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1826–2026: Die stille Geschichte eines jüdischen Gotteshauses

200 Jahre nach der Einweihung der Synagoge in der Schwalbacher Straße erinnert Wiesbaden an ein Bauwerk, das nicht auffallen durfte – und doch Geschichte schrieb. Der Blick zurück zeigt Mut, Beharrlichkeit und den langen Weg jüdischer Sichtbarkeit in der Stadt.

Kyra Intelliana 4 Stunden vor 0

Vor 200 Jahren weihte die Gemeinde die Synagoge in der Schwalbacher Straße ein. Ein Bau unter Auflagen – und ein Schritt Richtung Sichtbarkeit.

Am 24. Februar 1826 weihte die jüdische Gemeinde die Synagoge in der Schwalbacher Straße ein. Im Jahr 2026 jährt sich dieses Ereignis zum 200. Mal. Was heute wie ein nüchterner Verwaltungsakt klingt, bedeutete damals einen Akt des Durchhaltens – und einen vorsichtigen Schritt in Richtung Sichtbarkeit.

Der Neubau am Michelsberg

1857 verfügte die jüdische Gemeinde über ausreichende Mittel, um einen repräsentativen Neubau zu wagen. Sie beauftragte den Wiesbadener Architekten Philipp Hoffmann mit der Planung. Nach Erteilung der Genehmigung nahm Hoffmann 1862 die Arbeit auf. Von 1863 bis 1869 errichteten Handwerker das neue Gotteshaus am Michelsberg.

Zuvor hatte die Gemeinde in der Oberen Webergasse gebetet. Doch das Gebäude verfiel. Seit 1817 rang man mit Behörden, stellte Anträge, wartete, argumentierte. 1824 untersagte die Landesregierung schließlich die weitere Nutzung. Die Gemeinde musste handeln. Sie erwarb ein Grundstück zwischen Promenadenweg, der späteren Schwalbacher Straße, und der Stadtmauer am Stumpfen Tor.

Doch der Neubau durfte nicht auffallen. Der Staat schrieb vor, dass das Gotteshaus im Stadtbild nicht sichtbar hervortrat. Einen öffentlichen Umzug der Thorarollen verbot das Ministerium. Juden galten im Herzogtum Nassau weiterhin als „Schutzjuden“. Sie lebten geduldet – nicht gleichberechtigt.

Ein Bauwerk im Schatten

Die Synagoge blieb äußerlich zurückhaltend. Sie stand, sie diente, sie stärkte die Gemeinde – aber sie durfte sich nicht zeigen. Dennoch wuchs die jüdische Bevölkerung stetig. 1825 lebten 152 Jüdinnen und Juden in der Stadt. 1885 zählte man bereits 1.370. Die Gemeinde gewann an Selbstbewusstsein, wirtschaftlicher Kraft und gesellschaftlichem Einfluss.

Erinnerung als Auftrag

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende würdigt das Jubiläum als wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte. Die Einweihung von 1826 zeige, welchen Widerständen die Gemeinde trotzte. Erst mit der späteren Synagoge am Michelsberg habe jüdisches Leben sichtbar Raum eingenommen. Angesichts der Shoah und der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens bleibe diese Erinnerung Verpflichtung.

Zweihundert Jahre nach der Einweihung der Synagoge in der Schwalbacher Straße geht es nicht nur um Architektur. Es geht um Rechte, Würde und die Frage, wer sich zeigen darf. Sichtbarkeit, so Mende, müsse selbstverständlich sein – und geschützt werden.

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