Beim IHK-Jahresempfang fordert Präsident Jörg Brömer mutige Reformen und stärkt die „Starkmacher der Region“, die Wirtschaft, Kommunen und Demokratie tragen.
Der Jahresempfang der IHK Wiesbaden begann am Mittwochabend nicht leise. Schon beim Betreten des Hauses spürten die Gäste, dass dieser Abend mehr war als ein ritueller Start in ein neues Jahr. 400 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft füllten das Foyer, Stimmen schwangen, Hände wurden geschüttelt, Erwartungen lagen förmlich in der Luft.
Moderatorin Tanja Samrotzki begrüßte das Publikum im großen Saal der IHK mit einer Mischung aus Leichtigkeit und Präzision, die sofort ein Gefühl von Orientierung schuf. Sie führte elegant in den Abend, setzte Akzente, öffnete Gespräche. Und sie kündigt zwei Menschen an, die am Mittwochabend Kante zeigten und die Richtung vorgaben: IHK-Präsident Jörg Brömer und Hauptgeschäftsführerin Sabine Meder.
Eine Welt in Unordnung
Als Brömer auf die Bühne trat, wurde es ruhiger. Er stieg nicht mit Floskeln ein, sondern mit einem globalen Blick. Die Weltordnung, sagte er, hat sich verschoben. Autoritäre Staaten würden Grenzen austesten, das Völkerrecht wird missachtet, wirtschaftliche Abhängigkeiten verändern sich. „Wir sind keine Insel“, sagte Brömer – und sofort war klar: Dieser Abend wird kein lauer.
Seine Worte trafen einen Nerv. Viele im Saal kämpfen in ihren Unternehmen täglich mit unsicheren Lieferketten, Energiepreisen, Fachkräftemangel. Wirtschaften heißt längst: permanent neu navigieren.
Wer hier arbeitet, hält die Region zusammen
Brömer rückte schnell zur Kernbotschaft vor: Die „Starkmacher der Region“. Die IHK Wiesbaden vereint 36.000 Unternehmen, die rund 200.000 Arbeitsplätze sichern, Jahr für Jahr über 500 Millionen Euro Gewerbesteuer erbringen und mehr als 3.000 junge Menschen ausbilden.
Kurze Filme zeigten, wie breit die Region aufgestellt ist: „digitalMACHER“, „mobilMACHER“, „sicherMACHER“. Start-ups und Traditionsunternehmen standen an dem Abend nebeneinander. Innovation traf Verantwortung, Handwerk traf Hightech.
Brömer sprach darüber, wie stark diese Region eigentlich ist – und wie sehr sie von politischen Entscheidungen abhängt, die nicht zu ihr passen. „Wir brauchen Reformen, keine Arbeitskreise“, sagte er – und erntete den ersten langen Applaus.
Eine Wirtschaft, die unter Bremsen leidet
Brömer zählte auf, wo die Politik die Wirtschaft ausbremst: langwierige Genehmigungen, komplizierte Gründungsverfahren, steigende Energiepreise, schwankende Förderkulissen. Besonders scharf kritisierte er den Umgang mit Gewerbeflächen.
Dass die 40 Hektar für den geplanten Neubau des Bundeskriminalamtes im Ostfeld auf Wiesbadens ohnehin knappes Gewerbeflächenkontingent angerechnet werden könnten, nannte er „absurd“. Die Region brauche Platz zum Wachsen – sonst erlahme die Dynamik.
Bürgermeisterinnen und Bürgermeister berichten
Dann betraten die kommunalen Stimmen die Bühne. Lucie Maier-Frutig aus Niedernhausen erklärte, wie sie Ehrenamt und Wirtschaft stärker verzahnen will. Marion Janßen aus Aarbergen sprach über Schulprojekte, die Jugendliche im ländlichen Raum halten sollen.
Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende wurde deutlich: Kommunen seien „Bastionen der Demokratie“. Wenn sie Aufgaben nicht mehr erfüllen könnten, kippe Vertrauen. Sein Appell: Kommunen brauchen stabile Finanzen, weniger Pflichten und mehr Entscheidungsfreiheit. Landrat Sandro Zehner setzte Zahlen dagegen: 32 Milliarden Euro kommunales Defizit – bundesweit. „Was kann der Staat sich leisten?“ fragt er, nicht polemisch, sondern notwendig.

Zwischen Selbstkritik und Selbstbewusstsein
Staatssekretär Umut Sönmez brachte eine andere Perspektive ein. Er mahnte, Deutschland nicht kleinzureden. „Ein Großteil der Welt beneidet uns“, sagte er – und bekam spontanen Applaus. Seine Botschaft: Auch in Krisenzeiten bleibt dieses Land stark, wenn es zusammenhält.
Gemeinschaft als Strategie – nicht als Floskel
Brömer beendete seine Rede nicht mit Kritik, sondern mit einem Blick nach vorne. Er verwies auf erfolgreiche Projekte wie den Gründer-Hub im Alten Gericht, der längst als Leuchtturm für Innovation gilt. Er nannte heimat shoppen als Beispiel für lebendige Innenstädte. Und er setzte Hoffnung in das Jahr von World Design Capital 2026, das unter dem Motto Design for Democracy neue Impulse setzen soll.
Der Saal reagierte mit Zustimmung – und mit dem Gefühl, dass dieser Abend etwas bewegt.
Ein Empfang, der nachwirkt
Beim anschließenden Get-together kreisten Gespräche um Reformen, Gewerbeflächen, Fachkräfte, kommunale Herausforderungen. Die Themen waren groß, die Stimmung trotzdem gelöst. Menschen vernetzten sich, suchten Verbündete, planten nächste Schritte.
So zeigte IHK-Jahresempfang, dass wirtschaftliche Stärke kein Selbstläufer ist – sondern eine gemeinsame Aufgabe. Und dass diese Region bereit ist, sie anzunehmen.
Foto – Talk beim Neujahrsempfang – ©2026 Wiesbaden lebt
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