Vorbereiten auf ein Leben in Deutschland: Intensive Sprachfördermaßnahmen helfen, Deutsch in Wort und Schrift zu vermitteln

In Hessen wurden seit dem Jahr 2015 insgesamt 42.700 Schüler aller Altersstufen in Intensivsprachkursen in Deutsch unterrichtet. „Mit gezielten Maßnahmen zum Spracherwerb werden vom Vorlaufkurskind bis zum jungen Erwachsenen alle Flüchtlinge und Zuwanderer ohne ausreichende Deutschkenntnisse intensiv gefördert und sowohl für den Schulbetrieb als auch später für die berufliche Qualifikation fit gemacht. Die Bemühungen tragen Früchte“, sagten der stellvertretende Ministerpräsident, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, und Kultusminister Prof. R. Alexander Lorz.

Sprachförderung macht sich bezahlt

Die Sprachförderung zeigt Erfolg: Zum einen sind zum Schuljahresbeginn fast 9.000 Schüler aus Intensivmaßnahmen in den normalen Regelunterricht gewechselt. Zum anderen wurden zum Ausbildungsbeginn im Herbst 2017 allein mehr als 1.600 Ausbildungs- und Einstiegs-Qualifizierungsverträge von Handwerksbetrieben und Industrieunternehmen mit Geflüchteten abgeschlossen.

„Bis zu 5.000 Intensivsprachschülerinnen und -schüler an beruflichen Schulen werden voraussichtlich im Mai 2018 am deutschen Sprachdiplom teilnehmen.“ – Tarek Al-Wazir und R. Alexander Lorz

Vom Asylkonvent ging ein gemeinsamer Aufruf an die hessischen Unternehmen aus, verstärkt motivierte Flüchtlinge mit ausreichenden Deutschkenntnissen und entsprechenden Kompetenzen in die duale Ausbildung aufzunehmen. „ Mit Blick auf den steigenden Arbeitskräftebedarf eröffnen sich damit sowohl für diese jungen Menschen als auch für die heimische Wirtschaft Chancen“, so die Minister Tarek Al-Wazir und R. Alexander Lorz. „Das Erlernen der deutschen Sprache ist die Voraussetzung zum Erfolg in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt und damit auch essentiell für die Integration in unsere Gesellschaft.Aber auch Förderung, Berufsorientierung und Qualifizierung sind wesentliche Felder, auf denen in Hessen erfolgreich gearbeitet wird.“

„Die intensiven Sprachfördermaßnahmen helfen, Deutsch in Wort und Schrift zu vermitteln, damit allen Schülern – unabhängig von Herkunft und Vorqualifikation – gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen ermöglicht werden.“– Kultusminister Prof. Lorz.

Zur durchgängigen Sprachförderung von Schülern ohne deutsche Muttersprache sind im schulischen Gesamtsprachförderkonzept des Landes Hessen zahlreiche Maßnahmen verankert. Die Bausteine reichen von den freiwilligen Vorlaufkursen für schulpflichtig werdende Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse bis zu den Intensivklassen an beruflichen Schulen (InteA). Darüber hinaus ermöglicht der „Hessische Aktionsplan zur Integration von Flüchtlingen und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts“, dass auch bereits volljährige Flüchtlinge unter 21 Jahre entsprechend unterrichtet werden können.

„Hauptziel von InteA ist die Vermittlung ausreichender Deutschkenntnisse – im Idealfall nachgewiesen durch DSD I PRO.“ – Tarek Al-Wazir, Wirtschaftsminister

An der Adolf-Reichwein-Schule, eine berufliche Schule des Landkreises Limburg/Weilburg, werden aktuell in sechs InteA-Klassen 110 Seiteneinsteiger für die unterschiedlichsten Ausbildungsberufe fit gemacht. Hessenweit gehen rund 6.100 Schüler in InteA-Klassen. Flächendeckend eingeführt ist dort auch das Deutsche Sprachdiplom (DSD I PRO), ein weltweit anerkanntes Zertifikat, das Sprachkenntnisse nach dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeR) prüft. Flüchtlinge, die sich für eine Ausbildung interessieren, können damit einen Nachweis ausreichender Sprachkompetenz erbringen. Im ersten Durchgang dieses neuen Prüfungsformats im Schuljahr 2016/17 konnte Hessen mit 759 Absolventinnen und Absolventen aus 37 Schulen die höchsten Teilnehmer- und Absolventenzahlen vorweisen und somit eine bundesweite Vorreiterrolle einnehmen. Der Anteil der Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer, die die höchste Anforderungsstufe dieser Sprachprüfung erreicht haben, liegt in Hessen mit 34 Prozent deutlich über dem bundesweiten Anteil von 28 Prozent.

Hintergrund

Der Asylkonvent hat sich am 14. Oktober 2015 konstituiert. Ihm gehören mehr als 60 Spitzenvertreter aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen an. In insgesamt sieben Fachgruppen erarbeiten die Beteiligten Maßnahmen für die zentralen Themenfelder Bildung, Arbeitsmarkt, Sicherheit, Wohnen, Gesundheit, Ehrenamt und Integration. Die Facharbeitsgruppen ziehen bei Bedarf weitere Experten und Engagierte hinzu und erhalten fachliche Unterstützung durch Mitarbeiter des Landes.

Leiter der einzelnen Fachgruppen

–       Wirtschaft: Bernd Ehinger, Präsident des Hessischen Handwerkstags
–       Gesundheit: Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen
–       Bildung: Dr. Manuel Lösel, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium‘
–       Sicherheit: Udo Münch, Landespolizeipräsident
–       Ehrenamt: Stefan Würz, Geschäftsführer LandesEhrenamtsagentur Hessen
–       Integration: Kai Klose, Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration
–       Allianz für Wohnen: Bindeglied zwischen Asylkonvent und Allianz für Wohnen ist der Direktor des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft e.V., Dr. Axel Tausendpfund

Beteiligte Institutionen

Kommunale Spitzenverbände, Regierungspräsidien, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Religionsgemeinschaften, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Flüchtlingsrat, Ärztekammer, Bundeswehr, Bundesagentur für Arbeit, Liga der freien Wohlfahrtspflege, Ausländerbeirat, Flüchtlingsrat, Vertreter unbegleiteter Flüchtlinge, Rettungsorganisationen, Technisches Hilfswerk, Feuerwehrverband, Landespolizeipräsidium, Landesehrenamtsagentur, Sportbund Hessen, Vertriebenenvertreter, Wohnungswirtschaft, u.v.m.

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