„Wenn wir nicht mehr Empathie für Jüdisches Leben zeigen und uns nicht noch stärker gegen Antisemitismus engagieren, dann werden wir ein Deutschland ohne Juden erleben. Das Zeitfenster Jüdischen Lebens in Deutschland schließt sich und die wenigsten nehmen wahr, wie bedroht sich unsere jüdischen Nachbarn fühlen, wie weit sie sich zurückziehen und wie viele ihre Koffer schon gepackt haben. Dass es in anderen europäischen Ländern wie Belgien, Frankreich oder Großbritannien noch schlimmer ist, sollte uns nicht beruhigen, sondern warnen. Der Staat leistet von Prävention und Bildung bis zur Repression sehr viel, doch es kommt auf uns als Gesamtgesellschaft an, für Jüdisches Leben klar Position zu beziehen und Hass und Hetze gegen Jüdinnen und Juden entgegenzutreten. Ich appelliere daher an die Zivilgesellschaft in Deutschland: Verbände, Vereinigungen, Organisationen, Kirchen, Bildungseinrichtungen und Medien müssen in ihren Wirkungsfeldern eigene Impulse setzen und im Kampf gegen Antisemitismus sichtbarer werden. Vom Besuch in jüdischen Gemeinden, Formaten der Zusammenarbeit, über Veranstaltungen, Bildungsprojekten, bis zur Stärkung der Erinnerungsarbeit oder der Partnerschaft mit jüdischen Organisationen ist vielen möglich, wenn man nur will. Als Hessischer Antisemitismusbeauftragter stehe ich für jeden Austausch zur Verfügung, der solche Impulse mit möglich macht“, erklärte der Hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker heute.
„Als bestimmende Form des Judenhasses hat sich in den letzten Jahren ganz klar der israelbezogene Antisemitismus entwickelt. Israel wird als Umweg für Hass und Hetze gegen Jüdisches Leben missbraucht und Antizionismus ist zum Kampfbegriff für Antisemitismus geworden. Die Unwissenheit vieler Menschen über den Nahen Osten wird als strategisches Einfallstor für den oft professionell orchestrierten, israelbezogenen Judenhass genutzt. Deshalb sind gerade auch Bildungs-, Informations- und Begegnungsformate, die Menschen in Deutschland mit Israel verbinden, von besonderer Bedeutung. Hier können selbst Unternehmerverbände, Gewerkschaften aber auch Medien wichtige zusätzliche Beiträge leisten. Vom Jugendaustausch über Delegationsreisen, Wirtschaftskontakte bis zu objektiven Dokumentationen ist auch hier die Bandbreite groß. Wir dürfen die Straßen, Plätze und Unterrichtsräume nicht den Antisemiten überlassen. Unsere Gesellschaft muss endlich aufwachen und gemeinsam handeln, sonst verlieren wir einen wichtigen Teil der Identität unseres Landes: Jüdisches Leben“, so der Hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker abschließend.




