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Waldrapp in der Vogelvoliere, acht Stück sind in Wiesbaden jetzt heimisch.

Großvoliere in der Fasanerie eröffnet, Waldrappen ziehen ein

Die Fasanerie Wiesbaden hat ihre neue Großvoliere eröffnet. Nach den Schäden durch den Winter 2023 leben dort jetzt acht seltene Waldrappen. Der Tierpark verbindet Artenschutz, Umweltbildung und freien Eintritt – ein Konzept, das in Hessen nahezu einzigartig ist und jährlich Tausende Besucher anzieht.

Volker Watschounek 35 Minuten vor 0

Die Fasanerie Wiesbaden eröffnet ihre neue Großvoliere mit acht seltenen Waldrappen als Botschaftern des Artenschutzes

Es ist still in der neuen Großvoliere der Fasanerie Wiesbaden. Nur das Krächzen der Waldrappen hallt durch das hohe Drahtgeflecht, während die schwarzen Vögel mit ihren langen Schnäbeln über Äste balancieren und im Gehölz immer wieder nach Insekten suchen. Fast anderthalb Jahre nach den schweren Schneefällen vom November 2023 hat der Tier- und Pflanzenpark seine zerstörte Anlage wieder aufgebaut – größer, stabiler und besser geschützt gegen Wind, Wetter und mögliche Aufstallungen während einer Vogelgrippe.

Tierpatenschaften in der Fasanerie Wiesbaden

Tierpatenschaften unterstützen Artenschutz und Bildungsarbeit – Wer die Fasanerie Wiesbaden unterstützen möchte, kann eine Tierpatenschaft übernehmen. Auch für die neuen Waldrappen sind bereits erste Patenschaften vergeben worden. Eine Patenschaft kostet derzeit 100 Euro pro Jahr.

Die Einnahmen fließen unter anderem in die Versorgung der Tiere, Umweltbildungsangebote, Gehegesanierungen und Projekte des Tier- und Pflanzenparks. Mehrere Menschen können gleichzeitig eine Patenschaft für dieselbe Tierart übernehmen.

Patinnen werden dann jährlich zum Tierpatentag eingeladen. Nach Angaben des Fördervereins engagieren sich derzeit rund 300 Mitglieder und zahlreiche Tierpaten für den Erhalt der Fasanerie.

Acht Waldrappen leben jetzt in der rund 1200 Quadratmeter großen und zwölf Meter hohen Anlage an der Wilfried-Ries-Straße. Zwei Bänke im laden Besucher ein, sich Ziet zu nehmen und die seltenen Tiere zu beobachten. Mit der offiziellen Eröffnung mit Vertretern des Fördervereins, der kommissarischen Leitung Elisabeth Schüller sowie Naturpädagoge Christian Klapproth ist die zweimonatge Eingewöhnung der Tiere abgeshlossen, können Besucher im Innern Platz nehmen und die seltenen Tiere in Ruhe beobchten.

Ein Vogel, der fast verschwunden war

Der Waldrapp wirkt mit seinem kahlen Kopf, dem gebogenen Schnabel und dem dunklen Gefieder beinahe wie ein Vogel aus einer anderen Zeit. Tatsächlich zählt die Art zu den ältesten Zugvögeln Europas – und zugleich zu den seltensten. Über Jahrhunderte lebten Waldrappen auch in Mitteleuropa. Durch Jagd, den Verlust von Lebensräumen und menschliche Eingriffe verschwanden die Tiere jedoch nahezu vollständig aus der freien Natur. In Europa galt der Waldrapp lange Zeit als ausgestorben.

Erst internationale Wiederansiedlungsprogramme haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass die Population langsam wieder wächst. Zoos, Tierparks und Artenschutzprojekte arbeiten europaweit zusammen, um Nachzuchten aufzubauen und Tiere schrittweise wieder auszuwildern. Genau deshalb spielt der Waldrapp heute auch in zoologischen Einrichtungen eine besondere Rolle: Er steht sinnbildlich für die Frage, wie stark der Mensch in natürliche Lebensräume eingreift – und wie schwierig es ist, zerstörte ökologische Strukturen wiederherzustellen.

Für die Fasanerie Wiesbaden ist der Einzug der acht Tiere deshalb weit mehr als nur eine neue Attraktion für Besucher. Naturpädagoge Christian Klapproth bezeichnete den Waldrapp bei der Eröffnung als „einen tollen Botschafter für Artenschutzarbeit“. Kaum eine andere Vogelart mache so deutlich, wie schnell Arten verschwinden könnten und wie viel Aufwand notwendig sei, um sie zurückzubringen.

Noch sind die Tiere jung. Geschlechtsreif werden Waldrappen meist erst mit zweieinhalb bis drei Jahren. Erst dann beginnt auch das typische Balzverhalten innerhalb der Gruppe. Schon jetzt lasse sich jedoch eine klare soziale Struktur erkennen, erklärte Klapproth. Die Tiere leben eng als Kolonie zusammen, pflegen gegenseitig ihr Gefieder und suchen bewusst die Nähe zueinander. Eine Rangordnung sei dabei durchaus sichtbar, verlaufe aber vergleichsweise friedlich. Statt aggressiver Kämpfe zeige sich Dominanz eher durch Körpersprache, Verhalten innerhalb der Gruppe oder beim sogenannten „Grooming“, also der gegenseitigen Gefiederpflege. Gerade diese sozialen Verhaltensweisen machten die Tiere für Besucher besonders spannend zu beobachten.

Waldrapp Claudia (gelber Ring) und Thomas (pinker Ring) in der neuen Vogelvoliere.
Foto – Waldrapp Claudia (gelber Ring) und Thomas (pinker Ring) in der neuen Vogelvoliere.

Fasanerie setzt auf Bildung statt bloßer Tierhaltung

Mit der neuen Großvoliere rückt auch die Bildungsarbeit der Fasanerie Wiesbaden stärker in den Mittelpunkt. Denn der Tier- und Pflanzenpark versteht sich längst nicht mehr nur als Ort für einen Familienausflug am Wochenende. Die Fasanerie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten außerschulischen Lernorte der Region entwickelt – mit einem Schwerpunkt auf Natur-, Umwelt- und Klimabildung.

Wer durch den Park läuft, begegnet diesem Anspruch beinahe an jeder Ecke. Täglich finden kommentierte Fütterungen statt, bei denen Tierpfleger und Mitarbeiter mit Besuchern ins Gespräch kommen. Dabei geht es längst nicht nur um Namen oder Herkunft einzelner Tiere. Die Mitarbeiter erklären Zusammenhänge zwischen Lebensräumen, Artensterben, Klimawandel und menschlichem Verhalten. Welche Tierart jeweils vorgestellt wird, erfahren Besucher direkt am Eingang der Fasanerie auf einer Übersichtstafel. Die Themen ändern sich regelmäßig und orientieren sich am Alltag der Tiere und den Jahreszeiten.

Hinzu kommen Schulklassen, Ferienprogramme, Kindergeburtstage, Projektwochen und spezielle Umweltbildungsangebote für Erwachsene. Viele Kinder erleben hier zum ersten Mal heimische Wildtiere aus nächster Nähe oder lernen, welche Bedeutung Artenvielfalt für funktionierende Ökosysteme hat. Gerade in einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt wolle man wieder direkte Naturerfahrungen ermöglichen, erklärten die Verantwortlichen.

Nach Angaben der Fasanerie nehmen jedes Jahr zwischen 10.000 und 15.000 Menschen an den Bildungsangeboten teil. Dabei reicht die Arbeit längst über die Parkgrenzen hinaus. Mitarbeiter besuchen Schulen, begleiten Unterrichtsprojekte und wirken an Bildungsprogrammen rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit. Themen wie Biodiversität, Ressourcenschutz und die Folgen des Klimawandels stehen dabei im Mittelpunkt.

Naturpädagoge Christian Klapproth betonte, Umweltbildung bedeute heute deutlich mehr als reine Wissensvermittlung über Tiere. Kinder und Jugendliche sollten früh verstehen, wie eng Mensch, Natur und Klima miteinander verbunden seien. Gerade Arten wie der Waldrapp eigneten sich dafür besonders gut, weil ihre Geschichte sichtbar mache, wie schnell Tiere verschwinden können – und wie schwierig es sei, zerstörte Lebensräume wiederherzustellen.

Eine besondere Rolle spielt dabei auch der freie Eintritt. Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins, Andreas Menzinger, sei der Tierpark in dieser Größe ohne Eintrittsgeld in Hessen nahezu einzigartig. Gerade Familien mit wenig Geld sollten die Möglichkeit haben, Tiere, Natur und Umweltbildung ohne finanzielle Hürden erleben zu können. Für viele Kinder sei die Fasanerie deshalb nicht nur ein Freizeitort, sondern oft auch die erste direkte Begegnung mit Natur- und Artenschutz.

(v.l.n.r.) Naturpädagoge Christian Klapproth, Tierparkleitung Elisabeth Schüller, Vorsitzende Claudia Pallauf und ihr Stellvertreter Andreas Menzinger ©2026 Volker Watschounek

Förderverein hält freien Eintritt möglich

Eine zentrale Rolle für die Entwicklung der Fasanerie Wiesbaden spielt seit Jahren der Förderverein der Fasanerie. Ohne dessen finanzielle Unterstützung wären viele Projekte im Park nach Auskunft der Vorsitzenden Claudia Pallauf kaum umsetzbar – angefangen bei neuen Tieranlagen bis hin zu Bildungsangeboten und Sanierungsarbeiten. Der Wiederaufbau der Großvoliere gehört dabei zu den sichtbarsten Projekten der vergangenen Monate.

Der Förderverein finanziert dabei längst nicht nur einzelne Großprojekte. Unterstützt werden auch laufende Futterkosten, Umweltbildungsangebote, Gehegesanierungen, Lernstationen im Park sowie zahlreiche kleinere Anschaffungen im Alltag der Einrichtung. Allein im vergangenen Jahr flossen nach Angaben des Vereins rund 370.000 Euro in die Fasanerie. Für dieses Jahr sind weitere Investitionen in Höhe von rund 230.000 Euro geplant. Insgesamt habe der Verein seit seiner Gründung mehrere Millionen Euro für den Tier- und Pflanzenpark eingeworben.

Hinzu kommt eine Besonderheit, die Besucher oft kaum wahrnehmen: Große Teile der Arbeit im Förderverein laufen ehrenamtlich. Rund 300 Mitglieder engagieren sich nach Angaben des Vereins für den Erhalt der Anlage, organisieren Projekte, werben Spenden ein oder übernehmen Tierpatenschaften. Viele Mitglieder begleiten die Fasanerie bereits seit Jahrzehnten.

Die Vorsitzende Claudia Pallauf zähllt nicht nur den Naturschutz mit zu den Aufgaben des Förderverein, sondern auch einen gesellschaftlichen Auftrag. Gerade Kinder sollten unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern die Möglichkeit haben, Tiere und Natur unmittelbar zu erleben. Wer durch die Fasanerie laufe, sehe Familien, Schulklassen und Kindergruppen, die sonst vielleicht keinen Zugang zu solchen Angeboten hätten. „Die Kinder stehen für mich im Mittelpunkt“, sagte Pallauf. Natur erleben zu können, dürfe keine Frage des Geldbeutels sein.

So versteht sich die Fasanerie heute nicht nur als Tier- und Pflanzenpark, sondern auch als sozialer und pädagogischer Ort mitten in Wiesbaden – offen für alle, getragen von Ehrenamt, Spenden und dem Gedanken, Naturbildung möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

Foto – ©2024 Acht seltene Waldrappen sind in die neue Großvoliere eingezogen. ©2026 Volker Watschounek

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Die Internetseite der Tier- und Pflanzenpark Fasanerie finden Sie unter fasanerie.net.

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