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Blick in den Thiersch Saal

Gala im Kurhaus Wiesbaden feierte den Wein

Der Ball des Weines im Kurhaus Wiesbaden entfaltete sich am Samstagabend als Gala voller Glanz, Musik und großer Rieslinge. Zwischen Queen-Klängen, britischem Stil und kulinarischen Höhepunkten entstand ein Abend, der Tradition lebendig machte und mit feiner Ironie inszenierte.

Volker Watschounek 9 Stunden vor 0

Der Ball des Weines verwandelte das Kurhaus Wiesbaden in eine glanzvolle Gala zwischen britischem Flair, Musik und großen Rieslingen.

Man betrat den Thiersch-Saal im Kurhaus Wiesbaden – und man verstand sofort, dass dieser Abend mehr wollte als bloß gefallen. Britische Flaggen spannten sich durch den Raum, Hortensien blühten opulent, und der „Union Jack“ tauchte in Fliegen und Einstecktüchern auf. Der Ball des Weines inszenierte sich als Hommage an Großbritannien und setzte zugleich auf ein Spiel mit Symbolen.

Die 24. Gala des Verband Deutscher Prädikatsweingüter stand unter dem Motto „A Toast to You“. Sie verband deutsche Weinkultur mit britischem Flair und ließ einen Abend entstehen, der zwischen Eleganz, Ironie und Selbstbewusstsein balancierte.

Wein als Botschafter

Im Mittelpunkt stand der Wein – und er trat mit Autorität auf. Große Rieslinge bestimmten den Abend, sie begleiteten Gespräche, sie strukturierten den Ablauf. Redner erinnerten daran, dass London einst als Handelsplatz deutschen Wein weltweit bekannt gemacht hatte.

Boris Rhein formulierte es prägnant: „Wein ist das Beste, was eine Traube werden kann.“ Der hessische Ministerpräsident zeigte sich erfreut darüber, dass der VDP Jahr für Jahr „die größte Weinparty Europas“ im Kurhaus ausrichtet. Zugleich appellierte er an die Gäste, bewusst deutsche Weine zu wählen – ein Grauburgunder statt eines Pinot Grigio werde so zur kleinen Entscheidung mit Wirkung. Ein Hochheimer Riesling, benannt nach Königin Victoria, eröffnete den Abend. Er verwies auf historische Begegnungen und machte gleich zu Beginn deutlich, wie eng England, Wein und Geschichte miteinander verwoben bleiben.

Zwischen Bühne und Illusion

Als die Q-Revival-Band die Bühne betrat, veränderte sich die Atmosphäre spürbar. Die ersten Takte von „A Kind of Magic“ erfüllten den Saal, später folgte „Radio Gaga“. Gespräche verstummten, Blicke richteten sich nach vorn, und der Abend gewann an Intensität. Für einen Moment entstand die Illusion, Freddie Mercury sei zurückgekehrt. Natürlich wusste jeder, dass dies nicht geschah. Doch gerade diese Spannung verlieh dem Auftritt seine emotionale Kraft. Die Musik verband Generationen und ließ die Gala über sich hinauswachsen.

Kulinarik in Bewegung

Während im Saal serviert wurde, blieb der Abend in Bewegung. Mancher Gala-Gast erhob sich bereits fürher, wechselten die Perspektive und ließen sich von weiteren Angeboten der Flaniermeile kurzweilg verführen. Pralinen, Kuchen und Desserts fanden schnell ihre Liebhaber und ergänzten das Menü, das im Saal klassische Eleganz zeigte.

Die Vorspeise eröffnete den Abend mit feiner Balance und überraschender Vielfalt: sanft gegarte Lachsforelle traf auf marinierte Black-Tiger-Garnelen, begleitet von einem Erbsen-Mandel-Püree, Rhabarber-Vanille-Chutney und einer dezenten Cocktail-Sauce. Dazu gesellte sich eine Stockfisch-Brandade, die dem Auftakt eine herzhafte Tiefe verlieh.

Der Hauptgang setzte anschließend ein kraftvolles Zeichen. Ein Rinderfilet Wellington trat selbstbewusst auf den Teller, umhüllt von goldbraunem Blätterteig, begleitet von einer intensiven Pinot-Noir-Jus, klassischer Sauce Béarnaise, glasiertem grünem Spargel und fein abgestimmten Kartoffelvariationen.

Das Dessert schließlich löste die Spannung mit spielerischer Leichtigkeit auf. Ein „Eton Mess“ im Stil des Ball des Weines verband Erdbeer-Riesling-Marmelade, frisches Erdbeer-Tatar und knuspriges Baiser zu einem süßen Finale, das Frische und Süße elegant ausbalancierte.

Entscheidend jedoch blieb das Zusammenspiel mit den Weinen. Ein Niersteiner Riesling begleitete die Vorspeise, nahm die feinen Aromen auf und führte sie weiter. Auch die folgenden Gänge fanden ihre Entsprechung im Glas. So entstand kein Nebeneinander, sondern ein Dialog zwischen Küche und Keller – präzise abgestimmt, klar geführt und überzeugend umgesetzt.

Spiel, Tanz und politische Töne

Zwischen den Gängen des Gala-Menüs lockerte Bingo unter anderem Bingo Atmosphäre. Zahlen wurden gerufen, Gäste reagierten, und plötzlich stand ein Cabrio-Wochenende als Gewinn im Raum. Der Ball des Weines erlaubte sich diese Leichtigkeit – und gewann dadurch an Charme.

Später übernahm die Big Band der Bundeswehr. Sie spielte mit Energie, die Gäste tanzten, und der Thiersch-Saal verwandelte sich endgültig in einen Raum der Bewegung.

Auch politische Töne fanden ihren Platz. Gert-Uwe Mende formulierte eine Liebeserklärung an Großbritannien: „Wir vermissen Euch, kommt zurück in die Europäische Union.“ Der Satz wirkte zugleich humorvoll und ernst – und passte in die Atmosphäre dieses Abends.

Ein Fazit mit Geschmack

Am Ende blieb ein Abend, der mehr bot als Glanz. Die Gala zeigte, dass Tradition lebendig wirken kann, wenn man sie klug inszeniert. Sie verband Genuss mit Haltung und Unterhaltung mit Anspruch.

Das Catering von Gaul fügte sich dabei souverän ein. Die Küche arbeitete präzise, der Service blieb aufmerksam, und auch unter anspruchsvollen Bedingungen hielt das Team den Ablauf zusammen. Die Gänge begleiteten den Abend, ohne ihn zu dominieren.

So überzeugte der Ball des Weines im Kurhaus Wiesbaden als Gesamterlebnis – als Gala, die in Erinnerung blieb.

Foto ©2026 Volker Watschounek

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Die Internetseite zum Ball des Weines finden Sie unter balldesweines.de.

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