt werden, wo sie notwendig und sinnvoll sind, zum Beispiel vor Schulen, Kitas oder in besonders sensiblen Bereichen.
Gleichzeitig müssen wir immer alle Verkehrsteilnehmer im Blick behalten. Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und der öffentliche Nahverkehr gehören gleichermaßen zur Stadt.

Der öffentliche Nahverkehr muss gestärkt werden, weil er für viele Menschen eine wichtige Alternative zum Auto darstellt. Gleichzeitig müssen Verkehrsflüsse verbessert werden, damit Staus reduziert werden und die Menschen wieder zuverlässiger durch die Stadt kommen.
Darüber hinaus sind wir offen für innovative Lösungen. Deshalb halten wir es für sinnvoll, auch neue Mobilitätsformen zu prüfen. Dazu gehört beispielsweise die Idee einer Seilbahn für Wiesbaden, die bestimmte Verkehrsachsen entlasten und neue Verbindungen schaffen könnte. Eine solche Möglichkeit sollte zumindest ernsthaft untersucht werden.

Öffentlicher Nahverkehr

Wir begrüßen ausdrücklich den neuen Nahverkehrsplan 2030 für Wiesbaden. Er enthält viele sinnvolle Ansätze für eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.
Umso bedauerlicher ist es, dass das derzeitige Linksbündnis zunächst nur das sogenannte Basisnetz ab dem Jahr 2027 umsetzen will. Aus unserer Sicht braucht Wiesbaden mehr Mut beim Ausbau des ÖPNV.

Wir verstehen uns als echte Unterstützer eines starken öffentlichen Nahverkehrs. Besonders wichtig ist uns dabei die bessere Anbindung der Vororte. Gerade dort sind viele Menschen auf Busverbindungen angewiesen. Außerdem brauchen wir bessere Verbindungen am Abend und in der Nacht. Das gilt nicht nur für Pendler, sondern auch für Jugendliche und junge Erwachsene, die sicher und zuverlässig nach Hause kommen müssen.

Ein leistungsfähiger ÖPNV bedeutet deshalb nicht nur bessere Takte in der Innenstadt, sondern ein durchdachtes Netz für die gesamte Stadt.

Wohnen in Wiesbaden

Die wichtigste Maßnahme für mehr bezahlbaren Wohnraum ist aus unserer Sicht eine konsequente Aktivierung innerstädtischer Potenziale. Dazu gehören die Umnutzung leerstehender Bürogebäude, die Entwicklung brachliegender Flächen, Aufstockungen bestehender Gebäude sowie eine maßvolle Nachverdichtung.

Gleichzeitig müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich schneller werden. Zu lange Verfahren und übermäßige Bürokratie treiben Baukosten nach oben und verhindern Projekte.

Bezahlbarer Wohnraum entsteht nur dann, wenn ausreichend gebaut werden kann und wenn Verfahren verlässlich und planbar sind.

Verwaltung und Bürokratie

Unser Ziel ist eine Verwaltung, die wieder stärker als Dienstleister für Bürger und Unternehmen wahrgenommen wird. Viele Menschen erleben heute lange Wartezeiten, komplizierte Verfahren und unklare Zuständigkeiten. Das führt zu Frust und kostet Zeit.Wir wollen deshalb klare Bearbeitungsstandards einführen. Antragsteller sollen wissen, wer zuständig ist, welche Unterlagen fehlen und wann eine Entscheidung zu erwarten ist.Zudem müssen digitale Verfahren konsequent ausgebaut werden, damit Anträge und Rückmeldungen einfacher und schneller möglich sind.

Digitalisierung der Stadt

Der größte Nachholbedarf liegt aus unserer Sicht in der Digitalisierung der Verwaltung. Viele Abläufe sind noch immer papierbasiert oder unnötig kompliziert. Bürger und Unternehmen erwarten heute zu Recht, dass sie viele Anliegen online erledigen können. Deshalb setzen wir uns für ein digitales Bürger- und Unternehmensportal ein, über das Anträge gestellt, Dokumente eingereicht und Bearbeitungsstände verfolgt werden können. Digitalisierung muss den Alltag einfacher machen und Verwaltungsverfahren beschleunigen.

Lebensqualität und Stadtbild

Wiesbaden ist eine attraktive Stadt, aber viele Bürger wünschen sich Verbesserungen im Alltag. Sauberkeit und Ordnung im öffentlichen Raum müssen stärker in den Fokus rücken. Vermüllung und Vandalismus beeinträchtigen das Stadtbild und die Aufenthaltsqualität. Auch die Innenstadt braucht neue Impulse. Leerstände müssen reduziert werden und Handel sowie Gastronomie brauchen bessere Rahmenbedingungen.

Gleichzeitig wollen wir Grünflächen, Parks und Naherholungsräume schützen und pflegen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität in unserer Stadt.

Vision für Wiesbaden

In zehn Jahren soll Wiesbaden eine moderne, wirtschaftlich starke und lebenswerte Stadt sein, die Tradition und Zukunft sinnvoll miteinander verbindet. Wir wollen eine Stadt, die ihre historische Identität bewahrt und gleichzeitig offen für Innovationen ist. Dazu gehört eine leistungsfähige Infrastruktur, eine funktionierende Verwaltung und eine starke lokale Wirtschaft mit guten Arbeitsplätzen. Wiesbaden soll ein Standort sein, an dem Unternehmen gerne investieren, an dem Handwerk und Mittelstand wachsen können und an dem junge Menschen Perspektiven finden.

Gleichzeitig muss Wiesbaden eine Stadt bleiben, in der Lebensqualität großgeschrieben wird. Saubere und sichere öffentliche Räume, gepflegte Grünanlagen, ein lebendiges kulturelles Leben und attraktive Stadtteile gehören ebenso dazu wie gute Schulen, Kitas und Freizeitangebote.
Auch beim Thema Mobilität wollen wir weiter sein als heute. Unser Ziel ist ein modernes Verkehrskonzept, das Staus reduziert, den öffentlichen Nahverkehr stärkt und alle Verkehrsteilnehmer sinnvoll einbindet. Wiesbaden soll zeigen, dass pragmatische Verkehrspolitik funktioniert und damit auch für andere Städte ein Vorbild werden kann.

Kurz gesagt: In zehn Jahren soll Wiesbaden eine Stadt sein, die wirtschaftliche Stärke, hohe Lebensqualität und funktionierende kommunale Politik miteinander verbindet. Eine Stadt, in der sich Menschen gerne aufhalten, gerne arbeiten und gerne leben.

Die Millionen-Euro-Frage

Wenn Wiesbaden unerwartet eine Million Euro zusätzlich zur Verfügung hätte, würden wir dieses Geld gezielt in Bereiche investieren, die den Alltag der Menschen direkt verbessern. Ein großer Teil sollte in unsere Schulen und Kitas fließen, zum Beispiel für Modernisierungen von Gebäuden oder bessere Ausstattung. Auch Spielplätze und Aufenthaltsflächen für Kinder und Familien könnten damit verbessert werden.

Darüber hinaus würden wir Mittel in Verkehrssicherheit und Infrastruktur investieren, etwa für sichere Schulwege oder kleinere Verbesserungen im Straßenraum. Ein weiterer Teil sollte kulturellen Angeboten zugutekommen, denn Kultur ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität in unserer Stadt. Unser Ansatz wäre klar. Das Geld sollte nicht in ein Prestigeprojekt fließen, sondern in konkrete Verbesserungen, die die Bürger unmittelbar spüren.

Foto – Im Wahlkampfmodus: Der Spitzenkandidat der Freien Wähler erläutert seine Pläne für Wiesbadens Entwicklung in den kommenden Jahren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto – Daniela Georgi, Podiumsdiskussion der Obermayr Europa-Schule. ©2026 Volker Watschounek

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Die Internetseite zu den Wahlen in Wiesbaden finden Sie unter www.wiesbaden.de.
Mehr von der FWG Wiesabden.

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