Der stillgelegte Tunnel „Petra“ wird zum Winterquartier. Erste Fledermäuse machen den Ort bereits jetzt zu einem Symbol des Artenschutzes.
Im ehemaligen Steinbruch Kalkofen hat Wiesbaden ein ungewöhnliches Bauwerk seiner Bestimmung übergeben: den Fledermaustunnel „Petra“. Das neue Fledermaus Winterquartier wurde am Donnerstag offiziell eröffnet – doch seine ersten Bewohner sind längst eingezogen. Bereits kurz nach Abschluss der Umbauten erkundeten Fledermäuse den stillgelegten Tunnel.
Bürgermeisterin Christiane Hinninger und Umweltamtsleiter Dr. Klaus Friedrich stellten das Projekt zusmmen. beim Pressetermin vor. Es steht exemplarisch für kommunalen Artenschutz in Zeiten einer globalen Biodiversitätskrise.

Lokaler Artenschutz mit globaler Bedeutung
Seit der UN-Konferenz über biologische Vielfalt 1992 in Rio de Janeiro gilt der Verlust der Biodiversität als eine der größten ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Arten verschwinden weltweit in rasantem Tempo. Dabei sichern funktionierende Ökosysteme zentrale Leistungen: sauberes Wasser, ein stabiles Klima und fruchtbare Böden.
Doch Biodiversität lässt sich nicht nur auf internationalen Konferenzen schützen. Sie entsteht vor allem durch konkrete Maßnahmen vor Ort. Genau hier setzt das Projekt „Petra“ an. Der Fledermaustunnel ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, mit denen Wiesbaden Lebensräume für Tiere sichert. Die Stadt gehört dem Netzwerk Kommunen für biologische Vielfalt an und versucht, Naturschutz aktiv in die Stadtentwicklung zu integrieren.
Ein Tunnel wird zum Winterquartier
Der rund 300 Meter lange und acht Meter hohe Tunnel liegt zwischen der städtischen Deponie und dem Steinbruch Kalkofen. Früher nutzten ihn Lastwagen. Heute bietet er ideale Bedingungen für Fledermäuse: stabile Temperaturen über null Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und geschützte Rückzugsorte.
Im Inneren entstanden mehrere abgeschirmte Bereiche mit unterschiedlichen Mikroklimata. Experten installierten Hangmöglichkeiten und verschlossen große Teile der Tunnelöffnungen, um Wind zu reduzieren. Sensoren messen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Detektoren zeichnen Fledermausrufe auf. Schon jetzt registrierten Fachleute Rufe von Zwergfledermäusen. Weitere Arten könnten folgen – etwa die in Wiesbaden heimischen Braune Langohr, das Graue Langohr oder die Kleine Bartfledermaus.
Der ehrenamtliche Fledermausexperte Olaf Godmann erkannte früh das Potenzial des Bauwerks. Durch Größe und Lage könne sich der Tunnel zu einem der bedeutendsten Fledermaus-Winterquartiere Hessens entwickeln.

Ein Naturraum mit besonderem Wert
Der Kalkofen gilt ohnehin als ökologisches Kleinod. Bis 2003 nutzten ihn die Dyckerhoff-Werke für die Zementproduktion. Danach lag das Gelände lange brach, bevor das Umweltamt es 2017 übernahm. Seit dem entwickelt sich auf dem Gebiet ein wertvoller Naturraum. Rehe und Füchse durchstreifen das gebioet regelmäßig. Schafe und Ziegen pflegen die Flächen, seltene Arten finden Rückzugsorte. Auch der farbenprächtige Bienenfresser ist hier heimisch geworden. gelegentlich auf.
Für Besucher bleibt das Gebiet größtenteils geschlossen. Die Natur hat Vorrang. Und dennoch öffnet das Umweltamt von Zeit zu Zeit die Türen, lädt Gruppen zu verschiedenen Exkursionen. Auch Forscher der umliegenden Universitäten sind immer willkommen.
Jeder Garten kann helfen
Fledermäuse brauchen jedoch nicht nur große Schutzräume. Auch Parks oder private Gärten können wichtige Lebensräume bieten. Alte Bäume mit Höhlen dienen als Sommerquartiere, ein reiches Insektenangebot sichert Nahrung. Fun Fakt: Fledermäuse leben erstaunlich lange – bis zu 30 Jahre. Einmal im Jahr bringen die Weibchen ein Jungtier zur Welt und zeigen inhnen gleich die traditionellen Winterquartiere. Häufig bleiben sie dann auch und beginne sich zu paaren.
Vielleicht gehört bald auch „Petra“ zu diesen Orten.



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