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Kinderspielplätze im Kurpark

Spiel- und Aktionsflächen: Bestandsaufnahme zeigt Lücken im Stadtbild

Wiesbaden zählt, misst und bewertet seine Spiel- und Aktionsflächen neu. Die große Bestandsaufnahme zeigt: Vieles funktioniert, manches fehlt. Vor allem in dicht bebauten Quartieren wächst der Druck. Jetzt will das Grünflächenamt gezielt nachsteuern – mit mehr Qualität, Klima-Fokus und Beteiligung.

Volker Watschounek 1 Monat vor 0

Wiesbaden analysiert erstmals alle Spiel- und Aktionsflächen – und entdeckt deutliche Unterschiede zwischen den Stadtteilen.

Wiesbaden hat genauer hingeschaut. Nicht flüchtig, nicht nebenbei, sondern systematisch und mit bemerkenswerter Akribie. Mit der umfassenden Bestandsaufnahme hat das Grünflächenamt vergangene Woche erstmals ein Gesamtbild der Spiel- und Aktionsflächen vorgelegt, – mehr als nur.eine Inventarliste. Es ist die aktuelle Momentaufnahme der Stadt – und zugleich zu einem Arbeitsauftrag für die Zukunft.

171 Flächen, verteilt auf 26 Stadtteile, wurden dabei unter die Lupe genommen. Planer sind hinausgegangen, haben gezählt, gemessen, dokumentiert und bewertetet. Sie haben rund 20.000 Datenfelder erfasst, mehrere Tausend Fotos gemacht – und sind dabei qeur durch die Stadt geradelt. Das Ergebnis: ein differenziertes Bild zwischen solider Basis und punktuellem Nachholbedarf.

Gute Noten – aber nicht überall

Im Durchschnitt hat die Stadt mit der Note 2,66 ordentlich abgeschnitten. Das klingt nach einem soliden „Gut“ – und ist es auch. Viele Anlagen überzeugten, bieten Spielwert, Aufenthaltsqualität und ökologische Ansätze. Familien finden Orte, an denen Kinder rennen, klettern und sich begegneten können.

Der Blick ins Detail aber relativiert die Zufriedenheit. Die Versorgung verteilt sich ungleich. Während einige Stadtteile gut ausgestattet sind, kämpften andere mit deutlichen Defiziten. Besonders dicht bebaute Quartiere geraten unter Druck. Dort fehlt es an Platz, an Rückzugsorten, an grünen Inseln.

Oder anders gesagt: Wo viele Menschen wohnen, fehlt oft genau das, was sie am dringendsten brauchen – Raum.

Mehr als nur Spielplätze

Spiel- und Aktionsflächen erfüllten längst mehr als einen Zweck. Sie sind zu Treffpunkte, Bewegungsräume, kleine sozialen Bühnen im Alltag. Wer hier sitzt, spielt oder ins Gespräch kommt, gestaltete Stadtleben aktiv mit.

Das Grünflächenamt erkennt diese Rolle – und möchte sie stärken. Künftig sollen Flächen nicht nur funktionieren, sondern besser verbinden: Generationen, Bedürfnisse, Lebensrealitäten. Dazu gehören barrierearme Zugänge, inklusive Angebote und klar definierte Aufenthaltsbereiche.

Im Rahmen der Studie rückte auch das Klima in den Fokus. Versiegelte Flächen wurden erkannt und sollen weichen, Bäume Schatten spenden, Regenwasser versickern statt abfließen. Damit entwickeln sich die Spielplätze zu Bausteinen einer klimaangepassten Stadtentwicklung.

Zahlen, die zum Handeln drängten

Rund 300.000 Menschen leben in Wiesbaden, darunter mehr als 42.000 Kinder. Ihnen stehen gut 524.000 Quadratmeter Spiel- und Aktionsfläche zur Verfügung. Das klingt zunächst viel – reicht aber nicht. Der Zielwert liegt deutlich höher. Es fehlten fast 300.000 Quadratmeter. Der Versorgungsgrad erreicht aktuell nur gut 64 Prozent.

Das ist kein Detail, sondern ein strukturelles Thema. Die Stadt wächst, die Ansprüche steigen, die Flächen bleiben begrenzt. Und genau hier setzte die Planung an.

Kleine Lösungen, große Wirkung

Die Strategie wirkt pragmatisch. In der Innenstadt sollen kleine Spielpunkte entstehen, eben dort, wo große Flächen fehlen. Bestehende Anlagen sollen wachsen, sich verändern, sich öffnen. Gleichzeitig möchte die Stadt genauer priorisieren. Nicht alles muss sofort passieren, nicht alles gleichzeitig. Doch die Richtung ist klar: gezielt investieren, sinnvoll ergänzen, kontinuierlich verbessern.

Und: Die Bürger sollen mitreden. Wer die Flächen nutzt, solle sie mitgestalten.

Ein Plan, kein Versprechen

Der Bericht legt keine fertigen Baupläne vor. Er zeigt Wege auf, definiert Ziele, setzt Schwerpunkte. Die konkrete Umsetzung soll später folgen – Schritt für Schritt, Quartier für Quartier. Als langfristiger Prozess. Einer, der Geduld verlangt – und politische Konsequenz. Denn am Ende geht es um mehr als Schaukeln und Rutschen. Es geht um Lebensqualität, um Stadtklima, um soziale Räume. Oder, ganz einfach gesagt: darum, wie sich eine Stadt bewegt.

Archivoto – Kinderspielplätze im Kurpark, Sonnenberg. ©2020 Volker Watschounek

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Der Gesamtbericht zum herunterladen: Unsere Stadt bewegt – Gesamtbericht

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